Schreibschwein © David Häuser
Konfetti - Die Kolumne

Konfetti! Und außerdem … Braunpflanze

Ich wollte gerade kalten, alten Tee in einen großen Pflanztopf schütten. In diesem Pflanztopf befindet sich seit einer äußerst kräftezehrenden Umbaumaßnahme, der ich vor einigen Wochen mein Arbeitszimmer unterzogen habe, um das dort herrschende Chaos (Genie und so) wenigstens einer äußeren, scheinbaren Ordnung zu unterwerfen, eine sehr große schöne Pflanze. Die, so hoffe ich, filtert die ganze böse Luft, die ich beim Hirnen und Werken und Wirken produziere, und macht aus ihr frischen, gesunden und kopflüftenden Sauerstoff (Muss man dann eigentlich noch lüften? Frage für einen Freund.), sondern erfreut auch mein müdes Auge mit ihrem erquicklichen Anblick: Kurz aufs saftig-grüne Blatt gelinst, und schon purzeln die Ideen nur so aus meinem Kopf hervor. Genau diesen Quell der Inspiration sehe ich seit einigen Tagen bedroht, denn es betrüben die Freshness ein, zwei braune Blattstellen … Zimmerpflanzen und ich, das ist so eine Sache. Was gut geht, sind getrocknete Blumen, mit denen komme ich zurecht, wir führen oft jahrelange Freundschaften. Was mir auch sehr gut gelingt, ist die „Pflege“ einer Orchidee, die ich vielleicht einmal fürs Guinness Buch der Rekorde als widerstandsfähigste jemals gelebte Pflanze der Welt vorschlagen möchte: Vor über 20 Jahren als Einzugsgeschenk in die erste eigene Wohnung erhalten, steht diese Orchidee als lebendes Wunder und Beweis für die Existenz von Pflanzen, die um so besser gedeihen, je mehr man sie einfach vergisst, und presst unter größten Geburtswehen Jahr für Jahr ihre Blüten in die Welt hinein. Weil ich sie freilich niemals umgetopft habe, befinden sich in ihrem Heim Wurzeln statt Nährboden. Zudem dient die Pflanze als Langzeitexperiment. Zwischenergebnis: Nach 20 Jahren beginnt ein Plastiktopf langsam zu zerbröseln … Ab hier wird die Luft dünn, und vor jedem Kauf einer neuen Grünpflanze gehe ich mit mir hart ins Gericht, ob ich dem armen Lebewesen diese kurze Existenz wirklich antun möchte. Jetzt also braune Flecken. Ich rief sogleich meine Vertraute in allen Pflanzenfragen an: Jemand, der euch vielleicht noch als „Pubertier“ ein Begriff ist, der bzw. die aber unversehens zu einer stattlichen jungen Dame mit zwei prächtigen grünen Daumen herangereift ist. Nach 17 Sprachnachrichten á fünf bis 26 Minuten rief ich „STOP!“ ins Telefon hinein und „Ich wollte eine PFLANZE und kein HAUSTIER!“, denn so fühlten sich die Anweisungen ziemlich genau an, die sich irgendwo zwischen „Blätterstreicheln“ und „Pflanzendusche“ bewegten. Vielleicht sollte ich ein neues Experiment starten und die „Braunpflanze“ etablieren. Mit dem alten Tee, dachte ich, wäre damit wohl ein guter Anfang gemacht. Ich hab’s dann lieber gelassen. Wenn ich nicht faste, muss es die Pflanze ja auch nicht unbedingt tun. Vielleicht dankt sie’s mir – ich werde berichten.

// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~