reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Ruheprävention

„Du kannst“, hat der Erbmassenherumträger unlängst gesprochen und das Kaffeehaferl schön mittig auf der Erbmasse parkiert, „mir vielleicht irgendwann einmal erklären, warum du da immer und immer und immer wieder hingehst. Weil sagen wir einmal so: Ich versteh das nicht.“ Wortreich hatte ich die Minuten zuvor sorgfältig dargelegt, warum möglicherweise einer gemeinsamen Aktivität am Pfingstmontag eine kleine Schwäche entgegenstehen könnte, auch ein abendlicher Besuch auf der Heimatkirchweih war mir in all meiner Weisheit vorauseilend als unzumutbar erschienen. Ich sprach von einer provisorisch empfundenen großen Sehnsucht nach Räumen der Stille und Einsamkeit, möglicherweise solchen, die sich in einem eierkartonumklebten Raum in einem Keller befänden. Von einem tiefen Wunsch nach gedankenlosem Dahintreiben ganz in der Mitte ganz auf einem großen Wasser vielleicht, von nichts begleitet als dem algigen Rauschen im Gehörgang, in der linken Hand vielleicht eine knackige Gurke, in der rechten den Karottenschnitz, dazwischen ein Schluck Detoxschorle, und während ich so sprach, konnte ich sie schon fühlen, diese Schwäche, die ein jeder kennt, der schon einmal auf einer großen und mehrtätigen internationalen Tagung war – oder auf einem Festival. „Bleibst du halt einfach einmal daheim, Tochter, wie wär denn das?“ – „Ja“, hab ich gesagt, „du hast schon recht. Ich mein, was soll das denn auch alles? Es ist so laut dort draußen und es stinkt immer so sehr, und so viel Mensch hat’s überall, und dann wird es so heiß und von oben ist die Sonne und von unten stehst du auf Herdplatten und einen Schatten hast du auch nirgends, und dann kommt wieder so ein arger Regen und dann stinkts hernach noch mehr und nass bist du dann auch und kleben tut eh auch alles und immer wenn du heimkommst abends, also wenn du es geschafft hast, irgendwie heimzukommen, weil es ist nicht so leicht, weil die Tram ist weg und der Bus so voll, dann stellst du fest, dass du doch wieder was verloren hast, einen Pulli beispielsweise, oder ein Geld, oftmals verliert man Geld, vorzugsweise große Scheine, manchmal auch Personen, die verliert man wirklich oft, und dafür findest du dann aber im Überlebenssackerl lauter neue schiefe Brillen und Unrat eh zuhauf, und auf den ganzen Unrat hat dir jemand einen Glitzer hineingetan und den hast du aber freilich erst gemerkt daheim, als du das Sackerl ausgeleert hast, und dann schneidest du die Füße aus der Gummistiefelform, in die du dich den ganzen Tag hineingebacken hast, und wie der schönste Hefeteig sind die Füße in der Form auch artig aufgegangen, und so hefeteigst du dich ins Bett und wirst sogleich bewusstlos und dann am nächsten Tag weißt du: Es kommen noch einmal zwei Einheiten …“ – „Was schlussfolgern wir daraus?“, frug der weise alte Mann. „Ja was glaubst denn du?“, sprach ich salomonisch. „Ich freu mich sakrisch!“

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~

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