Nachbericht: Kraftklub in der Frankfurter Festhalle
Kraftklub spielte während ihrer „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Tour zum gleichnamigen Album gleich zwei Shows in Frankfurt. Am 26. und 27. März waren sie gemeinsam mit ihrer Vorband Mia Morgan in der ausverkauften Festhalle und begeisterten dort unzählige Fans mit ihrer starken Liveshow. Auch ich war natürlich mit dabei und wollte euch meine Eindrücke nicht vorenthalten.

Zwei Stunden nach Einlass kündigte Felix Brummer höchstpersönlich die Vorband Mia Morgan an. Er berichtete von seiner eigenen Vorbandzeit und wie dankbar er war, dass die Beatsteaks und Casper Kraftklub damals mitgenommen haben. Gleichzeitig äußerte er den Wunsch, dass die Crowd Mia genauso herzlich empfangen möge, wie er es sich damals selbst gewünscht hätte.

Kurz darauf betrat Mia Morgan gemeinsam mit ihrer Band die Bühne und stimmte das Publikum perfekt auf den Abend ein. Sogar ein unveröffentlichtes Lied hatte sie im Gepäck, was für sichtliche Begeisterung sorgte. Bei Songs wie „Silbernes Tablett“ und „(Spielen mit den) großen Jungs“ öffneten sich die Moshpits wie von selbst. Strahlend leitete sie eine Wall of Death an und postete anschließend auf Facebook den passenden Tagebucheintrag: „Ich musste dem Publikum nicht mal sagen, was es zu tun hat – die wussten es sowieso.“

Auch wenn der Ton während ihrer Show stellenweise unsauber gemischt war (Mikro zu leise, Schlagzeug zu laut), schaffte Mia es mühelos, die Crowd zum Mitsingen, Springen, Tanzen und Moshen zu bringen und perfekt auf Kraftklub einzustimmen. Mit ihren typischen Worten „Danke Frankfurt, ich bin, war und bleibe Mia Morgan aus dem Internet“ beendete sie ihre Show unter tosendem Applaus.

Nur 20 Minuten später erschien auf der Bühne das „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Schild, dessen einzelne Buchstaben abwechselnd rot aufleuchteten. Nacheinander kamen die Bandmitglieder von Kraftklub auf die Bühne und eröffneten den Abend mit „Marlboro Mann“.

Die Stimmung war von Beginn an stark, doch bei „Will nicht nach Berlin“ wurde sie greifbar: Bei der Zeile „aber alle am Springen“ setzte sich genau das im Publikum um, die Menge sprang geschlossen im Takt und machte den Songtext für einen Moment zur Realität.

„FRANKFUUURRTTTT! Hallo Festhalle, geht es euch gut?“, rief Felix in die Menge. Unter lautem Jubel ging es direkt weiter mit „4×4“. Sichtlich beeindruckt erzählte er, dass er während der ersten Songs immer genau beobachtet, wo sich Moshpits öffnen: vorne einer, weiter hinten zwei kleinere. Doch an diesem Abend staunte er besonders, selbst beim ersten Song hatte sich bereits ein Moshpit gebildet und das bei einem eher langsamen Lied. So etwas habe er so noch nie erlebt.


Während des Songs hüpfte die Crowd auf Felix’ Ansage „so rechts“ geschlossen im Takt von links nach rechts. Nach anfänglicher Unsicherheit fand die Bewegung schnell ihren Rhythmus, bis schließlich die gesamte Halle synchron mitging und sich wie eine Welle durch das Publikum bewegte. Selbst auf den Sitzplätzen wurde fleißig mitgehüpft.

Nach „Unsterblich sein“ wurde das leuchtende Schild nach oben gefahren, während Steffen und Karl ihr Solo als Outro spielten. Plötzlich erschien Felix auf der Leinwand in einer Art Livestream: Er lief durch den Backstagebereich, bediente sich am Kippenautomaten und schaute im Raucherbereich nach dem Rechten. Schließlich machte er sich wieder auf den Weg durch die Halle, lief mitten durch die Crowd, kommentierte Outfits und beobachtete das Publikum. Mit einem Augenzwinkern meinte er, wie „schlimm“ das Publikum am Vortag gewesen sei. Heute hingegen habe er ein großartiges Publikum vor sich. Noch mitten in der Menge begann er „Halt’s Maul und spiel“ zu singen und lief dabei zurück zur Bühne.


