reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Zorbo und das Gute Buch

„Oh, Bier!“, entfuhr es Zorbo erstaunt, und konzentriert wog er den Geschmack des Osterzopfes auf der Zunge. Eine feine Frühstückssache hatte er sich da kreiert, und das in einer Zeit, in der Menschen eher Trüffel fanden als das köstliche Backbeiwerk. „Was sie nur alle mit der Hefe machen?“, grübelte Zorbo vor sich hin und ließ die Käsezehen in der Frühlingssonne funkeln. „Memo an selbst“, notierte der schwatzende Retter, „Spezialerfinder anrufen und über hohen LSF in Unsichtbarkeitsmittel sprechen. Notfalls verzichten.“ Seit Wochen gab es keine Hefe mehr, im Supermarkt lachten Mitarbeiter nur hysterisch und deuteten auf Klopapier, „da!“, kreischten sie, „backen Sie doch damit!“ und selbstverständlich hätte Zorbo diesen Rat befolgt, wenn nicht Klopapierkuchen und Nutella … nein, das schmeckte einfach nicht. Die Leute buken also. Nur: wo? Zuhause schon mal nicht. Nie zuvor waren die Straßen voller, die Parks über- ja: laufener gewesen als dieser Tage. Ein jeder Mensch, schien es, musste plötzlich spazieren, walken, fahrradfahren, besonders Fahrrad war auf einmal wichtig, alle fuhren Fahrrad, selbst diejenigen fuhren Fahrrad, die gar kein Fahrrad hatten! Alle Couchpotatoes, alle Faultiere, alle, die selbst zum eigenen Briefkasten noch mit dem Auto rollten, mussten plötzlich sich bewegen, hinaus, frische Luft, Sonne, weil jetzt, wo es mir verboten ist, da muss ich doch erst recht machen dürfen, was ich will, muss ich! Selten zuvor hatte es so viele Anarchisten gegeben, dachte Zorbo und blickte auf eine Truppe Parkbankrevoluzzer, die sich tapfer trotzig zitternd zwei riesenhaften Pferdewächtern entgegenreckten, während hinter ihnen die Corona Marchingband unverdrossen ihren Soundtrack in die Straßen schmetterte. Auch seiner Freundin, The Masked Teacher, machte die Lage langsam zu schaffen. „Diese dämlichen Ferien!“, donnerwetterte sie seit Tagen, „Nix mehr Homeschooling, der Lehrkörper muss sich ja erholen von der entbehrungsreichen Zeit!“ Zwei Tage erst, in denen die Superheldin ihr Wissen nicht auf dem zwangspausierten Geheimkanal hatte verbreiten können, und die Stimmung war bereits auf dem Nullpunkt. Wo sollte das hinführen?, seufzte Zorbo und fand den bierigen Geschmack gleich gar nicht mehr so schlecht. Zucker, Wasser und ein schönes Weizen – seit Tagen experimentierte der Retter in seiner Alchemistenküche mit den Zutaten, seit Tagen bastelte, rührte, quirlte er in der Substanz, wollte Totes zum Leben erwecken, „wie Frankenstein“, kicherte Zorbo und erschrak sogleich: Was, wenn ihm die Kreatur gelänge? Was, wenn sie ihm entglitt? Die ganze Stadt ein Teig, Hermanus Gigantus? „Maff dir mal nift fo fiele Forgen“, nuschelte Chuck Noris durch seinen Fichtenstamm, mit dem er sich im zerklüfteten Sandsteingebiss herumpulte. Eine grässliche Angewohnheit! „Kümmere du dich lieber um die BILD!“ Ach ja, richtig. „Mit einem guten Buch“, hatte der oberste Landespolizist verfügt, durften die Bürger sich künftig in der Öffentlichkeit zeigen. Mit schlechter Zeitung also nicht. Zorbo puderte sich die Hände. Er war bereit für seinen nächsten Einsatz. Und ein bisschen beschwipst.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~