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Nachbericht: MilleniumKid

Am 12. Mai machte MilleniumKid im Rahmen der „schwerelos“-Tour Halt im Hirsch in Nürnberg.

Den Abend eröffnete Serpentin, die das Publikum gekonnt auf den Hauptact einstimmte. Mit ihrer rauen, markanten Stimme gelang es der Künstlerin aus Berlin schnell, die Aufmerksamkeit der Zuschauerinnen und Zuschauer auf sich zu ziehen. Nach einer längeren Bühnenpause, die sie aufgrund eines Burnouts einlegen musste, stand sie in Nürnberg erst zum zweiten Mal seit ihrer Rückkehr wieder als Support-Act auf der Bühne.

Musikalisch bewegt sich Serpentin zwischen Indie- und Elektropop, geprägt von treibenden Synthesizern, tiefen Bässen und einer eindringlichen Stimme. Mit ihrer sympathischen Art und spürbarer Freude am Auftreten wirkte es, als wäre sie nie weg gewesen. Besonders beeindruckend war dabei ihr offener Umgang mit ihrer Erkrankung. Zwischen den Songs sprach sie ehrlich über ihre Erfahrungen und machte ihrem Publikum Mut, Hilfe anzunehmen und Fehler zu akzeptieren. Passend dazu kündigte sie den Song „Koks auf der Zung“ an. Definitiv eine Botschaft, die an diesem Abend spürbar bei vielen Menschen im Saal ankam.

Umso schöner war es zu sehen, dass sie wieder auf der Bühne steht und sichtbar Freude an der Musik hat. Bereits für Anfang des kommenden Jahres hat Serpentin zudem eine eigene Tour angekündigt. Nach diesem überzeugenden Auftritt in Nürnberg dürfte sie bei vielen Konzertbesucheri:nnen bereits auf der Liste der nächsten Konzertbesuche stehen, so auch auf jeden Fall bei mir.

Nur kurze Zeit später füllte sich die Halle spürbar. Das Licht wurde gedimmt, dichter Nebel hüllte die Bühne ein und die Spannung im Publikum stieg. Während des Intros betrat MilleniumKid schließlich die Bühne und wurde von lautem Jubel empfangen.

Zwischen zahlreichen bekannten Songs nahm sich Frontsänger Yasin Sert immer wieder Zeit für persönliche Momente. So lud er die Fans ein, für einen Augenblick die Augen zu schließen und gemeinsam in eine andere Welt einzutauchen. Tatsächlich folgte ein großer Teil des Publikums seiner Bitte und lauschte einem neuen, bislang unveröffentlichten Song, der in einer ruhigen, beinahe akustischen Version mit zarten Instrumenten präsentiert wurde.

Doch nicht nur für neue Musik war Platz. Auch emotionale Themen fanden ihren Raum. Yasin Sert sprach offen über den Verlust geliebter Menschen und widmete einen Song all jenen, die nicht mehr bei uns sein können. Ein bewegender Moment, der die Halle für einige Minuten spürbar innehalten ließ.

Im Anschluss folgte mit „Flieder“ einer der bekanntesten Songs des Abends. Dabei zeigte Yasin sich sichtlich dankbar, überhaupt wieder auf der Bühne stehen zu können, insbesondere nachdem die Tour krankheitsbedingt zunächst verschoben werden musste.

Nach den nachdenklichen Tönen wechselte die Stimmung jedoch schnell. Spätestens bei „Schwerelos“ wurde getanzt, gesungen und gefeiert. Die ersten Versuche eines Moshpits verliefen zwar noch etwas zaghaft, doch beim nächsten Song funktionierte es deutlich besser und die Crowd machte begeistert mit.

Für einen der humorvollsten Momente des Abends sorgte ein Talentwettbewerb auf der Bühne. Zwei Freiwillige aus dem Publikum traten gegeneinander an. Der ungewöhnliche Hauptpreis: eine signierte Packung Spaghetti aus dem Tourbus. Am Ende gewann der Flickflack gegen das „Bizeps zeigen“ und die Gewinnerin nahm ihren kuriosen Pokal unter großem Applaus entgegen.

Den Abschluss bildete eine ausgedehnte Version von „vielleicht, vielleicht“. Die gesamte Halle sang jede Zeile lautstark mit und sorgte für einen kollektiven Gänsehautmoment. Ein würdiger Schlusspunkt eines Konzerts, das zwischen Melancholie, Dankbarkeit, Humor und ausgelassener Feierstimmung alle Facetten zeigte, die MilleniumKid ausmachen. Nach knapp zwei Stunden voller Emotionen, neuer Musik und unvergesslicher Momente blieb vor allem eines zurück: die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen.

// Text & Bilder: Annabel Bader //