Eindruck

Festivalbericht: Weinturm Open Air

Eigentlich kann man bei Simon von Weheartmusic längst nicht mehr von einem „How Deep Is Your Love“-Gastautoren reden. Nicht nur deshalb schlagen wir vor, ihn hiermit – längst überfällig – offiziell willkommen zu heißen. Ohne freilich zu unterschlagen, dass er seine Beiträge auch weiterhin über Facebook unter Euch bringt und zwar hier: www.facebook.com/whrtmsc. So, auf zu dem worum es eigentlich geht:

WEINTURM OPEN AIR 2014

Dieses kleine, aber äußerst feine Festival findet etwas außerhalb der beschaulichen Kurstadt Bad Windsheim statt und lockt seit mittlerweile 37 Jahren die Jungen und Junggebliebenen aus nah und fern. Vom Hipster über den Althippie bis zu ganzen Familien findet man dort alles und jeden. Seit Jahren überzeugt das Weinturm Open Air durch sein breit gefächertes Musikprogramm und das Talent, genau die Bands auf die Bühne zu stellen, die in den nächsten Jahren groß rauskommen werden. Eine kleine Auswahl der letzten Jahre umfasst zum Beispiel KAKKMADDAFAKKA, Young Rebel Set, LaBrassBanda und sogar die Sportfreunde Stiller.

Doch kommen wir zu diesem Jahr. Das Wetter war gut, die angekündigten Bands steigerten die Vorfreude ins Unermessliche, es war Freitag, es war Feierabend, es ging ab nach Bad Windsheim.

TAG 1

Auf dem Festivalgelände angekommen, ging es erst mal zur Kleinturmbühne (die Nebenbühne für Kleinkunst etc). Dort strapazierten Sven van Thom und Martin Gotti Gottschild alias Tiere streicheln Menschen die Lachmuskeln und leider auch die Technik. Nachdem der erste Auftritt aufgrund andauernder Probleme mit dem Mikro abgebrochen werden musste, klappte der zweite von drei geplanten Auftritten wunderbar, unter anderem wurde ein ABBA-Medley zu Minimal-Techno-Beats dargeboten. Der dritte Auftritt musste aber leider wieder abgebrochen werden. Sehr schade, hatte mich schon auf die Dia-Show gefreut. Naja, da musste ich jetzt durch, gab ja noch mehr.

Tiere streicheln Menschen

Also ab zur Hauptbühne wo Käptn Peng & die Tentakel von Delphi bereits sehnlichst erwartet wurden. Nachdem sie bereits vor zwei Jahren den Weinturm gerockt hatten, war die Erwartungshaltung groß, wurde aber erfüllt. Es war zwar anders als damals, irgendwie viel verschwurbelter und wirrer, aber schon ziemlich geil. Man merkt, dass sich Käptn Peng weiterentwickelt hat, aber nicht zum Negativen!

Shaban feat. Käpn Peng

Danach kam mein persönlicher Favorit des ersten Tages: We Were Promised Jetpacks. Was soll man sagen, die Jungs aus Schottland wissen einfach, wie man verdammt guten Indierock macht. Ein bisschen erinnern sie an The Killers, nur ohne das ganze elektronische Brimborium. Einfach nur geil und der perfekte Abschluss des ersten Tages.

We Were Promised Jedpacks

TAG 2

Wir starteten unseren zweiten Weinturm-Tag bei strahlendem Sonnenschein und fast schon zu heißem Wetter mit der französischen Kombo Les Yeux D’la Tête. Ich kannte die nur flüchtig von Youtube und war direkt geflasht. Gute Stimmung, gute Musik. Richtig starker, tanzbarer Gipsy- & Balkan-Beat mit französischen Texten.

Les Yeux D´la Tete

Danach kamen meine Favoriten des Samstags, East Cameron Folkcore. Mit ihrer Mischung aus politischem Indierock und Folk erreichten sie vielleicht nicht den Großteil des Publikums, aber dennoch herrschte sehr gute Stimmung. Auch wenn das Bandset etwas zu kurz geplant war und durch ein paar Solo-Nummern aufgefüllt werden musste, war ich schwerst begeistert und hab mich danach gleich mal mit der aktuellen Scheibe ausgestattet.

