reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Duftteufel

Ich hab ein Souvenir bekommen. Souvenirs, also eine Erinnerung an einen Urlaub, gemeinhin „Mitbringsel“ genannt, erfüllen normalerweise den Zweck, Zurückgebliebene über ihre Nichtreise hinwegzutrösten („Bring mir bitte wenigstens was mit!“), oder … Ja, das war’s dann auch schon. Man hat dann gerne mal lumpige Shirts, Miniatursehenswürdigkeiten oder erdiges Muschelwerk, von dem ungefähr niemand irgendeinen Nutzen hat außer derjenige, der dem Reisenden das Andenken für teures Geld aufgeschwatzt hat. In einzelnen Fällen auch derjenige, der sich dadurch lästigen Devisentausch am Flughafen erspart. Man könnte „Souvenir“ an und für sich auch mit „Rausgeschmissenesgeld“ übersetzen. Das Mitbringsel, von dem die Mär heute handelt, geht aber in andere, mephistophelische Richtung. Nämlich macht es, dass ich ständig Hunger habe.

„Indulge in baked pumpkin whipped with vanilla frosting and a hint of honey“ steht auf dem Ding, und auch des Englischen weniger mächtigen Bürgern dürfte da vielleicht ersichtig sein, dass eine relative Häufigkeit von Süßkram vorliegt. Und tatsächlich: Blicke ich das Mitbringsel an, so sehe ich Cupcakes, die von zuckriger Sahne umwölkt sind wie ich vom ebensolchen Duft, sobald ich das Geschenklein betätige. Dann kommt aus ihm ein weißer Schaum, den man sich am liebsten direkt so in den Schlund füllen möchte, gleichsam einer Sprühsahne, bei der man auch schon vorher weiß, dass einem hundselend wird, sobald man der Versuchung nachgibt, aber sie ist einfach zu groß, und zack hinein mit der Chemie, und dann eine Stunde Übelkeit für zwei Sekunden Glück. Insofern ist das Mitbringsel eigentlich das allergleiche. Teufel, sag ich doch! Nur: Es handelt sich hierbei um Handseife. Ich wasche mir also neuerdings die Hände mit sanftschäumenden Vanille-Honig-Sahne-Kürbis-Kuchen.

Erfunden hat’s, wie soll es anders sein, der Ami. Und wie das halt so ist mit den Düften, verhält es sich auch im vorliegenden Fall so, dass derjenige Geruch, der lieber nicht so lange vorhalten soll, am hartnäckigsten ist, während das, was man am liebsten den ganzen Tag um sich hätte, am raschesten verfliegt. Jetzt wird ja in einschlägigen Frauenzeitschriften gern mal behauptet, ein schier unstillbares Verlangen nach Schokolade sei allein dadurch zu bezwingen, dass man einen beherzten Atemzug tief ins Nutella-Glas hinein macht. Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt. Im Seifen-Fall stimmt’s jedenfalls nicht, denn das einzige, was passiert, ist, dass ich permanent halluziniere, ich hätte grade vorhin eben irgendwas deliziöses gebacken, dessen Geruch mir noch an den Fingern haftet, und ich bräuchte nur nach Hause zu fahren und mich daran zu laben. Und dann ist da aber gar nichts, zu Hause. Die Conclusio muss also lauten: nächstes Mal dann doch lieber wieder die Miniaturfreiheitsstatue. BITTE!

/ Text: Katharina Wasmeier. Bild: Hannah Rabenstein /

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~