The Death South

Nachbericht: The Dead South

Was erwartet man von einem Konzert in der MUZ? Richtig, gemütliche Schulterschlussatmosphäre, ein Bier der Woche, ein Banjo und ein Cello. OK, die letzten Beiden eher nicht standardmäßig, gut aber, dass die Damen und Herren von The Dead South auch (und vor allem) diese Saiten aufgezogen haben. Damit lässt sich nämlich allerfeinster Bluegrass intonieren. Dazu ein Schuss Mandoline, klar: eine Gitarre sowie schnippende Finger, und fertig ist ein Auftritt, der sich gewaschen hat.

Die Truppe um Frontmann Nate Hilts lieferte eine erlesene Auswahl an Liedern ihrer beiden Longplayer „Good Company“ und „Illusion & Doubt“ ab, deren Bandbreite von stiefel-stampfender Stampede bis hin zu schön zu schunkelnder Schnulze reicht. Doch selbst letztere bietet keine Gelegenheit zum Durchatmen, wir sind ja in der mit einem überraschend bunt gemischten, nicht nur grashalmkauenden Publikum restlos befüllten MUZ.
Beachtenswert war das zahnradgleiche Zusammenspiel der Band, egal ob es um Synchronbierbüchsenaufreißenundleeren oder um eine ausgeklügelte Choreografie während „In Hell I’ll Be In Good Company“ ging, von der sich selbst Beyoncé noch eine Scheibe abschneiden könnte. Offenbar reichte der Platz auf der Bühne aber nur für eine Flasche Whiskey, die folglich reihum gereicht werden musste.

Wer von einem Konzert eine möglichst große Abweichung der auf den Alben eingespielten Songs in Form vieler Soli oder anderweitiger Verzerrungen wünscht, ist bei The Dead South eher falsch. Das Publikum war scheint’s ziemlich richtig, zumindest ausgiebig damit beschäftigt, den Auftritt ordentlich zu feiern. (Anspieltipps: „The Recap“, „Honey You“ und „That Bastard Son“, das Herr Hilts als das Lieblingslied seines Vaters ankündigte)

Wem Greensky Bluegrass zu nie in Europa, geschweige denn in Deutschland sind und The Devil Makes Three zu selten, dem seien die sogar relativ häufig in Deutschland auftretenden The Dead South an’s folkige Herz gelegt.
Nicht unerwähnt sollen auch die beiden singersongwritenden Anheizer Max Paul Maria sowie Del Suelo bleiben, wobei „anheizen“ wohl etwas übertrieben ist, tat sich der eine doch eher als Bediener der mellow-melancholischen Fraktion hervor (nach „Imaginary Landscapes“ hatte man kurz Angst, die Lautsprecher müssten wegen Verschmalzung ausgewechselt werden), während der andere eine relativ exakte Kopie eines Bob Dylan in seiner ruhigeren Phase war, inklusive Mundharmonika. Gut, so stahlen sie The Dead South schon mal nicht die Show.

thedeadsouth.com

//Text + Foto: Sebastian Plischke //