reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Körpermaschine

Ich sitze am Schreibtisch und versuche, diese Glosse zu schreiben. Daran ist jetzt nichts ungewöhnlich. Jedoch stellt sich als schwierig heraus, irgendwas zu Papier zu bringen, während ich alle Extremitäten weit von mir spreize und außerdem im Schwebesitz á la Raststätten-WC einen Kontakt mit dem Stuhl weitgehend zu vermeiden suche. Unter gar keinen Umständen darf irgendwas mit mir in Berührung kommen, auch nicht ich selbst. Nichtsdestotrotz bin ich schweißgebadet, was sich durch einen kurzen Blick aufs Thermometer und den darauf blinkenden 31,8 Grad leicht erklären lässt. Mitnichten käme es mir in den Sinn, mich über diese Zahl zu beschweren – find ich super, bin ja kein Bauer, und dass demnächst „Low Carb für alle“ ansteht, kann ich prinzipiell und aus rein egoistischen Gründen nur begrüßen.

Was mich sakrisch stört, ist die Tatsache, dass ich grade eben geduscht habe und keine zwei Minuten später schon wieder klebe wie so ein Fliegenfängerdings, das man aus urigen Landgasthöfen kennt. Einzig den listig am Fenster drapierten Geziefernetzen ist es zu verdanken, dass ich nicht ebenso paniert aussehe. Ich finde Wissenschaft blöd! Man muss sich das mal vorstellen: Da fliegen sie zum Mond, transplantieren alles vom Augapfel bis zum primären Geschlechtsorgan und kennen die Tiefsee bald besser als ihre eigene Mundhöhle, aber was noch kein Mensch erfunden hat, ist eine Körperpflegemaschine. Was mir völlig schleierhaft ist. Ich meine, was da alles an Zeit draufgeht! Den ganzen Tag ist man damit beschäftigt, Körperfunktionen in Schuss und Zaum zu halten. Ein sisyphosales Unterfangen, will doch so ein Körper einfach nicht einsehen, dass er gefälligst nicht schwitzen soll, von wegen! Kaum hat man sich gereinigt, pappt schon wieder alles. Und dann der ganze Rest!

Besonders im Sommer ist man gerne mal die eine Hälfte des Tages damit beschäftigt, Flüssigkeit in sich hineinzutun, und die andere Hälfte damit, selbige wieder aus sich heraus zu lassen. Ansonsten verbringt man übers laufende Jahr hinweg Stunden und Wochen damit, zum Frisör zu gehen, zu pedi- und zu maniküren, Make-Up, Make-Off, duschenanziehenzähneputzen, duschenausziehenzähneputzen, ein steter Reigen, den man rein aus Gesellschaftskonvention freilich tunlichst zu tanzen hat. Mein Wunsch ans Universum ist eine Maschine wie sie Wallace, der zweibeinige Freund von Gromit, längst hat: Während ich noch selig schlummere, soll die sich über mich drüber stülpen und alle sanitären Vorrichtungen erledigen. Wache ich auf, bin ich onduliert, geschminkt und epiliert. Abends geht das dann retour: hinlegen, einschlafen. Rest macht die Maschine. Dafür sollte man Fördergelder und Preise ausloben! Ich biete mich dann auch als Schirmherrin an. Und schon bleibt mehr Zeit für die wichtigen Dinge: alles, was draußen ist. Aus Ende Äpfel. Nee: RAUS Ende Äpfel! Und Sternschnuppen gucken!!

 

// Text: Katharina Wasmeier. Bild: Hannah Rabenstein //

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~