reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Spinnerei

Heute Morgen konnte ich fast beinahe ungefähr überhaupt das Haus nicht verlassen. Man kennt das von Menschen, die hypersensibel und völlig überarbeitet sind, da geht das ganz plötzlich eines Tages zack!, kommst nicht mehr aus der Tür und musst dich fortan auf dem Boden in Embryonalhaltung gekrümmt selbst wiegen und wimmern, bis zufällig jemand kommt und dich findet und rettet. Ganz genau so war das bei mir auch. Also es war nämlich so, dass ich um 8.30 in megamotiviert die Tür aufgerissen hab und die zweite Hälfte meines Tagwerks angehen wollte, dann jedoch direkt versteinert bin und kein bisschen Fuß über eine Schwelle hab tun können. Weil da hat das Böse gelauert, das arachnoide. Es ist fei wirklich überhaupt gar nicht so, dass ich prinzipiell was gegen Spinnen hätt. Ich find die super, beispielsweise hinter Panzerglas oder ausgestopft. Oder wenn sie sich gemütlich von einer Blume abseilen. Oder wenn sie ganz arg friedlich oben an einer Klodecke wohnen. Oder wenn sie Weberknecht heißen und ein bisschen dumm sind und dauernd ein Bein verlieren. Überhaupt kein Problem. Aber jetzt ist halt so, dass ich so einem superfeinen, urfränkischen Hexenhaus aufgewachsen bin. So mit ganz viel Natur außenrum. Und in dem Superhaus hat’s nicht nur mir gut gefallen, sondern auch den Spinnen, und zwar den mordsekligen fetten mit den haarigen Rücken und Haxen, weil „die wollen halt im Winter auch lieber ins Warme.“ Jetzt ist so, dass ich für sowas prinzipiell schon Verständnis hab, aber das halt auch seine Grenzen hat. Zum Beispiel, wenn man morgens ein Auge öffnet und dann über einem hängt so ein achtbeiniger Batzen und glotzt dich aus 37 schwarzen Kugeln an und du siehst ganz genau wie der Batzen überlegt, ob er nicht auch lieber in einem Bett liegen möcht. Oder du rückst das Kanapee ein bisschen vor und so schnell kannst du gar nicht kreischen wie das braune Teil dir über den Fuß flitzt. Oder es hängt halt dauernd eins fies an einer Wand herum und hat die Angewohnheit, wenn du’s einfangen willst, sich einfach mit Effet fallen zu lassen. Oder, spezialfies: Hab ich mal eine Picknickdecke gewaschen, mit allem Pipapo. Die dann auf die Leine, und am nächsten Tag so „sakradi, hängt da immer noch ein Zweigerl“, und das dann wegpopeln wollen und auf einmal entfaltet sich das Zweigerl und rennt dir mit allen acht Beinen über die Hand. Contenance wird überbewertet. Jetzt weißt du aber also, dass sehr wahrscheinlich der Türwächter dermaßen saublöd auf der Schwellenkante sitzt, dass er überallhin türmen wird, bloß nicht ins Einfangglas. Was also tun? Genau: abhauen und den Feind aushungern. Seitdem sitz ich im Café um die Ecke. Auch schön. Irgendwie. Und ihr so? „My Club Party“ (Desi, Brückenstraße), „Die linke Party“ (KK, Königstraße), „Stereo FM“ (Klaragasse), „Dubworxx“ (Z-Bau, Frankenstraße) und am Samstag „13Y Go Gitarre! Go“ (Stereo), „Maximum Rock Night“ (Hirsch, Vogelweiherstraße), „Rigorös“ (Rakete, ebd.), „We are 138“ (Zentralcafé, Königstraße), „Beatbetrieb“ (Z-Bau), „Die Macht der Nacht 2.0“ (Cult, Dooser Straße), „Plsr pres. Edward“ (4Hertz, Königstraße). Wenn jemand Ideen hat für Sonntagsunternehmungen, bitte Bescheid geben. Ich bin ja eh schon draußen.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~

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