reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Hypoxietraining

„Wenn … das alles … hier … einmal vorbei … ist … passieren … bei … mir zwei … Dinge“, hab ich neulich zu einer langen Rede angesetzt, wobei ich schon im Ansatz überlegt hab dass also allzu lang sollte die Rede nicht werden, wegen Luft, und bin dann lieber erst einmal weiter würdevoll den steilen Berg hinaufgekraxelt, zu dem so eine kleine Erhebung im Park halt wird, wenn man sie erstens auf einer Eislaufbahn bezwingen muss und zweitens Sauerstoffuntersättigung. Oben angekommen hab ich mich ans Eineinhalbmetergipfelkreuz gehängt und nach fünf Minuten auch schon wieder weitersprechen können – das war gut, weil freilich war die Jüngerschar, zwengs der Regeln auf eine Person reduziert, zum Bersten gespannt. „Ich werd Marathonläufer. Mindestens, und dann wiesel ich ihnen davon, den feinen Herrschaften vom Himalajahöhentrainingscenter! Jawoll! Weil ich mein – hast du schon einmal probiert, mit diesem Vakuumierfilter vorm Gesicht dich normal durch den Alltag zu radeln?“ Ja richtig, man könnte das Entatmungsgerät auch zwischendurch einmal absetzen. Aber dann ist man doch wieder vergleichsweise viel beschäftigt damit. So wie wenn man vor dem Ladengeschäft ankommt muss man erst einmal zehn Minuten innehalten und dann so: Maskenhenkel versuchen gemeinsam mit den Brillenbügel unter die Mütze zu stopfen. Merken, dass mit Handschuhen haptisch suboptimal. Dann merken, dass die Maskenhenkel sich in den Brillenbügel verheddern. Dann alles neu sortieren. Scheitern. Dann die Mütze abnehmen, wieselhaarig vor dem Ladengeschäft stehen und alles nochmal sortieren und Mütze wieder auf. Mütze wieder ab und Haare gscheid drunterstopfen. Dann bemerken dass Maske und Brille nicht geht weil beschlägt. Dann Brille von der Nase ziehen und dabei in der Maske hängen bleiben und den Ohrring im Schal verheddern und keine Hand frei haben um Brille zu verstauen. Atmen. „So geht das, und darum lass ich’s einfach lieber auf“, hab ich geendet und bin den Hügel hochkonzentriert und mit Grandezza wieder hinabgeschlittert, auf dem Weg noch ein paar Senioren aufgepflückt, aber was willst du machen so als Winter- oder Straßendienst, so ein Schnee ganz unvermittelt im Januar, und dass wo du seit drei Wochen Silvesterkracher von den Straßen bürsteln musst, und die Leute sollen ja eh daheim bleiben und nicht Kreise ziehen in der Grünanlage, das versteh ich sch… Na, Moment!? „ … und aber jedenfalls die zweite Sache wird sein, dass ich binnen kürzester Zeit alle Krankheiten der Welt entwickeln werd, weil das ist wie wennst einen Außerirdischen nach der Erdlandung nicht in die luftdichte Nährlösung wirfst zur Akklimatisierung sondern einfach nackert in die Menschheit, da sagt so ein ungeübter Körper ja nicht: Ja servus grüß euch, ich bin supervorbereitet, kommt’s nur her, Bazillen!, sondern eher sagt er: UM GOTTES WILLEN ICH WEIß ÜBERHAUPT NICHT WAS ICH TUN SOLL ICH HAB DOCH MONATELANG NICHT GEARBEITET UND Iiiii…. HATSCHI!“

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~