Mia Morgan war an diesem Abend nicht nur als Vorband ein Highlight, sondern brachte auch später noch einmal zusätzliche Energie auf die Bühne. Natürlich durfte der gemeinsame Song „Kein Gott – kein Staat“ nicht fehlen, der anschließend zusammen performt wurde.

So nah wie selten zuvor war die Crowd der Band bei den nächsten drei Songs: Kraftklub spielte mitten im Publikum „Zeit aus dem Fenster“, „Kein Liebeslied“ und „Schief in jedem Chor“. Die Festhalle verwandelte sich dabei in ein Lichtermeer und sang gemeinsam – schief, aber laut – im Chor.


Für „Kippenautomat“ versammelte sich die Band am linken Bühnenrand, um gemeinsam das Intro zu spielen. Innerhalb von Sekunden erkannte die gesamte Halle den Song und stieg lautstark in den „Döp Döp“-Chor ein.

Besonders witzig wurde es, als Felix mitten im Song seine Wasserflasche mit dem Mikrofon verwechselte und kurzerhand daraus „sang“- sehr zur Belustigung der Band und des Publikums. Genau solche spontanen Momente machten das Konzert noch sympathischer und zeigten, wie locker die Stimmung auf der Bühne war.

Nach „OHHH OHH OHH“ und „Döp Döp Döp“ testete Felix die Textsicherheit der Fans und stimmte kurzerhand „Chemie Chemie“ an. Die gesamte Festhalle rappte die erste Strophe und sang den Refrain alleine. Felix staunte nicht schlecht, gesungen habe bisher noch keine Stadt so laut und stieg schließlich wieder mit ein.

Anschließend erzählte er, dass Kraftklub mittlerweile fast 70 Songs habe und sie am liebsten alle spielen würden, was natürlich unmöglich sei. Deshalb hätten sie ein Glücksrad dabei. Noch bevor er den Satz beenden konnte, ragten zahlreiche Schilder aus der Crowd. Ein Fan wurde ausgewählt und auf die Bühne geholt. Sichtlich aufgeregt und mit breitem Grinsen durfte sie am Rad drehen. Die Spannung war kaum auszuhalten, bis es schließlich auf „Scheißindiedisco“ stehen blieb. Die Halle explodierte förmlich, und der Fan wurde für diesen Moment von allen gefeiert.


Neben all dem Spaß zeigte die Band auch ihre klare Haltung. Besonders bei „Randale“ und „Schüsse in die Luft“ wurde ihre linke politische Einstellung deutlich statt Applaus gab es laute Sprechchöre, die Felix sichtbar feierte.


Während „Randale“ wurde es dann noch einmal richtig wild: Auf der Bühne tauchten Menschen mit Sturmhauben und großen Fahnen auf. Regenbogenfarben mischten sich mit „Randale“-Flaggen und sorgten für ein beeindruckendes Bild. Die Band forderte das Publikum auf, alles, was sie finden konnten – Konfetti, Becher, Kleidung in die Hand zu nehmen. Beim Drop sprangen alle gleichzeitig hoch und warfen ihre Sachen in die Luft, ein absoluter Gänsehautmoment.

Selbst in den Rängen blieb es nicht ruhig: Dort wurde kurzerhand „500 K“ gespielt, was auch die Sitzplätze komplett in Bewegung brachte und zeigte, dass an diesem Abend wirklich niemand stillstehen konnte.

Zum Abschluss gab es dann noch einen dieser typischen, leicht ironischen, aber ehrlichen Sätze: „Vielleicht sehen wir uns mal wieder – sonst war das heute ein wunderschönes letztes Mal.“ Eine extrem abwechslungsreiche und durchdachte Show, die definitiv Lust auf mehr macht und ganz sicher nicht mein letztes Kraftklub-Konzert bleiben wird.





// Text & Bilder: Annabel Bader //