East Cameron Folkcore2

Im Anschluss wurde es lateinamerikanisch. Monsieur Periné aus Kolumbien brachten den Berg endgültig zum Beben. Mit ihren mitreißenden Latino-Rhythmen schafften sie es, dass so gut wie jeder Besucher mit den Hüften wackelte. Fan-tas-tisch!

Monsieur Perine

Dann betraten Lee Fields & The Expressions die Bühne und brachten jede Menge Soul der alten Schule mit. Groovy, funky und natürlich mit einigem Sex-Appeal. Mal so richtig Old-School-Cool!

Lee Fields & The Expressions

Den Abschluss des Samstags bildete mit Blasted Mechanism eine portugiesische Kombo, die ihren Sound als „Rock-Stammesmusik für Außerirdische“ beschreibt. Und diese Beschreibung trifft mal zu 100% zu. Es werden zeitweise Erinnerungen an The Prodigy oder Massive Attack wach, die aber eigentlich mit dem nächsten Beat direkt wieder verworfen werden. Dazu noch die selbst kreierten Kostüme der Band. Ganz großes Kino!

Blasted Mechanism

TAG 3

Den Sonntag eröffneten für mich die großartigen AnnenMayKantereit. Ich kannte sie schon von ihrem Auftritt im Club Stereo und war gespannt, ob es wieder so gut wird. Was soll ich sagen, es war besser … Die Jungs hatten unglaublichen Spaß auf der Bühne und waren begeistert von der einzigartigen Atmosphäre des Weinturm-Plateaus. Diese Begeisterung übertrug sich direkt auf das Publikum, welches jedes Lied feierte. Nur als der letzte Song angekündigt wurde, gab es leichte Buhrufe, was Sänger Henning mit einem ironischen „Buhrufe sind lauter als Applaus!“ kommentierte. Nach einer letzten Zugabe durften die Jungs sich im Anschluss noch unter die Festivalmeute mischen und den Rest des Tages genießen.

Annenmaykantereit

Was kann nach so einem Konzert noch kommen? Will And The People! Eine etwas ungewöhnliche Mischung aus Reggae, Old-School-Ska und Alternative Rock, die aber unglaublich gut funktionierte. Das Publikum hatten sie ziemlich schnell für sich gewonnen und alles tanzte und feierte den Sound der fünf Jungs aus London. Als sie ihren Auftritt dann mit „Where is my mind“ von den Pixies abschlossen war klar, dass der Sonntag das Highlight eines tollen Festival-Wochenendes werden wird.

Will And The People

Danach wurde es wieder südeuropäischer. Txarango betraten die Bühne und fegten mit ihrem bombastischen Latino-Ska die Leute von den Socken. Alles tanzte, alles sprang, alles klatschte, alles war begeistert. Unglaublich gut und absolut empfehlenswert! Wenn man Barcelona bisher noch nicht mochte: Spätestens nach einem Konzert dieser Band MUSS man diese Stadt lieben!

Txarango

Die letzte Band des Festivals bildeten in diesem Jahr die Schweden von Wintergatan. Wie soll man den Sound dieser Band beschreiben? Experimentell, sphärisch, elektronisch, multi-instrumentell. Ich fand es einfach nur saumäßig genial! Mit teils selbst gebastelten Instrumenten gaben die Skandinavier sowohl mitreißende als auch entspannende Songs zum Besten. Traumhaft schön! Ich empfehle Euch, mal in „Starmachine2000″ reinzuhören.

Wintergatan

Noch bevor der aufkeimende Regen mein Festivalende ankündigte, ging es zum Auto und nach Hause. Begeistert, glücklich und mit jeder Menge guter Musik im Kopf. Nächstes Jahr bin ich sicher wieder am Start und freue mich jetzt schon auf die musikalischen Neuentdeckungen 2015.

/ Text & Bilder: Simon Strauss /

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