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Nachbericht: Romano im Club Stereo

Am Samstag, den 21. März war Romano aus Köpenick zu Gast im Nürnberger Club Stereo. Désirée war für uns vor Ort, hat ein paar wunderbare Bilder gemacht und uns ihre Eindrücke geschildert. HIER gibts auch noch unsere Geschmacksfragen mit Romano.

Der schöne General in Nürnberg – Romano live im Club Stereo

Hold your breath – der schöne General aus Köpenick ist in der Stadt! Unser Club Stereo ist voll, aber nicht überladen, heute sind alle gekommen, um alles auszuhalten. Manchmal gibt es diese Abende, bei denen man schon beim Reinkommen merkt, dass sie nicht sauber aufgehen werden – im besten Sinne. Zu viele Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun haben, zu viele Erwartungen, die sich gegenseitig im Weg stehen könnten. Und dann passiert genau das Gegenteil. Im Keller drängen sich die Generation Alpha neben Gruftis, HipHopper, Menschen, die einfach nur neugierig sind, und welche, die Romano seit Jahren auf dem Schirm haben. Und erstaunlicherweise funktioniert das. Weil das hier, im wohl safest place der Stadt, kein Nebeneinander ist, sondern für zwei Stunden ein tatsächliches Miteinander. Das Stereo ist einer dieser seltenen Orte, an denen Herkunft, Szene oder Alter einfach keine Rolle spielen.

Heiß, heiß, Baby!

Romano kommt nicht spektakulär auf die Bühne – er ist einfach plötzlich da. Mit Band, zu dritt, und sofort on fleek. Und natürlich höchst fashionable! Die Kostümwechsel hinter dem auf der Bühne platzierten Spiegel wirken nicht wie obsolete Showeffekte, sondern untermalen die durchgetaktete Show. Der kubistische rote Ledermantel, kantig, fast schon zu viel Form, zu viel Aussage – und genau deshalb passend für den Vollblutshowman. Später, bei „Fuß des Tabanaka“, diese absurde Bischofsmütze, irgendwo zwischen Sakralem und komplettem Unsinn. Es kippt nie ins Lächerliche, weil er es nicht kommentiert. Er trägt es einfach.

Bei „Metalkutte“ kommt Romano dann genau so auf die Bühne, wie erwartet: in Metalkutte. Da ist nichts ironisch, das ist eine veritable Kutte wie man sie im besten Fall auf den einschlägigen Metalgigs so sieht. Nur ein bisschen zu sauber ist sie bei Romano, so im direkten Szenevergleich – und das ist ein Riesenkompliment an den Berliner!  Im Verlauf gibt es auch diese schwarze Raiders-Bomberjacke, die wahrscheinlich mittlerweile als Vintage Chic durchgeht, während die Millenials noch ihr Starter-Jacken Teenager Trauma aufarbeiten müssen. 

Capitalism is back, Baby!

Bei „Brenn die Bank ab“ passiert das, was passieren muss: Es regnet Romano Dollar. Vorne wird sofort gierig alles aufgesammelt. Die Generation Alpha macht keine halben Sachen. Geldbündel verschwinden in Händen, Taschen, Jacken. Ein kurzer Moment, der gleichzeitig lustig und ziemlich treffend ist. Capitalism is back, Baby! Und zumindest die Youngsters spielen mit.

Man merkt dem Set an, dass es an die Substanz geht. Nicht nur körperlich, auch stimmlich. Als klar wird, dass es keine Zugabe geben wird, liegt das nicht an fehlender Lust. Die Stimme ist einfach weg. Schon während der Ansagen merkt man Romano an, dass sich eine gewisse Heiserkeit in seine Stimme geschlichen hat, obwohl die Songs nahezu perfekt gegeben werden. „Der schöne General“ bleibt leider aus, auch wenn viele darauf warten.

Trotzdem geht Romano nicht einfach. Er mischt sich unter die Fans, redet, sucht Nähe, versucht, diesen Bruch nicht als Abbruch stehen zu lassen.

Das Konzert zwei Tage später in Berlin wird er nicht mehr spielen können. Die Stimme ist nun ganz weg.

In einem Paralleluniversum reitet er als Marlboromann von Nürnberg ins SO36, unterhält sich mit dem schönen General in Metalkutte über den Fuß des Tabanakas, bevor er seine Julia heiratet und für den Rest der Strecke den Sextrain nimmt.

// Text & Bilder: Désirée Pezzetta //