Konfetti! Und außerdem … Sonnwendfeuer
Die gute Nachricht zuerst: Am 21. Juni ist Sonnwende. Wir dürfen uns über die kürzeste Nacht und den längsten Tag des Jahres freuen. Bei genauerer Betrachtung folgt die schlechte Nachricht logisch auf dem Fuße: Ab dem 22. Juni werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger, und ehe ihr euch‘s verseht ist es November und um 16 Uhr stockdunkel, außerdem sehr grau, nass und neblig. Von diesen grausigen Aussichten wollen wir uns lieber schnell abwenden und uns den sehr viel schöneren zu. So wurde vor wenigen Tagen an mich herangetragen: „Du, wollen wir am Wochenende ein kleines Sonnwendfest im Garten machen?“ frug der Mann schüchtern, und ich dachte „puh“ und sagte „ja“. „Wir könnten ein paar Leute einladen …“ – „Okee.“ – „… und dann im Garten übernachten …“ – „Klaro.“ – „… und eine schöne Feuerschale aufst…“ – „NEIN!“ schrie ich aus vollstem Herzen und wollte den gesamten Vorschlag auf der Stelle samt einem Rest verdorbener Suppe im Klo hinunterspülen. Feuerschale. Lagerfeuer. Feuertonne. Dinge, die zu hassen ich eine heilige Passion entwickeln kann. Du willst ein Gartenfest veranstalten, an dem ich garantiert nicht teilnehmen werde? Stell eine Feuerschale auf! Du möchtest im Winter „schön mit Glühwein und Grill im Hinterhof“, aber bitte ohne mich? No problemo: Kündige die Feuertonne an! Ich weiß wirklich absolut nicht, was das soll mit dieser ewigen Zündlerei. Ok Wärme – seh ich ein. Aber mal unter uns: Im Winter verbrennst du dir beim gemütlichen Umtrunk um die brennende Tonne halt obenrum das Gesicht und untenrum erfrieren die Füße trotzdem. Im Sommer ist es vielleicht bitte eh warm? Also! Saisonal unabhängig hingegen ist der Knackpunkt des Übels. Ich mag Speck nur in kleinen Mengen, deswegen bin ich schwierig mit Elsässer Flammkuchen und Bamberger Rauchbier (flüssiger Räucherschinken, pfui Deifi!). Und ganz besonders graust es mich, selbst nach Speck und Räucherei zu riechen – ein Umstand, der mit jedem Feuermachen aber garantiert einhergeht. Erst steht man stundenlang im dichten Qualm, weil „wir haben’s gleich, das Holz ist wohl ein bisschen feucht“, und beim Heimkommen muss man sich am besten unten vor der Haustür komplett entkleiden, die Klamotten in einen Vakuumsack und diesen postwendend in die Waschmaschine stopfen, bevor man sich ungeachtet der Uhrzeit unter die Dusche stellt, um nicht das lavendelduftende Kissen auf Wochen mit Speckaroma zu verderben. Dazwischen stochern Menschen unaufhörlich in der Glut herum, dass die Funken nur so stieben und Löcher in die feine Outdoorware schmoren. Ich sage NEIN zur Feuerstelle und JA zum 5-Stunden-Kaminfeuer-Video auf YouTube. Meinetwegen auch zur Drohnenshow. Wer sowas parat hat: Du bist herzlich eingeladen!
// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //
~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~
