Nachbericht: Engin im Erlanger E-Werk
Die Mannheimer Band ENGIN war zu Gast im Erlanger E-Werk und hat mit ihrem psychedelischen, rockigem Sound, der Stark mit Inspiration türkischer Musik verwoben ist, die Clubbühne in ihren Bann gezogen.

Die Location ist zwar nicht ganz voll, durch das herzliche Publikum fühlt es sich allerdings so an. Genug Leute haben die Band schon einmal gesehen und kommen gerne wieder. Wer bei einem ENGIN-Konzert war, kann das sicher direkt verstehen. Die Lieder handeln vor allem um Identität, Kultur und Emotionen – Themen, die in türkischen und deutschen Texten und einprägsamen Melodien zum Ausdruck gebracht werden.

Sie starten den Abend direkt mit starker Präsenz, leiten über in „Messer“ aus ihrem im März erschienen Album „Sag mir Almanya“. Der Song thematisiert in beiden Sprachen Trennung und Verletzlichkeit. Auch im Song „Şeker“ (Zucker) geht es um eine nicht unbedingt gesunde Liebe. Sänger Engin Devekiran verwebt hier deutsche mit türkischen Passagen.

Für Stimmung zum Tanzen sorgt der Song „Echt“ ihres Debütalbums „Nacht“. Daraufhin folgt „Kiosk Yüksel“, den die Band für den Besitzer ihres Stammkiosk der Heimatstadt geschrieben hat, um auch den Alltagshelden Anerkennung zu zeigen.

Häufig werden die Songs durch entsprechende Instrumentalteile ergänzt, die zurecht tosenden Applaus bekommen.
Ruhiger wird es bei neueren Liedern wie „1000 Kilometern“ und „Ruinen“, Liebeslieder, bei denen gerne an die liebsten gedacht werden soll.

Bei einem Konzert kann nicht immer alles nach Plan gehen. Als Engin etwas zu einem Lied erzählen möchte, erhält er den freundlichen Hinweis, dass dieses erst später in der Setlist steht. Das wird dann natürlich nachgeholt und er teilt, wie es zum Lied „Bir Yaz Akşamı“ (eines Sommerabends) kam. Eines Sommerabends lief er von einer Meyhane (traditionelles Restaurant/Kneipe) nach Hause, hatte dort zu viel Geld für Essen und Trinken ausgegeben und es reichte nicht mehr für ein Taxi. Aus dieser Stimmung heraus schrieb er den Song.

Mit dem titelgebenden Lied zum neuen Album „Sag mir Almanya“ zeigen sie, dass Deutschland durchaus ohne Spaltung und Hass bunt und divers sein kann, aber das eben leider nicht nur der Fall ist.
ENGIN spielen nicht ausschließlich Eigenes, sondern interpretieren ebenfalls bekannte türkische Lieder neu, die viele im Publikum kennen und mitsingen können. Darunter vor allem „Gurbet“ aus dem Jahr 1972, das eine zentrale Bedeutung hat. Es wurde zur inoffiziellen Hymne für viele, die als damals sogenannte „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen und zwischen ihren Heimaten standen. Diese Signifikanz zeigt sich auch hier, da viele mitsingen und -fühlen können.

Auch bei „Uzun İnce Bir Yoldayım“ (Ich bin auf einem langen schmalen Weg), ein bekanntes Volkslied von 1940, kennen viele den Text. Vor allem bei „Anlıyorsun Değil Mi“ (etwa: Du verstehst, oder?) und „Ayva Çiçek Açmış“ (etwa: Der Quittenbaum blüht) sind alle am Tanzen und rufen den Refrain mit. Bei den instrumentalen Stellen zeigt die Band, was sie draufhat.

Ein wundervoller Abend, mit dem ENGIN zeigen, wie gut sich türkische und deutsche Kultur vereinen lassen. Sie bedanken sich beim Publikum, ihre Musik teilen zu können. Ihre offene Art zeigt sich zum Schluss nochmal beim Merch-Stand, den sie selbst betreiben, mit Fans ins Gespräch kommen und ganz viele Autogramme geben.





// Text & Bilder: Ilsa Hösch //
