Konfetti! Und außerdem … Wollsplitt
Ich habe nach der vorletzten Kolumne eine Rüge von meinem Aufsichtsratsvorsitzenden bekommen. Der Rat besteht aus einer einzigen Person, die mit gerechter Strenge über mich wacht und meine Tage mit wohlwollenden Bemerkungen als Stimme aus dem Off (manchmal auch aus dem On) begleitet: Hast du heute überhaupt genug Wasser getrunken? Wann kümmerst du dich eigentlich um die Zuzahlungsbefreiung? Gibt es schon einen Termin in der Autowerkstatt? Das mag jetzt erstmal seltsam klingen, aber immerhin handelt es sich bei dem Aufsichtsratsvorsitzenden (ARV) um eine sehr reelle Person und nicht um eine Siri oder gar einen selbstgebauten Avatar, den mit diesen könnte ich nicht so herrlich diskutieren und mich mit geschickter Rhetorik aus der Affaire mogeln. Außerdem ist mir schon die Bezeichnung sympathisch, enthält sie doch quasi ausschließlich Silben, die jede für sich etwas Nettes bedeuten: Auf-sichts-rats-vor-sit-zen-der. Naja, immerhin kommt „Zen“ darin vor, und davon brauch ich viel im Umgang mit ihm. „Du hast“, zürnte der Hauswirtschaftsweise also, „in der letzten Kolumne gelogen!“ – „Ich?! Nein, niemals! Ich schwöre die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit!“ und dabei eventuell heimlich hinter dem Rücken die Finger gekreuzt. Aber ähm ein trockener Schokoladenkuchen bleibt schließlich ein trockener Schokoladenkuchen, auch wenn man ihn mit Tonnen von Fondant, Buttercreme und Marzipan dekoriert! „Du hast aber geschrieben, dass unsere ganze Wohnung komplett mit Rollsplitt bedeckt ist, und das stimmt doch überhaupt nicht!“, schimpfte der ARV weiter. „Aber es stimmt doch sehr wohl, dass überall diese schwarzen Klumperl herumfliegen. Schau halt!“ versuchte ich mich weinerlich zu wehren und gestikulierte dabei wahllos in Richtung verschiedenster Raumecken. „Nein, das stimmt nicht. Mindestens die Hälfte davon ist gar kein Rollsplitt. Höchstens vielleicht: WOLLsplitt!“ Da war ich baff. Und sogleich überzeugt, denn er hat recht. Während der Rollsplitt seinen natürlichen Lebensraum vorzugsweise im Flur, angrenzenden Flächen und Ecken pflegt, sind die Wollsplittknödel absolut und überall dort, wo sich ein Mensch nur aufhalten kann, sei es gehend, stehend, sitzend oder liegend. Schuld daran mag ein wohnungsintern intensiv kultivierter Hang zur Wollsocke sein, die traditionell über käseweiße Mauken gestülpt werden, sobald das Haus betreten und das Tagwerk vollbracht ist. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wo gehaust wird, da fallen Wollknötchen. Ein Glück, dass das alles bald vorbei ist und wir mit blanken Füßen den Straßendreck wieder direkt in unsere Schlappen schaufeln können. Wie sich das anfühlt, probieren der ARV und ich grade übrigens schon für euch aus: Sehr sandig hier, aber gar nicht mal so übel. Viele Grüße aus dem Urlaub!
// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //
~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~
