reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Haltung wahren beim Cyberfitness

Es war schon stockfinstere Nacht, als gestern ein Schreckensschrei durch mein Schloss gellte. Ich bereits in Abend- sprich: gelöster Stimmung, Tagwerk beendet, Arbeitskleidung gegen die dem Heimgebrauch angemessene getauscht, ächzend aus der Jogginghose und dem Schlumpipulli ins danebenstehende Schlafgewand fallengelassen; bereit für Couch und Tagesschau und dann noch kurz was aus dem Bildungssegment, und dann machst du die Glotze an und … Hobbala, erst viertel nach fünf, womöglich ist der Tag noch gar nicht rum. Also jedenfalls trotzdem schon eher so dösig, und in einer Dösigkeit tippel ich ja gern einmal sinnlos am Computer umeinander (q. e. d.), um dann irgendwo herumzudrücken und zwei Tage später klingelt plötzlich morgens der DHL-Markus und bringt drei Paar neue Winterstiefel oder eine Hängematte. So jetzt grad auch, und plötzlich tut’s einen Mordsschrei – pfeilgrad aus mir heraus: „SCHEIßE, JETZT HAB ICH MICH DA EINGEBUCHT!“ Hektik, Herzrasen, Hirnstress. Weil das war so: Man kann ja zu seinem aufrichtigen Leidwesen grad wirklich ü-ber-haupts keinen Sport machen. Aufm Radl friert’s dir die Ohren ab, beim Spazieren stößt man zusammen, beim Walken schaut man einfach nicht aus. Beim Wandern rutscht man über Laub, beim Schach verliert man und beim Wii haust du dir die Wohnungseinrichtung zusammen wegen der erforderlichen Haltung beim Golf / Bowling / Baseball und dem Freizeitgeneral, der schreit „HALTUNG EINNEHMEN!“ wenn du einmal aus Versehen kurz auf der Couch gelegen hast und von dort locker aus dem Handgelenk einen Strike nach dem anderen abgeräumt. Also ein Debakel mit dem Nichtbewegen, und dazu saublöd weil du tätst fei wirklich dauernd nur sporteln wenn man dich nur lässtete. Doch leider, leider ist’s wie schwanger sein: Tagtäglich wird die Wampe größer und man kann überhaupt nichts dafür, geschweige denn dagegen! Couching for Weltfrieden! Jetzt hat die Turngruppe, bei der ich nunmehr seit spätestens März so unschuldig wie endgültig zum Fördermitglied avanciert bin, sich was verrückt Modernes einfallen lassen, nämlich einen Onlinesport. Ein jeder, der nur ein kleines Handtuch und im Optimalfall auch ein wenig Platz hat, kann sich nun daheim vom Bildschirmsergeant drillen lassen statt in der bösen Aerosolhalle. Doch „superschade“, hab ich jüngst bedauern müssen, „dass ihr die Kursbuchung immer schon so zeitig schließt. Ich tät ja wirklich dauernd öfter, also: ständig! mitmachen, wenn ich nur kurzfristiger teilnehmen könnt“, und Wimpern und Wampe haben dabei so unschuldig geklimpert wie ich jetzt vorhin im Online-Kursplan herumgehackt hab. Wegen Sicherheit. Geht ja eh nicht. Hehe! Doch plötzlich: „Deine Buchung war erfolgreich, dein Kurs beginnt in 2 Minuten.“ Hab dann vor Schreck aus Versehen meinen Internetstecker gezogen. Sicher ist sicher. Alles wird. Vielleicht auch … ach nee.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~