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Geschmacksfragen: Maika

Die in Köln lebende Multiinstrumentalistin, Produzentin und Sängerin Maika Küster aka Maika hat kürzlich ihr zweites Soloalbum „Senza Padrone Baby“ für den 08. Mai angekündigt. Nach ihrem Studium für Jazzgesang und Komposition in Essen und Kopenhagen hat sie unter anderem das feministische PENG Kollektiv mitbegründet, hat mit dem Schauspielhaus Bochum und der Volksbühne Berlin gearbeitet, war auf Tourneen in Europa, Südostasien und dem Nahen Osten und auch mit der WDR Big Band auf Tour und vieles mehr. Fleißig, die Dame! Ihr Debüt „Holy Noon“ wurde im letzten Jahr für den Deutschen Jazzpreis als „Newcomerin des Jahres“ nominiert. Auf ihrem Neuen Album geht sie musikalisch andere Wege und nähert sich der Eighties-Ästhetik mit Post-Punk-Kante, R&B-Grooves, Disco-Beats und Italo-Pop. Mit ihren Singles ist sie schon in unserer Neuen Musik-Rubrik aufgetaucht. Jetzt haben wir ihr auch unsere Geschmacksfragen gestellt.

Dein (aktueller) Lieblingssong?

Michael Jackson – Thriller
Ich entdecke diesen Song immer wieder neu. Ich liebe das Bassriff, die Harmonien und die Melodie. Den Gesang, der einerseits eine unglaublich schöne Phrase hat, aber auch extrem schlau rhythmisch gesetzt ist. Ich mag, dass eine Geschichte erzählt wird – und dass das Sounddesign so präzise darauf abgestimmt ist. Und dass die Musik auf eine Art so viel Humor hat. Ich glaube, wenn man – eigentlich in allen Disziplinen – Humor und Verspieltheit zeigen kann, ist das ein Zeichen von großer Freiheit im eigenen Handwerk.

Deine (aktuelle) Lieblingsplatte?

Ich glaube, das Album, das ich wirklich oft durchgehört habe und von dem ich sehr überwältigt war, ist To Pimp a Butterfly von Kendrick Lamar. Ich liebe diese Platte, weil sie so verspielt, funky, wild, vielschichtig und überraschend ist – und weil sie mit so vielen Collagen arbeitet: mit Stimmen, Brüchen und Ebenen, die sich überlagern. Nichts ist glatt, alles bleibt in Bewegung. Und dann natürlich all das andere: weil die Platte gegen Vereinfachung arbeitet, Erfolg nicht feiert, sondern hinterfragt, Ambivalenz schützt und Kunst als Widerstand denkt. Weil sie keine Anleitung gibt und keine falschen Lösungen anbietet. Und weil die Sprache so krass gesetzt und ausgecheckt ist. Und obwohl alle Aspekte der Musik und der Texte so Komplex durchdacht sind, ist sie trotzdem extrem zugänglich – und für alle.

Dein Lieblingsort?

Meine Freundinnen und Freundinnenschaften. Ich nenne es auch einen Ort, weil ich in den Beziehungen mit meinen Freund*innen wachsen und lernen darf. Mich gesehen fühle, wertgeschätzt und geliebt. Einen Raum habe, in dem ich mich entwickeln und mich als ein Werdendes betrachten kann. In dem ich streiten und lachen darf, diskutieren. Es ist oft auch ein Ort, an dem ich Musik mache, mehrstimmig singe und agiere.

Dein Lieblingsdrink?

Sprudel. Ich habe einen Sprudelmacher. So ein fancy Gerät. Ich liebe Sprudel. Macht mich einfach froh.

Dein Lieblingsessen?

Kluski mit Sosik. Das heißt Klößchen mit Soße und hat meine Mama mir früher immer gemacht. Das sind kleine Kartoffelklößchen mit einer braunen, aber vegetarischen Soße. Das liebste Essen der Welt. Und die Dinger zu essen macht auch Spaß. Ich konnte als 7-Jährige 30 davon futtern.

Was du gerne mal über dich wo lesen würdet, aber bisher ist es noch nirgendwo gestanden?

Dass ein Buch, das ich in letzter Zeit sehr gern gelesen habe, Minority Rule von Ash Sarkar ist. Dass ich Widersprüche liebe. Und dass der Mensch als solcher widersprüchlich ist – und dadurch überhaupt menschlich. Und dass ich denke, dass der Mensch gewisse Ressourcen braucht: Zeit, Nahrung, Obdach und Nähe. Und dass er, wenn er das hat, überhaupt erst seine Menschlichkeit entfalten kann. Und dass Entfaltung für mich Spielen bedeutet. Verspielt sein.

Vielen Dank für die Antworten!

// Text: Jens Riedel / Bilder: Maika (by: Frederic Fisch & Lenja Kempf) //