Schreibschwein © David Häuser
Konfetti - Die Kolumne

Konfetti! Und außerdem … Insektenfreundlich

Ich war grade auf meinem Balkon. Solche Ausflüge sind aktuell möglich, was mich sehr freut, zerfiel man zuletzt doch beim Betreten desselben in Windeseile zu einem wimmernden Häufchen Asche; grad so, als sei Dracula persönlich versehentlich ins Sonnenlicht getreten. Südbalkon – des einen (Wüstenbewohner, Hautkrebsunbelehrbare, Masochisten) Freud, des anderen (ich, ich, ich) Leid. Ganz oben auf der Liste der Nachteile steht die Bepflanzung, zumindest wenn man nicht ausschließlich Sukkulenten, also Kaktusse, oder Dörrobst zur Zierde haben mag. Nach zehn floralbotanisch eher enttäuschenden Saisonen, in denen ich herausgefunden habe, dass nicht alles, was Sonne mag, auch Dauersonne mag, und nicht alles, was angeblich hitzebeständig ist, auch infernalischen Dauerheißbeschuss liebt, scheine ich momentan durch gärtnerisches Geschickt (und womöglich einen Hauch von Zufall) eine Pflanzenkomposition entdeckt zu haben, die mit allen ungünstigen Rahmenbedingungen klarkommt und fröhlich dauerblühend die Balkonkästen überwuchert. Freilich kommen wir auch dieses Jahr nicht ohne Learning aus, und das heißt in diesem Fall: Nicht alles, was „insektenfreundlich“ heißt, zieht Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und sonstiges flauschig-gefälliges Getier an. Folglich sirren und schwirren zwischen gelben Puscheln und pinker Pracht Milliarden winziger schwarzer Fliegen, die sich an Gott weiß was laben und des Lebens freuen. Ich beiße die Zähne zusammen – zum einen, um beim Betreten des Balkons nicht unfreiwillig eine schöne Portion Insekten wie ein Wal aufzuschaufeln. Zum anderen, weil ich ja natürlich weiß: Es gibt keine gute und schlechte Fauna, sondern nur gute, und jedes Tierchen hat einerseits sein Plaisierchen, andererseits seinen Nutzen in der Nahrungskette oder was weiß ich wo. Weil angeblich sehr gut geeignet für vollsonnige Balkone gegen Süden hin hab ich selbstverständlich längst probiert, auch hier meinem verklärten Hang zum Südbayerischen Rechnung zu tragen und den Balkon wie es sich in der Heimat gehört mit gigantischen Wolken farbexplosiver Geranien und Petunien zu schmücken, auf dass ein jeder, der unten vorbeigeht, beim Blick nach oben ein imponiertes Seufzen von sich gebe. Im Resultat hatte ich magere Stiele, an denen einsame Blüten tapfer vor sich hin dörrten, um schließlich geschwächt zu Boden zu fallen. Keine Spur von riesigen Blütenkissen, und nach dem dritten Versuch hab ich eingesehen, dass es mir einfach nicht gegeben ist. Zur Sicherheit war ich letzte Woche mal wieder im gelobten Land und hab mir zwischen Schlier- und Tegernsee noch einmal diese mutmaßlich bürgermeisterlich verordnete Pracht genauer angesehen. Meine Vermutung: Es bedarf eines hölzern-ziergeschnitzten Balkons, eines kapitalen Geweihs und einer ordentlichen Lüftlmalerei, um Geranien & Co. zur vollen Pracht zu bringen. Projekt fürs kommende Jahr steht also fest.

// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~