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Gefragt: Sven Hensel

Sven Hensel (21) lebt und studiert momentan in Bochum und ist als Slam Poet auf deutschsprachigen Bühnen aktiv. Seit 2014 bestritt er über 500 Poetry Slams in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien und konnte dabei unter anderem den Titel „U20 NRW Meister 2015“ für sich gewinnen, sowie am Finale der deutschsprachigen U20 Meisterschaften 2015 teilnehmen. Wenn er nicht gerade selbst im LineUp steht, organisiert und moderiert Sven den „Wohnzimmer Slam“ in Dortmund und gibt Workshops für potenzielle Nachwuchs Bühnenliterat*innen. Im Februar 2017 erschien sein erstes Buch „Aufhause“ im Lektora-Verlag. In den insgesamt 39 enthaltenen Texten beschäftigt sich Sven – mal lyrisch, mal prosaisch, mal witzig, mal ernst – mit den unterschiedlichen Facetten des Lebens und Erwachsenwerdens, mit persönlichen Gedanken und gesellschaftlichen Problemen. Auch darüber haben wir uns mit ihm unterhalten.

Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zur Buchveröffentlichung! Der Titel „Aufhause“ lässt die Leser*innen ja erst einmal ein bisschen rätseln – Was hat es denn damit auf sich?
Dankeschön, ich freue mich sehr! Wenn die Leute mich auf den Titel ansprechen, ist das meist die zweite Frage, zuerst kommt immer: „ist der Untertitel wirklich so gemeint? So, Zweideutig?“, worauf ich sage „Ja und Nein“. Wenn man alles chronologisch liest ergibt das Ganze ein bisschen mehr Sinn. Zu „Aufhause“ bekommt man dann auch direkt die Erklärung; Die Vorsilbe „Zu“ hat für mich einfach viel negatives. Alles, was für einen schön, heimatlich, und seinen eigenen Vorstellungen entsprechend ist, ist in Aufhause vereint. Und für mich ist Aufhause halt dieses Buch.

Hast du einen ganz persönlichen Lieblingstext im Buch – und weshalb ist es gerade dieser?
Das ist ähnlich, als würde man mich nach meinem Lieblingskind oder meiner Lieblingszuckerwattesorte fragen. Einen Text, den ich allerdings aktuell am liebsten auch auf der Bühne vortrage ist die „Letzte Rechtfertigung“, das ist sozusagen die Fortsetzung von „Flugzeuge“. Was die Rechtfertigung angeht, das ist der letzte Text, somit auch der aktuellste, der in das Buch gekommen ist. Ich bin auf vielen Ebenen damit sehr zufrieden und empfinde die Thematik als eine recht wichtige, die Selbstliebe und Akzeptanz. Außerdem setzt es einfach ein schönes Ende an das Buch, das macht mich kleinen Dramaturgen ganz happy.

Gibt es ein nächstes großes Ziel oder etwas, worauf du dich in den kommenden Monaten ganz besonders freust, jetzt, da du schon dein eigenes Buch hast?
In nächster Zeit kommen einige schöne Sachen auf mich zu, worauf ich mich sehr freue und gleichzeitig unglaublich dankbar für bin. Ein paar geheime Sachen, aber auch solche schönen Dinge wie meine eigene Lesebühne im Ruhrgebiet (Schall und Raucher) und einige Saisonfinals ab Mai, zum Beispiel auch in Ansbach. Generell freue ich mich aber auf jeden Auftritt in nächster Zeit, weil durch das Bücherverkaufen ich immer vor Ort den Leuten süße Sachen in den Anfang schreiben und malen kann.

So viel auf Tour zu sein und ständig auf Bühnen zu stehen muss doch sicherlich anstrengend sein. Im Text „Hast du noch Feuer“ beschäftigst du dich mit dem Gefühl des Ausgebranntseins. Hast du einen persönlichen Trick um das Feuer am Brennen zu halten und den Spaß an der Bühne bestehen zu lassen?
Ich halte mir immer wieder vor Augen was für ein unglaubliches Privileg es eigentlich ist, so viel auf der Bühne machen zu können, von Veranstaltern gebucht zu werden und dass meine Arbeit auch Früchte trägt. Das motiviert und treibt an, wenn man mal wieder Selbstzweifel hegt. Natürlich, die gleiche Aufgeregtheit wie vom Anfang kann es nicht ersetzen. Dafür kommt aber etwas Schönes hinzu, und zwar die Freude auf ein Wiedersehen mit Locations, mit Leuten von Außerhalb, mit Freunden und mit Bühnen, an denen man schöne Erinnerungen und Erfahrungen sammeln konnte.

Was sind denn deine nächsten Termine, wo kann man dich demnächst bewundern?
Worauf ich mich sehr freue ist die Buchmesse in Leipzig, die ist quasi direkt das Wochenende nach meiner Frankentour mit Auftritten beim Poetry Slam. Die kann ich auch nur empfehlen! Ansonsten stehen eigentlich immer meine Monatstermine online, damit ich selbst auch den Überblick nicht so ganz verliere, wo ich eigentlich wann bin.

Im Text „Masken“ verrätst du, dass die Erkenntnis „Nicht jedes Anagramm ist ein Palindrom, aber jedes Palindrom ist ein Anagramm“ von dir stammt. Hast du zum Abschied ein besonders schönes Palindrom für uns?
Meine Lieblingspalindrome sind tatsächlich Zahlenpalindrome, als sowas wie 313 oder 192291. Kleiner Funfact: Zahlenpalindrom ist ein Anagramm von „Panda, hell im Zorn“.

Danke Sven, für das Interview.

Termine der Frankentour des Poetry Slam mit Beteiligung von Sven Hensel:
21.03.2017 – K.O. Poetry Slam Buchhandlung Hugendubel Ingolstadt
22.03.2017 – Wortgefecht im Gutmann am Dutzendteich Nürnberg
23.03.2017 – Poetry Slam Kulturfabrik Roth

Sven Hensels aktuelle Veröffentlich „Aufhause“ (ISBN 978-3-95461-093-8) ist für 12€ erhältlich (beispielsweise auf www.lektora.de

https://de-de.facebook.com/poetrysven/

/ Text: Lara Ermer, Bilder: Lektora (das vom Buch) und Fotowikinger (Sven) /

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