Konfetti! Und außerdem … Fit wie ein Schlappen
Soeben hat mich eine Nachricht erreicht. Je nachdem, wie alt ihr seid, könnt ihr statt „Nachricht“ auch sagen: DM, PM, ne App, eine SMS oder ein Fax, ganz wie es euch beliebt. Die Nachricht jedenfalls frug: „Na, dann bist du ja fit wie ein Turnschuh?“, nachdem ich zuvor über eine ordentliche Portion Schlaf berichtet hatte. Ich ließ meinen Blick schweifen. Erst sinnend, dann skeptisch. Nämlich als jener Blick auf die (An-)Sammlung zahlreicher Exemplare besagten Schuhwerks fiel. Und abgesehen von den zwei bis sieben Paaren, die geschont werden für besondere Anlässe sowie den weiteren drei bis fünf, die das Tageslicht noch nicht mal gesehen haben sondern in ihren Verkaufsschachteln auf ihren Einsatz warten (jajaja, ich weiß … ), muss ich gestehen: So besonders fit sehen die eigentlich allesamt nicht aus. Eher größtenteils so, dass man sie direkt in eine warme Decke wickeln, ihnen einen frischen Keks und ein Glas Milch in die Hand drücken möchte und sie in ihrem Rollstuhl an ein sonniges Plätzchen schieben, wo sie dann ein bisschen gemütlich vor sich hingucken können, während ich drinnen umräume und den Turnschuhseniorinnen und -senioren das Ausgedinge hübsch und Platz für die Nachkommen mache. Jetzt möchte ich gar nicht ausschließen, dass „fit“ und „Seniorentum“ sich ausschließen – wirklich nicht, bei mir im Sport sind zahlreiche ausgesprochen rüstige Damen, die so manch einen ambitionierten Knaben im Gym ohne Mühe wegschnupfen würden. Aber ob „fit“ und „Turnschuh“ zwingend eine Verbindung eingehen müssen, halte ich schon eher für Unsinn. Woher der Ausdruck kommt, kann selbst das allwissende Internet nur unzureichend erklären, aber es ist vermutlich nur ein Zufall, dass man nicht von „fit wie eine Radlerhose“ spricht, von „fit wie ein Tutu“ oder „fit wie ein Dan“. Ob ich überhaupt fit sein will wie ein Turnschuh weiß ich eh nicht so recht, weil beim Wort erleide ich sofort unfreiwillige olfaktorische Assoziationen, außerdem hat die Zeit gezeigt, dass man nun wirklich nicht mehr sportlich sein muss, um in der Öffentlichkeit Turnschuhe zu tragen, oft sogar ganz im Gegenteil. Was soll das also? Wenn ich mir was aussuchen dürfte, dann wäre ich lieber gerne ein Schlappen. Ich meine, das Wort ist perfekt: SCHLAPPen, da steckt alles drin, was man über einen Menschen wissen muss. Außerdem kann nicht nur jeder Mensch Schlappen ganz vorzüglich tragen, sondern ungefähr jeder LIEBT sie auch noch – steht denn irgendwas auf dieser Welt besser stellvertretend für Gemütlichkeit, Behaglichkeit, Berghütte und Erholung? Ja gut, „Puschen“ womöglich, aber da steckt mir schon wieder zu viel Stress drin: Push push push! Mit dem Schlappen kann ich mich also gut identifizieren, da hängt direkt eine Decke dran, ein Kanapee, Tee und alles, was man für spontane Kälteeinbrüche braucht. Turnschuhe? Später dann wieder.
// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //
~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~
