reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Hummelnase

Hab ich neulich mein Auto gesucht. Wegen alte Dame und gelegentlich bewegen müssen wegen der Gelenke, ihr wisst schon. Also das Auto. Nicht mich. Hab ich das Auto lang gesucht. Weil muss man wissen, dass ich nicht in einer Gegend wohne, wo man sagt, ja schau, wie im Hollywoodfilm: immer ein Platzerl frei vor der Haustür, sondern eher so, dass man jedes Mal ein Kerzlein entzünden möchte, wenn man im Anwohnerareal auf einem Hektar überhaupt sich im Konkurrenzkampf „17 Parkplätze auf 784 Autos“ hat behaupten können. Bin ich also durch die Straßen geirrt und schier verzweifelt, weil hat mir einfach nirgendwo mein strahlend blaues Gefährt zugewinkt, und da kann man dann schon mal stutzig werden, weiß man ja nie, wo der Pole grad sein Unwesen treibt. Schließlich hab ich’s doch gefunden: Beim fünften Vorbeilatschen hat mein Hirn die wohlbekannte Form registriert, die jedoch in sattem Gelb sich präsentierte. Mit dem für Notfälle solcher Art neben mehreren Litern Frostschutz im Kofferraum lagernden Besen hab ich die Kiste dann ausgraben können und mit Hilfe von Spritzwasser auch die Frontscheibe erst in ein gelbes, gatschiges Massaker und schließlich halbwegs sichtfrei verwandeln. Mei, hab ich mir gedacht, dieses „Natur“, das ist schon eine schöne Sache. Einmal im Jahr wird uns gezeigt, was wir über den Rest der Tage gar nicht bemerken würden, nämlich, wie schön ein Leben ohne Pollenflug ist. Leg ich das Handy grad für zwei Minuten ab, muss es danach unter den Hochdruckreiniger sowie auch die Hand, die es umfasste. Die Sonnenbrille ist stets mit dem UV-Schutz „plus“ bezogen, in aller Klamotte hängt ein feiner Gelbstich und nicht nur auf meinem Balkontisch wogen sich sanft die gelben Dünen, sondern auch in meiner Wohnung, sprich unter meinen Fußsohlen, sprich kommst mit dem Saubermachen nicht mehr hinterher. Jetzt muss ich sagen: Gottseisgedankt gehör ich nicht zur Fraktion „Heuschnupfen“, diese armen Menschlein, die jetzt statt freudig auf der Frühlingswiese balgend sich im Keller verschanzen und auf den November warten. Jedoch muss ich sagen, auch meine weitestgehend gesunde Nase droht zuweilen einzubrechen, wie eine in den Aalzug gestellte Reuse schaufelt sie die Pollen nur so in sich hinein, dass ich mir vorstell, dass es innen in meiner Nase grad so aussieht wie am feisten Hummelhintern: Pul‘ ich ein bisschen dran herum, kann ich mir frischen Honig auf die Semmel schmieren. Ach, machen Hummeln ja gar nicht. Dann doch lieber Nutella.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~