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Nachbericht: AnnenMayKantereit in der PSD Bank Arena

Die Fußball-WM läuft auf Hochtouren, in einem dramatischen K.O.-Spiel spielt England gegen Underdog DR Kongo. Aber in der ausverkauften Nürnberger Sportstätte PSD Bank Arena scheint Fußball am 01. Juli keine Rolle zu spielen.

Auf der Bühne steht Magda – eine sympathische Newcomerin aus Linz. Begleitet von einer Cellistin und einem Keyboarder performt sie eine Mischung aus Kammer-Pop und Chanson, aber erst bei ihrer letzten kompositorisch anspruchsvollen Nummer „Brich mich“ fokussiert sich das Publikum auf die österreichische Sängerin und Geigerin.

Denn der Abend gehört heute Anderen.

Kurz nach neun ist es so weit: Das Flaggschiff des deutschsprachigen Indie-Pop, das Kölner Trio AnnenMayKantereit, ist wieder auf Tour! Und alle hier sind Augenzeugen dieses historischen Auftakts.

Marie! Marie! Marie! – auf Ukulele begleitend singt Henning May – zweifellos die markanteste männliche Stimme der deutschen Rock- und Poplandschaft.

Gefühlt seit Ewigkeiten berühmt und trotzdem unverschämt jung aussehend schmeißen die ehemaligen Straßenmusiker Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit ihre altbewährten und neueren Hits in die Menge: von – Achtung höchste Mitsinggefahr! – „Vielleicht, Vielleicht“ bis zu smoothen „Lass es kreisen“.

Dann nimmt das Konzert eine interessante Wendung.  Auf der linken Seite der Bühne ist ein Studioraum-Set mit einem Drumkit, einem Sessel, einem „RECORDING“-Schild etc aufgebaut.

Von hier aus präsentiert das Trio, unterstützt durch Bassistin Sophie Chassée, neue Lieder eines kommenden Albums. Und ähnlich wie im Spiel England gegen DR Kongo sind die Chancen ungleich verteilt. 

Die neuen Lieder treffen eher auf eine skeptische Reaktion des Publikums, werden teilweise höflich abgewartet, bis die bekannten eingängigen Hits wie „Pocahontas“ oder „21, 22, 23“ – ab der zweiten Konzerthälfte durch drei Bläser bereichert – wieder die Arena zum Schwingen bringen. Leiser und gefühlvoll wird es bei „Ozean“, das von allen drei Protagonisten nur in Begleitung von akustischen Gitarren gesungen wird.

Ja, es ist ein ungleicher Kampf, für die Kenner aber ein nichtsdestoweniger interessanter! Denn die neuen Lieder sind anders. Vielseitig, nicht wirklich subtil und für die Band ungewöhnlich. 

Besonders die Nummer „Legende“ die bereits als Encore gesungen wird, hat das Potenzial, das Image der Band enorm zu erweitern. Plötzlich riecht es nach Rock’n’Roll und Oasis in Bestform.

Man hat jedoch keine Zeit, sich bewusst zu werden, dass man gerade die allererste Vorführung des nächsten großen Hits der sympathischen Band mit enormem Gefühl für musikalischen Geschmack und vor allem für Arrangements erlebt hat.

Denn danach kommt „Ausgehen“ – und die Euphorie der mittanzenden Fans kennt keine Grenzen mehr. Vielleicht ist es auch nicht verkehrt, dass die alten Lieder (noch) die Oberhand haben. Schließlich hat England an dem Abend auch gewonnen.

// Text: Andre Sokolanski / Bilder: Anna Ritter //