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Nachbericht: Paula Carolina in der Münchner Muffathalle

Momentan ist die Indie-Pop/Alternative-Künstlerin Paula Carolina auf „Ich war hier“-Tour. Einen Nachbericht von dem Tourstopp in Erlangen haben wir euch hier bereits hochgeladen, ich durfte am 28.04. in München in der Muffathalle mit dabei sein und wollte euch davon erzählen.

Pünktlich um 20:00 startete die Band „Falschgeld“ ihr halbstündiges Set und schaffte es schnell, die Crowd zum Mitsingen und Tanzen zu bringen. Ein besonderer Moment war definitiv, als der Frontsänger gemeinsam mit einem Bandmitglied auf einer Gitarre spielte. Schmunzelnd erzählt er, dass er sich letztens in den Finger geschnitten habe und daraus diese Idee entstand. Begleitet wurden sie von ihren Bandmitgliedern, welche nun ihre eigentlichen Instrumente gegen Rasseln und Melodica tauschten. Nachdem kurzerhand eine Choreo zu „Schüttel dich“ einstudiert wurde, von der ganzen Halle getanzt wurde und einzelne Refrains schon auswendig mitgesungen wurden, war das Publikum wirklich bereit für Paula Carolina und rastete bei der Frage des Frontsängers „Habt ihr Bock auf Paula Carolina?“ nun richtig aus.

Mit dem passenden Song „Hallo Leute“ startete Paula nach einer kurzen Umbaupause nun endlich ihr Konzert. Mit einer Mischung aus älteren Liedern und welchen vom neuen Album schaffte sie es, die Stimmung hochzuhalten. Die eher junge Crowd war laut, textsicher, moshpitbereit und passend zum Albumnamen „wild“. Damit aber auch alle ihren Spaß haben können, erklärt Paula noch schnell die „Moshpit-Regeln“, bevor es dann endlich richtig losgeht.

Nach den ersten Liedern bittet die Künstlerin einen Fan auf die Bühne, welcher sich traut, den Titel des nächsten Songs „Immatrikulationsbescheinigung“ zu buchstabieren. Einige Hände gingen nach oben und Paula entschied sich für Regina, welche kurzerhand zusammen mit ihrer Verlobten auf der Bühne stand. Selbst wenn ihre Verlobte es schaffte, mit ihrer lustigen Art allen die Show zu stehlen, schaffte Regina es, das Wort fehlerfrei zu buchstabieren und bekam neben tosendem Applaus eine von Paula unterschriebene Immatrikulationsbescheinigung der Akademie des Lebens.

Für die nächsten Lieder schaffte Paula sich einen kleinen Perspektiv wechsel, setzte sich auf eine Erhöhung hinter ihrem Gitarristen Nikolaus und sang dort neben „Die Zecke“ und „Sex/Liebe“ zu aller Überraschung ein Tokio-Hotel-Cover von „Durch den Monsun“. Das Outro schmückte die Bassklarinette, gespielt vom Bassisten Charly, und führte nahtlos in das Intro meines persönlichen Paula-Carolina-Lieblingssongs „Angst frisst Demokratie“.

Die Sängerin zeigt sich authentisch und dankbar. Sie bedankt sich bei ihren Fans und ist sichtlich froh, all das erleben und mit ihnen teilen zu dürfen. Nun ruft sie dazu auf, zu diskutieren, mutig zu sein und mit Liebe dagegenzuhalten – gegen all den Hass und all das Chaos, das momentan in dieser Welt abgeht.

Schmunzelnd fügt sie hinzu, dass all dies manchmal wenig bringe und man sich sinnlose Gespräche mit Leuten fragwürdiger Meinung auch sparen dürfe. Dann helfe es manchmal nur zu sagen: „Ich wünsch dir auch noch einen schönen Tag, aber wo ist eigentlich der Bus?“ und stimmt damit das nächste Lied „Wo ist der Bus?“ an.

Nach einer Art Stopptanz zu „Hasipupsi“ gab es eine Hochzeit: Die Gitarrist*innen Caro und Nikolaus werden kurzerhand zu einer 12-saitigen Gitarre „verheiratet“, Paula wird zum Blumenmädchen, Seifenblasen kommen aus der Crowd und ein Fan fängt den Blumenstrauß.

Nachdem spätestens bei dem wohl bekanntesten Lied „Trophäe“ nun wirklich die komplette Halle gemeinsam sang, gab es zur Zugabe noch einmal ein Outfitwechsel. So trat die ganze Band in Warnwesten und Helmen auf die Bühne. Paula tauschte kurzzeitig ihr Mikrofon gegen eine leuchtende Motorsäge und zersägte zu „So ein Brett“ damit symbolisch das Patriarchat, welches von zwei Crewmitgliedern auf die Bühne gebracht wurde.

Mit den Liedern „Extra“ und „Schreien“ begann ihre Karriere, und an diesem Abend endet damit das Konzert.

Über den ganzen Abend hinweg zeigt sich Paula Carolina nahbar, dankbar und voller Energie. Immer wieder lacht sie, steckt das Publikum mit ihrer guten Laune an und macht deutlich, wie viel ihr dieser Abend bedeutet. Diese Stimmung überträgt sich sofort, die Crowd ist unfassbar wild, textsicher und von Anfang bis Ende voll dabei.

Besonders schön ist, wie sehr nicht nur sie selbst, sondern auch die Band im Fokus steht. Alle Mitglieder interagieren miteinander, bekommen ihre eigenen Momente und sogar Crew und Management finden ihren Platz auf der Bühne. Dadurch wirkt das Konzert nicht wie eine klassische Show, sondern eher wie ein gemeinsames Erlebnis.

Dass „Angst frisst Demokratie“ Teil der Setlist ist, setzt dabei ein wichtiges Zeichen und gibt dem Ganzen zusätzlich Gewicht. Auch die kleinen Hintergrundgeschichten zu den Songs machen den Abend persönlicher und lassen einen noch tiefer eintauchen.

Am Ende bleibt ein rundes Konzert, das sowohl musikalisch als auch emotional überzeugt. Und passend zum Tourtitel und Titel des allerletzten Song , welcher zum Abschluss gemeinsam mit Falschgeld performt wurde: Gut, dass Paula Carolina hier war – und gut, dass ich es auch war. Hoffentlich bald wieder.

// Text & Bilder: Annabel Bader //