reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Der Große Wampolini

Ihr Kinderlein bleibet, o bleibet doch all! Die Grippe sonst kommet und bringt euch zu Fall … Scheint ja halbwegs funktioniert zu haben, und zumindest was mich betrifft hat bei weitestgehend geklärter Gemengelage ein recht vergnügtes Mengengelage stattgefunden inklusive Zeitreise, weil nach 20 Jahren feierlichem Auszug von daheim hat es jetzt einen nicht minder feierlichen Einzug zurück ins Elternaus gegeben, der gleichwohl wunderschön war als auch eine kleine Korrektur der romantischen Idee einer familiären Mehrgenerationen-WG, der ich zuletzt vermehrt nachgehangen hab. Jedoch mit neuem Verständnis für das zu Unrecht vergessene Konzept des „Ausgedinge“ als Séparée im Gartenhäusel, in dem die Alten leben. Nach diesem Dreitagsabenteuerausflug in die Welt hinaus lieg ich jetzt also wieder auf dem Kanapee und überleg, ob wenn mir jetzt die Staubmäuse auf dem Bauch umeinanderspringen man konsequenterweise von einem „Wampolin“ sprechen muss und außerdem, wie groß wohl die Gefahr ist, in diesem ohnehin sehr gefährlichen Gebiet namens „Zwischendenjahren“ kompasslos vollends zu verschwinden nach einem Jahr, das sich so schon anfühlt, als hätt es nur vorgespult stattgefunden und einzig den vormals verwirrenden Wunsch „Bleib bitte negativ!“ mit einer quasireligiösen Sinnhaftigkeit versehen, während es in rasender Geschwindigkeit aus einer Drossel einen Propheten, aus Parkplätzen Biergärten und aus Umarmungen Judasküsse hat werden lassen. Und es rast ja auch noch weiter, weil kaum hast du das mit dem Weihnachten erledigt, stellt sich der Menschheit schon das nächste schier unlösbare Problem: Silvester – wer bin ich und wenn ja, wie viele? Weil wer nicht auf dem Schwarzmarkt eine der dort für viel Geld gehandelten Jacken eines bekannten Lieferdienstes ergattern hat können, der sieht sich mit einer lange nicht gekannten Herausforderung konfrontiert: der verbindlichen Entscheidung. Vorbei die Zeit der huldvollen Entgegenahme zahlreicher Einladungen, zwischen denen dann kreuz und quer gehoppt und hernach der Reihe nach die diskothekalen Gästelisten abgehakt werden! Weihnachten formt den Körper, Silvester den Charakter! Einmal eine Wahl getroffen, gibt es kein Entrinnen! Szenarien: Haushalt (HT) 1 empfängt HT2, der sich als nimmermüd herausstellt statt wie vereinbart Bettschwere zu äußern gegen 22 Uhr. HT1 besucht HT2, um dort weite Teile des Abends auf dem fremden Sofa alleine durchs TV zu zappen. HT2 verschwindet kurz auf die Toilette, um nach einigen Stunden und gewaltsamen Eindringen schlafend in HT1s Badewanne gefunden zu werden. HT1 & 2 sind wach und guter Dinge, leider faselt HT2 congnacschwenkend ununterbrochen von Altbaucharme und Seitansushi und blättert sich durch die Sammlung süßer Polaroids, derweil HT1 doch nur Mäxchensaufen und dann Karaoke wollte. „Nürnberger Nächte sind lang / erst fangen sie ganz langsam an / aber dann, aber dann …“ Drum prüfe, wer sich ewig bindet! Gute Entscheidung euch, guten Rutsch und: Bleibt negativ!

 

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~