reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Heißheilige

Ich finde ja „Wetter“ völlig zu Unrecht verpönt als armseligen Aufhänger. Eignet sich doch immer ganz vorzüglich dazu, einen Konsens zu finden für eine weitere Unterhaltung. Findet auch der Knigges Adolph und rät “[…] Was man aufgrund des Wetters machen kann und möchte, eignet sich auch als Gesprächsstoff: Die Wettervorhersagen für das Wochenende sind gut, wir werden versuchen ins Umland zu fahren. Hier in der Nähe gibt es schöne Seen und Parks.“ Funktioniert natürlich umgekehrt ganz genau so. Weil wenn Wetter scheiße, dann Versuche ins Umland zu fahren wegen Seen und Parks eher nicht angezeigt, ganz einfach. Für weite Teile der Bevölkerung kommt auch in diesem Jahr wieder völlig überraschend dasjenige Phänomen, das im Bauernmund als „Eisheilige“ bezeichnet wird. Unerhört, mosert es, dabei ist doch jetzt immerhin schon Mai und damit quasi Hochsommer, da hätte man doch seit jeher in der sonnigen Kirschblüte gelustwandelt, sei zu einschlägigen Heidenkärwas gewallfahrtet oder habe sämtliche Biergärten der Stadt gleichzeitig einem Eröffnungsehrenbesuch unterzogen.

Klimawandel, die Bahn, der Russe, alle sind schuld an dieser außergewöhnlichen Unbill, die uns allen den Tag der Faulheit sowie den Tanz in selbigen verhahahagelte. Dem gilt es, Einhalt zu gebieten, weil man kann’s ja nun wirklich nicht mehr hören. Zugegebenermaßen sind zumindest laut kalendarischer Regelhaftigkeit weder der Bonifaz noch die kalte Sophie schuld am derzeitigen meteorologischen Klimakterium. Die, tu felix Germania, haben angeblich ihr Urlaubsbündel geschnürt, um die Republik als Heißheilige zu durchwandern. Ich kann aber mit an Sicherheit grenzender Vermessenheit sagen: Das war schon immer so Anfang Mai, und das wird es auch bleiben.
Weiß ich, weil sich just wieder eine meiner Lieblingsdiskussionen jährte: Aus einer frühlingsgefühlsinduzierten Übermutslaune heraus initiiert eins eine große Landflucht, in Zweierreihen wollen wir über Wiesen spazieren, die Fränkische mit unserer großstädterischen Hoheit beehren, uns über das Leben im Allgemeinen und Luft und Schäufelepreis im Speziellen freuen.

Nach tagelangen dezidierten Planungen landen wir dann: eingemummelt in einer Küche zum Weißwurstfrühstück und später noch eingemummelter auf einem Wiesenbiergarten, in dem zwischen den Garnituren fröhlich Enten schwimmen und vom Sonnenschirm sprühender Regen das Viertele in eine Halbliterschorle verwandelt, von der man sich wünsche, sie sei ein Glühwein, aber von dem hat man sich ja im zehn Grad wärmeren Dezember bereits übersoffen. Das halten wir jetzt mal hier so fest, und im kommenden Jahr können wir in der großen Sofa-Chronik nachschlagen und innehalten in der Pläneschmiederei, sonst wird aus dem Lustwandeln nämlich eh nur wieder ein Lust-Wandel. Und jetzt möchte ich bitte endlich wieder weiter übers Wetter reden. Weil das IST aber auch lästig grade!

/ Text: Katharina Wasmeier. Bild: Hannah Rabenstein /

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~