reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Cave Redacteuram

Vor zwei Wochen wollte ich eigentlich eine Lanze für alle Redakteure brechen. Ich hab’s mir dann aber lieber nochmal anders überlegt und breche die Lanze jetzt lieber über mich, weil schließlich bereichere ich den Wortschatz aller, die tagaus, tagein an ihren grauen Tischen sitzen in ihren trüben Kammern, im Eck vielleicht ein hagerer Wunderbaum, die Fensterbank voller Preziosen, die vergeblich Freude zu bringen versuchen in die Triste Einöde, im Eck ein alter Kaffeeautomat, der mühsam gegens Alter angurgelt, die lustigen Schildchen an der Tür ein Ausdruck größtmöglichen Zynismus, der übersetzt bedeutet „Cave Redacteuram!“, in diese traurige Welt also kommt mein strahlender Nimbus und zaubert mit dem Feenstab in den Nebel Freude und Gelächter. Ja, zuweilen vielleicht hysterisches, aber das ist besser als nichts, nichtwahr. Dann sind die Eminenzen kurz einmal abgelenkt, weil sie müssen nachdenken über seltsame Wortkreationen, die sie so noch nie gesehen, Satzbauten, die kein Mensch zuvor gewagt hat, dann raucht und qualmt es kurz – und dann trennt sich die Spreu vom Weizen, und jetzt werd ich doch aus Versehen die Lanze gebrochen haben. Vielleicht auch nur ein Länzchen, man muss es ja nicht übertreiben. Denn eine gute Sorte Mensch, aus der kommt jetzt langsam zwar, ganz langsam, so ähnlich muss man sich das vorstellen, wenn ein Faultier einen schlimmen Lachanfall erleidet, schiebt sich also erst ein Magenknurren nach oben, wo du denkst, nanu, in der Kantine war ich doch grad erst drei feine Stunden lang, und dann kribbelt’s im Hals und plötzlich auf einmal kommt so ein hellklingende Freude aus dem gramen Antlitz. Und schon sind die kommenden Stunden ein bisschen mit einem Regenbogenhauch durchzogen. Im besten Fall. Denn es gibt auch schlimme Menschen, wo du sagst: alles verloren, eine Existenz voller Grant, die Hirnfurchen so tief wie die die auf der Stirne, eingegraben von Verhärmung und Freudlosigkeit und die Verbitterung um die Mundwinkel gemalt. Seelenlose Roboter, die sich rächen an der Sprache, ihr das Glück nicht gönnen, ach, wärst du halt lieber bei der Algebra geblieben oder ganz tief unten im Archivlabor, denn dann müsstest du jetzt nicht aufschluchzen und mit dem Finger zeigen und mit lautem Robbenheulen kreischen „aus einem Antlitz KANN überhaupt keine Freude kommen, höchstens vielleicht ein LACHEN, und das kommt dann außerdem auch aus dem MUND!!“ und dann gleich noch „wie können denn STUNDEN von REGENBOGEN durchzogen sein, das GEHT ja wohl überhaupt nicht, höchstens kann am HIMMEL ein Regenbogen ERSCHEINEN!!“ und „von Verbitterung kann jemand vielleicht GEZEICHNET sein aber ganz sicher MALT die nichts in ein Gesicht!“ und dann muss der Mensch, der kann noch so bunt und fröhlich tun und Konfetti überall hinaufkleben, in Wahrheit ist er innen drin nur eine kleine, arme, schluchzende Staubflu… „SEIT WANN KÖNNEN FLUSEN SCHLUCHZEN??“…se und dann kommt der finale Stich: „UND NUR DAMIT DU’S WEIßT: DAS STEHT SO ÜBERHAUP NICHT IM DUDEN!!!“ Das ist dann der Punkt, an dem es auch mir endlich gut geht. Lehn ich mich zurück. Schubidu.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~

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