reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Prepper

Prepper sind „Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf jedwede Art von Katastrophe vorbereiten: durch Einlagerung von Lebensmittelvorräten, die Errichtung von Schutzbauten […] das Vorhalten von […] Werkzeug […] und anderem. Dabei ist es unwichtig, durch welches Ereignis oder wann eine Katastrophe ausgelöst wird.“ Diese Definition, auf die ich nach der Suche nach mir selbst gestoßen bin, erscheint mir vergleichsweise hart, und ich würde wirklich nicht so weit gehen wollen, mich als „Prepper“ zu bezeichnen, aber – ich bin ein Prepper. Zu dieser Erkenntnis führt mich der steinige Weg der Ausmisterei, über den ich mich gleichwohl gewissenhaft wie blutenden Herzens geißele, und der zu meinem aufrichtigen Bedauern ausgesprochen lückenhaft gesäumt ist von Bewunderern, die „Tapfer!“ rufen und „Weiter so!“-Transparente in die strenge Brise halten, durch die ich mich wühle. Um genau zu sein kreischen die sogenannten Unterstützer in der Tendenz eher ein entsetztes „WAAAS? DAS willst du WEGTUN?! Aber da kann man doch SO gut DINGE reinmachen!“ Kurzerhand dreh ich den Spieß um und binde den Saboteuren das Gerümpel ans Bein, auf dass sie selbst ganz viele Dinge so gut irgendwo reinmachen können. Edelmut tut Umzug gut. Aber darum geht’s eigentlich nicht. Sondern darum, dass ich mir selbst eingestehen muss, an irgendeiner obskuren Form der Hamsterei oder Hirnlosigkeit zu leiden, wobei mir letzteres eigentlich besser gefällt. Öffne ich zum Beispiel so diverse Schubladen vor mich hin und entdecke, dass ich in meinem ganzen Leben nie wieder Stifte (egal, welche) / Musterbeutelklammern (gold) / Tesa-Produkte (alle) zu kaufen brauche. Die Erklärungen hierfür sind mir durchaus bekannt: Magnetismus / „Oh, hab ich schon wieder falsch gedacht, dass so ein Postschalter für eine einzige kleine Büchersendung bestimmt eine einzelne Musterbeutelklammer bereitstellt, muss ich zum Vorzugspreis von 4,99 eine ganze Packung erwerben.“ / „Ui, der Feinkost Albrecht hat Kleber im Angebot, den nehm ich lieber mal mit weil den kann man immer brauchen.“ Weil ich so ein passionierter Hobbybastler bin und ständig irgendwas kleben muss. Nicht. Doch genau bei diesem Fallbeispiel zeigt sich der Prepper. Der Prepper nimmt auch lieber mal bei jedem Einkauf eine Packung Salz mit, weil es könnte ja sein, dass das alte grade ausgeht, und stellt das Salz dann in die (Vorrats-)Kammer des Schreckens zu den anderen fünf Packungen. Aber man weiß ja nie, ob nicht doch vielleicht mal eine Katastrophe … naja.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~