reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Amöbengelee

Servus, Moin und Grüezi miteinand, liebe Liebenden, und allvoran freilich mit Effet heraustrompetet ein herzliches Xunds Neus – ein schöner Gruß, der mit Leichtigkeit das lästig verfloskelte „Wie geht’s?“ ersetzen und bei Bedarf bis in den Sommer hinein angewendet werden kann, wegen ist in der Bedienung ähnlich unzureichend definiert wie was das eigentlich mit diesem „Zwischendenjahren“ genau soll. Feststeht nur, ich bin genau dort steckengeblieben. Hier also befinde ich mich und wabere vor mich hin, seitdem ich schätzungsweise am Morgen des 27.12. im Gallert erwacht bin. Nach anfänglicher Sorge hab ich’s mir eigentlich ganz gut eingerichtet. Ein kräftiger Atemzug hier, ein kleiner Ausflug ins Winterwanderland dort, und schon hat man wieder einen Tag verschenkt. Ich bin die Amöbe in der Urmasse, das Spermium im Skrotum, der Ypszeitkrebs im Gurkenglaserl, oder vielleicht doch eher der Sperm, weil derweil die Amöbe in der Urmasse selig nicht einmal ahnt, dass sie auf den göttlichen Funken wartet, der sie zu Höherem beruft oder wenigstens befähigt, wirbelt sich so eine kleine Wuselquappe spätestens auf der Jagd nach dem Großen Ei vom dumpf pochenden Ziel getrieben vorwärts, eine Aufgabe erledigen zu müssen und dem Leben eine Sinnhaftigkeit zu verleihen. Weil ich das in Wahrheit auch viel lieber möchte, als nur am Gelee zu horchen, hab ich mich gemüht, meinen Tagen der Präverwahrlosung wenigstens einen Hauch von trottender Routine zu verleihen, um von einem Highlight zum nächsten zu treiben und dann, wenn ich einmal doch hinausgehen sollte, dem netten Herrn von der Müllabfuhr oder Fleischerei so richtig was erzählen zu können. Also deswegen Stundenplan ungefähr so: 8:00 Vielleicht klingelt der Postmann, lieber jetzt nicht duschen. 9:07 kein Postmann, dann halt doch duschen. 9:11 der Postmann klingelt. 11:12 Großer Lärm, der neue Nachbarshund wird ausgeführt. Hund müsste man sein. 12:03 Großer Lärm, der neue Nachbarshund kommt zurück. 14:27 Ich könnte mal den Müll runterbringen. 15:38 Müll runtergebracht. 15:42 Jetzt hättest du auch gleich spazieren gehen können. 16:09 Naja jetzt isses aber echt schon wieder fast dunkel. 16:45 Großer Lärm, der Nachb… ach nee, Laubbläser, dabei isses doch schon dunkel! 17:58 Großer Lärm, Nachbarshund wird ausgeführt. 19:24 Nachbarshund zurück. Zum Glück bin ich kein Hund. 19:56 Kurzer Lagecheck aus dem Fenster, Straße steht noch, Autos vollzählig. 20:04 Scheiße, Tagesschau verpasst. 20:21 Neumodisches Fernsehzeugs verfluchen, jetzt statt Tagesschau auch noch beruhigenden 20.15-Film verpasst. 22:45 Gebannt im HartzIV-TV der Präkariatsfamilie im Problemviertel beim Tag verschlampern zuschauen. Jetzt viel besser fühlen. 23:05 Aufwachen vom dumpfen Aufschlag des Buchs auf dem Kinn, schon wirklich sehr anstrengend, dieses … „Urlaub“?!

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~