reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Telefonseelsorge

Neues vom Pubertier! Wegen Ferien Ausflug in die große Innenstadt, wegen neuerdings gottlob immer noch nicht voll geschäftsfähig erstmals ohne lästige Gouvernante. In aller Herrgottsfrüh, also so gegen 10, Audio (das ist wie Anrufen, nur ohne unterbrochen werden zu können). Man würde ja jetzt dann zu neunt äh nee zu zehnt mit der Svenja und müsste aber grad Frühstück und sehe sich deswegen außerstande das Wetter, müsse aber dringend wissen wegen Klamotten. Ich: freudig. Man plane scheints eine ausgedehnte Wandelung auf den Spuren des NS-Regimes unter freiem Himmel, wie schön, um sicher im Anschluss auf den Pfaden des Kaiserreichs zu kontemplieren und einen lockeren Spaziergang durch den Tiergarten zu unternehmen. Antwort: „Hä?“ Ich, seufzend: Na Geschichte, Bio und überhaupt? „Hä?“ Wisse man doch alles, überhaupt neuerdings voll gut in Bio, Lehrerlob, nein nicht nur das eine Mal, als von mir der Unterschied zwischen Virus und Bakterium eingeprügelt wurde, sondern weil man letzthin den zwischen Vene und … äh … äh … Sehne so toll erklärt hätte. Zwischen was? Na Vene und Sehne! Ja freilich, Schatz, das hast du sicher ganz großartig erklärt, ich bin stolz auf dich! … Ja, und jetzt jedenfalls müsse man das wissen wegen der Klamotten. Hab ich dies und jenes ins Feld geführt und auch, dass Madame sich doch von -20° nicht davon hat abhalten lassen, in Superstars statt der extra erworbenen Lammfellstiefel durch den Schnee zu waten und mir passive Blasenentzündung zu bereiten durch das konsequente Tragen von bauchfreien Leibchen, derweil ich mir die Angoranierenwärmer schichtenweise um den Wanst geschnürt … In der Tat liebäugele man mit einem Shirtchen, das die zu meinem altweibischen Missgefallen neuerdings zu tragende „High Waist“ besonders in Szene setze, jedoch sei die Problematik diejenige, dass man dies mit einem Parka zu kombinieren gedenke. Ähä? Ja, weil wenn man irgendwo reingehen wölltete … Ich: Ah! Welches Museum? … Wie zum Beispiel in dieses große Einkaufsdingens da in der großen Dingsstraße oder halt Burger und so, dann sähe man sich in dem Zwiespalt, im Parka zu schwitzen oder im Leibchen zu frieren. Und da haben wir jetzt keine Strickjacke? Nein. Also keine die dazu passt. Ja, Mausi, hab ich dann gesagt, dann weiß ich jetzt fei auch nicht, irgendeinen Pulli wird’s schon geben im Schrank. Die Frequenz der Antworten ließ darauf schließen, dass sich bereits den Malerarbeiten zugewandt worden war und nur noch ein lästiglässiges „Jaja“ möglich. Ich, autoritär: Missy, dieses lästiglässige „Jaja“ kannst dir fei sparen bei mir, es geht hier schließlich um deine Klamotten und nicht um meine seit einer Viertelstunde. „Jaja. Pech. Weil schau: Hast du jetzt trotzdem eine Viertelstunde verdingst. Tschüß!“ Ich hab’s schon auch nicht leicht.  „Es geht vorbei, bye bye Pubertät …“

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~