reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Uhrangst

Urangst. Laut Freud’scher Definition vermutlich irgendwas schweinisches, laut gängig-volksmundiger einfach was, das sautief sitzt, eine ursprüngliche oder auch kreatürliche Angst. Ich für meinen Teil habe deren viele: Verdurstungsurangst, Keinkloindernäheurangst, Zuwenigklamotteneingepackurangst, Liegestuhlzusammenbruchsurangst. Achselhaarübersehenurangst oder Inderrutschesteckenbleiburangst, um nur einen Bruchteil zu nennen. Zu diesen lapidaren Befindlichkeiten, die mich nachts nicht schlafen und bei Tag minütlich Checklisten abarbeiten lassen, gesellt sich aber noch ein weit größeres Ungetüm, nämlich eine ausgewachsene Uhrangst!

Wie so viele Menschen trage ich am Handgelenk eine Uhr, weil man zwar alle drei Sekunden aufs Smartphone schaut, um die Likes beim letzten Facebookstatus zu checken, nicht aber in der Lage ist, im gleichen Zug auch einen Blick auf die Uhrzeitanzeige zu werfen. Ja naja, und aus modischen Gründen schon auch. Die Uhr ist eine solche, die ich, alter Nostalgiker, schon als Kind der 80er ums Handgelenk geschnallt bekam, sie inbrünstig hasste wegen unbunt, uncool, unerhört, recht bald einzutauschen erbettelt hatte gegen ein en-Vogue-Modell – saubunt, sauhässlich, das unhygienischste Gummiband der Welt, ABER mit aus- und deswegen unter der Freundinnenschar herumtauschbarem Zifferblatt – das ich stolz (er)trug und das pädagogisch auferzwungene ich-hab-da-doch-noch-eine-Uhr-daheim-rumliegen-Modell mit Effet in eine Ecke pfefferte.

Kaum 20 Jahre später wollte ich gerne wissen: „Du sag mal, hast du eigentlich noch diese Uhr da daheim rumliegen, die, die ich früher immer tragen sollte und nicht wollte?“ – „Ich glaub mein Schwein pfeift“, erklang es hilfsbereit, „ich hab ungefähr 17-mal gefragt, ob ihr die haben wollt, und jetzt hab ich sämtliche Exemplare entsorgt!“ – „Ja bist du des Wahnsinns?! Wenn du die alle aufgehoben hättest, dann könntest du jetzt endlich zum Ebay-Powerseller aufsteigen und mir einen Urlaub finanzieren!“ zog ich beleidigt von dannen und in ein Ladengeschäft hinein, um die einst Verschmähte für teures Neuauflagengeld zu erwerben. Kurze Zeit später begann es bei mir zu piepen. Nachts träumte ich von Vögeln, Pfeifen, Feueralarm, ich wachte auf und wusste nicht, warum. Bis ich dahinterkam, dass die böse Uhr scheints eigenmächtig einen Wecker auf 03:00 aktiviert hatte. Mit viel Not beseitigte ich diesen Missstand, nur um kurz darauf täglich um 11:30 zu piepen, später dann um 21:57. Es befindet sich nämlich ein seitlicher Miniknopf an diesem Ding, und sobald man, und das tue ich oft, irgendwo drankommt, aktiviert sich der Wecker, und dann sitz ich irgendwo in der Mucksmäuschenstille, und plötzlich piept’s, und ich weiß nicht, wie das weggeht! Das ist eine Uhrangst!

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~