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Konzertbericht: Bedroomdisco #5

Es gibt so Konzerte, bei denen suhlt man sich in den Hundertschaften und jubelt und grölt und freut sich und feiert. Das ist schön. Es gibt dann aber auch so Konzerte, bei denen man ganz ruhig auf einem Stuhl sitzt, genießt und sich auch freut, dabei aber entspannt ist. Tiefenentspannt. Ein solches gab’s gestern. Noch dazu an einem wunderlichen Ort. Talking to Turtles waren im Rahmen der Bedroomdisco Nürnberg zu Gast in der Akademie der Bildenden Künste.

Und hatten noch einen Spezialgast dabei. Besser gesagt, hatte, denn von den zwei Schildkrötenflüsterern war nur einer da. Der hatte Kumpel Sir Simon, wie es hieß, gezwungen, ihn in die Noris zu begleiten und ihm, so der schwer Missbrauchte, nur 20 Kilometer vor der Stadt eröffnet, er habe einen Auftritt zu absolvieren. Das wollte der Sir Simon wohl nicht so gern, tat aber dennoch seine Pflicht.

Zum Glück, denn aus dem Knaben, der in frappierend-putziger Weise an einen nassgewordenen Spatz erinnerte, kamen ganz bezaubernde Töne, die Sir Simon nicht minder bezaubernd auf der Gitarre begleitete. Nach vier eigenen Liedern, denen das Publikum mitnichten „geduldig“, sondern höchst angetan lauschte, gab’s ein „Girls just wanna have fun“-Cover. Das ist ja eher so hahadisko, war aber auf einmal ein überraschend schöner Song. Chapeau!

Das gilt ohnehin und vor allem auch für die Veranstalter der Bedroomdisco in Nürnberg, ein kleiner Haufen Musikvernarrter, die seit ungefähr Anfang des Jahres die Idee der Wohnzimmerkonzerte hier etablieren: Singer/Songwirtern, beispielsweise, die mit schmaler Gage zufrieden sind, kleine Gigs in charmanten „Off Locations“ zu ermöglichen. Im Vorfeld bekanntgegeben werden nur Künstler und Datum der geheimen Konzerte, für die man sich bewerben und mit ein bisschen Glück auch ausgelost werden kann. Veranstaltungsorte sind dann private Gemächer aller Art, Dachböden, Schrebergärten, Wohnzimmer oder wie in diesem Fall der Unterrichtsraum der Klasse Hörl der AdBK.

Draußen brüllt zwar nicht direkt der Löwe, dafür spricht drinnen der Florian inmitten von Leinwänden, Farbeimern und Vliesteppich mit den Schildkröten. Wie auch zuvor schon Sir Simon trägt Florian sein Publikum auf leisen, melancholischen Tönen durch den Abend, man möchte sich zurücklehnen und die Augen schließen und ein bisschen abdriften und … Tut das dann auch. „Mit „Split“ gab’s das ganze, neue Album der Band aus Rostock bzw. Leipzig zu hören, erstmals live, so wurde verkündet, und dann auch noch unter erschwerten Bedingungen, weil der Florian, der hat halt normalerweise die Claudia dabei, und Duette in allein, da muss man manchmal improvisieren. Was ganz vorzüglich gelingt, und die Sorge, das Publikum würde Anstoß daran nehmen, dass „ich zwischendurch immer so viel erzähl“, war gänzlich unbegründet.

Bei so viel Charme verzeiht man nur zu gern, dass hier und da die Technik klemmt und den zarten Gitarrensaiten arge Brummtöne dazwischengrätschen. Auch überraschend, wenngleich sowas von nicht unangenehm: Der Unterschied zwischen Florians Sprech- und Singstimme, die an irgendwen erinnert aberichkommnichdraufisauchegal. Weil: so schön! „Passenger Seat“ war irgendwie schon bekannt, läuft im für die Unterstützung von Newcomern bekannten Radio – der Rest braucht sich hinter diesem Vorreiter mitnichten zu verstecken. Wie die ganze Bedroomdisco nicht. Tut sie aber trotzdem. Wegen geheim und so.

/ Katharina Wasmeier /

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