reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Aktivkohle

Neues vom Pubertier. Das hat mich gestern nämlich sehr erschreckt. Hab ich nämlich das Kind, pardon: die Heranwachsende gestern begrüßen wollen. Doch anstatt dass ich des rosigen Antlitzes in der Kemenate ersichtig wurde, blickte ich in ein gähnendes, schwarzes Loch. Wer an dieser Stelle weise nickt und sich an eigene oder anverwandte Jugendzimmer erinnert – gemach! Zwar ist die Prinzessinnenloge durchaus in sich stimmig eingerichtet was das Horten von Unrat aller Couleur von Schimmelgrün bis Wattepadschwarz betrifft, auch finden sich ab und an biologische Experimente in Form von zwar zum Abtransport bereitgestellter, dann aber aufgrund wichtiger weltpolitischer Bewegungen wie die Fertigstellung des Hundepalastes irgendeiner Insta-Queen im Live-Video und darob als zu vernachlässigbar ad acta gelegter Müllbeutel oder die Nachweise entgegen aller Behauptungen sehr wohl daheim zu sich genommener Speisen, aber von einem schwarzen Loch sprechen kann man dann wohl doch nicht direkt, so lang auch noch der letzte vergessene Cheesburger über kurz oder lang aus der Schmink-, äh Schreibtischschublade herausgelaufen kommt. Als das schwarze Loch also fertig war mit Gähnen, hab ich mich interessiert erkundigt, ob man wohl zum Schuljahresabschluss den Zwergen- oder Indianeraufstand probe und entsprechend rußene Kriegsbemalung aufgetragen habe. Man habe, jedoch nicht zu komödiantischen Zwecken (och naja … ), sondern vielmehr klinischen, handele es sich doch bei der dunkelschwarzen Teermasse um hochgesunde Aktivkohle, die ja bekanntermaßen Hautunreinheiten aller Art in sich söge wie ein Schwamm. Auf meine kurze Abhandlung, schon allein das Wort „Aktivkohle“ sei wenn überhaupt dann ein werbetexterischer Geniestreich, folgten Verdruss und Vorhangfall. Man hat’s aber auch nicht leicht auf dem Weg zur Dame. Man muss Handtaschen im Beautycontainerformat mit sich herumschleppen und kriegt statt Ovationen Hexenschuss. Man muss Highheelgummistiefel anziehen und kriegt statt sexy Po Schwellfuß. Man muss stundenlang auf YouTube „Contouring“ lernen, nur um dann verhöhnt zu werden, weil man statt Janet Jackson auf der Starbühne halt leider nur ein Kind im Reli-Unterricht ist. Man muss das neue „Wahre Schätze Tiefenpflegemaske mit Arganöl aus Marokko für sehr trockenes und widerspenstiges Haar“ besitzen und dann zweimal täglich Haare waschen wegen fettig. Man muss auf die Figur und Umwelt achten, liebt aber Nutella. Man muss versuchsweise vegetarisch leben wegen Tierliebe, vergisst dann aber leicht, dass die Pattys bei Mäcces gar nicht auf Bäumen wachsen und so weiter und so fort … Das schwarze Loch hat mich dann aus selbigem Hinausgeschmissen. Die Müllbeutel hab ich nicht mitgenommen. Vielleicht laufen sie demnächst ja selbstständig aus der Wohnung. Auf Highheels. Die können dann auch gleich unten bleiben. Oder weiter zum Tanzen: „Gift“ (Stereo, Klaragasse), „Aale“ (Zentralcafé, Königstr), „Shutdown“ (Z-Bau, Frankenstr), „Ufo“ (Rakete, Vogelweiher), „Summer Salsa Friday Special“ (T90, Flughafen) und am Samstag „AdBk Sommerfest“ (Bingstr), „Viva Havanna Sommerfest“ (Mississippi Queen, Hafen), „Maximum Rock Night“ (Hirsch, Vogelweiher), „Zentralcafé adieu“, „Kunst & Sünde“ (Cult, Dooser Str), „Grand Stereo Clash“, „Pon di Attack“ (Z-Bau). Am Sonntag ist übrigens Tiergarten-Sommer-Kinderfest. Wenn ich ihr sag, dass man sich da schminken lassen kann, geht sie da sicher gerne mit mir hin. „Als was“ war ja nicht die Frage.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~