reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Kanapee

Wie der geneigte Leser möglicherweise zur Kenntnis genommen hat, verfügt die verehrte Zeitung derzeit über eine Leiharbeiterin, deren zauberhafter Charme im Schriftlichen wie auch Persönlichen möglicherweise auf den unüberhörbaren Zungenschlag ihres Herkunftslandes zurückzuführen ist. In errlichstöm Fronzösischdeutsch parliert die junge Dame, so dass du gar nicht anders kannst, als umgehend dahinzuschmelzen. Nun trug sie neulich an mich heran, dass bei aller Wunderbarkeit, die sie in und über Nürnberg erführe, auch die Wunderlichkeit sich daruntermische, dass der Einwohner sich französischer Wörter bediene, und das habe sie, nein wirklich, so nicht erwartet, dass da andauernd ein „Merci!“ in sie hineintrötet. Hab ich gleich einmal sagen müssen, dass die von ihr gewählte Betonung selbstverständlich völlig falsch ist und bitte statt eines fließenden „Mörsieee!“ ein gemütliches „Mersse!“ zu wählen sei, mit stampfender Betonung auf der ersten Silbe. Nachdem wir das ein paar Mal und unter großer Beachtung des Außenrums geübt hatten, hab ich angehoben zu einem umfassenden Referat über die Verbreitung des Französischen im Bairischen und dass da aber ein Nord-Süd-Gefälle herrsche, das zum einen auf den Neid des absolutistischen Münchners auf den Sonnenkönig zurückzuführen ist, dessen Glanz halt schon auch gern in der Hauptstadt hätt gesehen werden wollen, und ein bisserl mehr glänzen kann man hier und dort, wenn man sich der jeweils hippsten Sprache bedient (vgl. heute: Denglisch, das). Im nächsten Schub brach ein Männlein von kleiner Statur, doch größtem Ego in die blauweißen Landen und gab ihm schnell den Rest. Seither trägt der Bayer und auch, obgleich bedauerlich wenig, der Franke den Franzosen ganz tief in sich, zumindest, was die Linguistik angeht. Aus einer Zeit, aus der der Franzose auch sonst gern in eine Deutsche eingedrungen wär, stammt möglicherweise das Wort „Fisimatenten“ – in solche nämlich ward am End gebracht, wer der abendlichen Einladung des charmanten Besatzers ins Zelt folgte: „Visitez ma tente!“ Seitdem blamieren, schikanieren oder tratzen wir uns, fluchen „Sakradi!“, kaufen ein Billet, laufen auf dem Trottoir, holen ein Kuvert aus dem Portemonnaie, rufen den Gendarm und manchmal, da pressiert’s uns sauber. Mir jetzt beispielsweise pressiert’s runter vom Sofa – das ab sofort bitte sehr royal „Kanapee“ genannt werden möchte. Auf welches ich mich jetzt lege, mich dabei, um alsgleich ein neues Wort falsch einzuführen, von Decke, Ingwertee und womöglich dem saisonersten Kürbisgericht akkompagnieren zu lassen und dem Wochenende ein fröhliches „En garde!“ entgegenzuschmettern. „12 Jahre Club Stereo“ (Fr&Sa, Klaragasse), „Rakete Resident Night“ (Vogelweiherstraße), „Techno Classics“ (T90, Flughafen), „Querbeat“ (KK, Königstraße), „Elektronisch“ (Cult, Dooser Straße) und am Samstag „Bighorn Ranch goes 50ies“ (Birnthon), „Pull the Trigger Sommerfist“ (Hirsch, Vogelweiherstraße), „Date Night“ (Zentralcafé, Königstraße), „Tribute to Rammstein“ (Matrixx, Klingenhof) und Zeuch. Hätt ich jetzt gern noch ein schlaues frankophones Schlusswort dahergezaubert, doch fühl ich mich von all der Schlaumeierei schon ganz malad, und schlepp ich mich besser leis zurück aufs Kanapee. Au revoir und habe die Ehre!

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~