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Nachbericht: Berq bei der Kulturinsel Wöhrmühle

Berq legte am 18. Juli in Erlangen bei der Kulturinsel Wöhrmühle eine eindrucksvolle Show mit emotionalen Texten und imposanter Musik hin.

Emma Rose eröffnet den Abend und spielt damit bereits zum 3. Mal dieses Jahr in Erlangen. Nachdem ich sie bei Blond im Mai entdeckt habe, habe ich mich sehr gefreut, sie bei berq erneut live zu sehen und zu fotografieren.

Sie spielt nicht nur ihre bereits erschienen Songs wie „Baby“ oder „Keinen Mann“, sondern auch einen bis jetzt unveröffentlichten Track, der von der Künstlerin Dilla produziert wurde.

Stets selbstbewusst, bei manchen Liedern auch verletzlich, singt sie zum Beispiel in „Mega peinlich“ von einer vergangenen Situationship. Etwas, was die ein oder andere Person im Publikum bestimmt nachfühlen kann. Auch ihr bis dahin neustes Lied „Schön sein (ist fun)“ hat sie dabei, in dem sie die kritischen Hintergründe des weiblichen Schönheitsideal beleuchtet.

Für den Fall, dass jemand im Publikum ihre Musik nicht mag, hat sie vorgesorgt: Sie bittet alle ihre Augen zu schließen und gibt mehr als überzeugend ihr Hidden Talent zum Besten. Sie schreit wie ein Baby und kurz könnte man meinen, es weint wirklich eins ins Mikrofon.

Ihr Set schließt sie mit „Lovergirl“ – ein Song, den sie passend zum Publikum des jungen Sängers ausgewählt hat.

Mit stark pulsierendem Bass und Lichtern zusammen mit aufkommendem Nebel erscheint Berq nach großem Spannungsbogen auf der Bühne und der gefühlvolle Abend kann jetzt richtig beginnen. Solo am Flügel eröffnet er mit „ACHILLES“. Danach erscheint seine Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und sogar Geige und Cello.

Letztes Jahr erschienen gemeinsam mit Paula Hartmann Songs der EP „Das Gegenteil von Glück“. Lieder, die er heute leider allerdings ohne die Sängerin singt.

Nach einem gestrigem Festival-Auftritt mit Gewitter und nicht ganz vertrautem Publikum, erzählt er, sei es heute umso schöner vor so lieben und textsicheren Menschen spielen zu dürfen. Vor allem den Merch seiner ersten Tour im Publikum zu sehen, freut ihn sehr.

Ein Moshpit ist vermutlich das letzte, was man bei einem Berq-Konzert erwarten würde. Hier wird eher zum gemeinsamen Wanken zu Liedern wie „Vergissmeinnicht“ oder „Blauer Ballon“ eingeladen, die besonders durch ihre Instrumentalteile der Streicherinnen für emotionale Momente sorgen.

Auch wenn die allermeisten zum ersten Mal bei einem seiner Konzerte sind, können viele den Großteil der Texte mitsingen. Vor allem bei seinem Debüt-Song „Echo“ oder dem Intro „Einmal verliebt“ seiner „ROTE FLAGGEN“-EP.

Man merkt, er möchte mit seinem Publikum eine Bindung aufbauen. Gemeinsam gibt es eine Art Hasstherapie, bei denen alle im Refrain von „Mein Hass tritt dir die Haustür ein“ ihre Sorgen und plagende Themen rauslassen und nicht mehr mit nach Hause nehmen sollen.

Vor allem beim nächsten Song „Tourettes“ legt sich eine andächtige Stille, als berq erzählt, was das Lied für ihn bedeutet. Es thematisiert die Geschichte seines Großvaters, der davon träumte, sein Lebensende in der französischen Stadt zu verbringen, dann allerdings seine schwerkranke Frau pflegte. Sein Enkel nahm ihn noch einmal auf eine Reise nach Südfrankreich und widmete seinen Großeltern den Titel. Die zuvor verteilten Weingläser aus Papier werden bei dem Song im Takt mitbewegt.

Nahbar wird es kurz vor der Zugabe, als Berq sich auf die Bühne setzt und „Wenn du weinst“ inklusive Solo der Cellistin gemeinsam mit dem Publikum singt.

In „Träumen“ thematisiert er eine schwierige Vater-Kind-Beziehung. Ein Lied, das er sich „so schön ihr könnt“ von den Fans wünscht.

Wie sollte es auch anders sein, endet das Konzert mit dem Lied, das berq bekannt gemacht hat: in tiefrotem Licht getaucht singen und fühlen alle gemeinsam „Rote Flaggen“.

Ein Abend, der nicht nur in den lauten Momenten wirkt, sondern gerade in denen der Stille wirkt.

// Text & Bilder: Ilsa Hösch //