reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Schlechte Vorsätze

Hahahabt ihr gedacht, ich würde aufhören hier, he? Einfach verschwinden mit dem alten Jahr, nur Schmauchspuren und Müll zurücklassend? Aber nicht doch! Herzlich willkommen zurück in unserer kleinen wöchentlichen Therapierunde, herzlich willkommen zurück auf meinem Sofa (von dem ich euch freilich alsbald nachdrücklich wieder hinunter und hinaus in die Welt scheuchen werde). Ich wollte letzte Woche nur gucken, ob euch was auffällt, ein Test sozusagen, so wie ihn früher Lehrkörper vollzogen haben, wenn auf den vermeintlichen Fehler in der Tafelanschrift hinwies. Eine versaute Generalprobe also, doch wie der geneigte Kulturinteressierte weiß, ist eine eben solche Garant für eine großartige Spielzeit. Here we go! Sitzen wir also wieder da, wegen jährlichem Murmeltier, mit unsren guten Vorsätzen und unserer schlechten Laune.

Was darf’s denn diesmal sein? Mit dem Rauchen aufhören, weniger Alkohol trinken, endlich mal dieses „vegan“ ausprobieren, das Abo im Fitnessstudio nicht nur als Ablasshandel auf dem Kontoauszug betrachten, sondern zumindest auf dem Stadtplan endlich mal den Weg raussuchen. Mehr gesund, weniger alles! An dieser Stelle möchte ich eine Parabel einfügen: Ich habe lange, lange Jahre versucht, Tagebuch zu schreiben. Ich bin in höchstem Maße beeindruckt von Menschen, die kistenweise ihr Leben notieren, mehr noch: Die nicht Tagebücher, sondern Tagekunstwerke bauen, Zettel einkleben und Fotos, Notizen und Zeichnungen mischen, bis das Moleskine zu einer Erinnerungskugel anschwillt.

„Das will ich auch!“, befand ich, und erwarb Jahr im Jahr hübsche dicke Kalenderbücher, die ich stets zu sagenhafter Erinnerungskunst gestalten wollte. Das ist mir insofern gelungen, als dabei eine sehr anschauliche Kunst des Versagens entstanden ist. Die Kalender eint, dass die erste Seite säuberlich befüllt ist mit persönlichen Daten. Dass die kommenden, also ersten Tage säuberlich befüllt sind mit spannenden Erlebnissen und literaturpreisverdächtigen Notizen. Dann folgen einzelne freigelassene Tage. Dann Wochen. Dann findet sich alle paar Monate mal ein Arzttermin. Aus. Ich kann’s einfach nicht, war darob zornig und irgendwann hab’s aber eingesehen. Zurück also zu den sogenannten „guten Vorsätzen“.

Können wir uns hier in ein paar Wochen oder Monaten wieder treffen, grau und grün vor Frust, und besprechen, was wir alles dann doch wieder nicht hinbekommen haben, wegen bla, bla und bla. Und dann das gleiche Spiel Silvester 2016, ‘17, ‘18 usw. spielen. Können wir uns aber auch einfach künftig Sachen vornehmen, die ausgewiesenermaßen Spaß machen! Mehr singen! Mehr auf Dächer klettern! Endlich tanzen lernen! Mehr ohne Ziel weit weg fahren! Viel lauter Musik hören! Viel viel öfter viel viel freundlicher zu Fremden sein! Überhaupt: immer viel mehr lächeln! Ich glaub, das kann man schaffen. Probiert’s aus! Und sollte das nicht gleich beim ersten Mal klappen: dabeibleiben! Ich garantier euch – das wird toll!

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~