reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Adoleszenz

Die Adoleszenz, glaub ich einmal gelernt zu haben, ist diese arg diffuse Zeit zwischen „Ich darf mich noch auf den Boden werfen und schreien wenn ich den Lolli nicht krieg“ und … ja, also eben nicht mehr. Offiziell, schau ich lieber noch einmal nach, ist es der „Zeitraum von der späten Kindheit über die Pubertät bis hin zum vollen Erwachsensein“, und da würd ich einmal sagen, bis zum „vollen Erwachsensein“ hat der Mensch wie’s halt so geht gelegentlich Rückschläge zu erleiden. Oder Tiefpunkte. Es kann sein eine Scheidung vielleicht oder die Abkehr vom Lieblingsverein wegen Ruhmunreichheit, vielleicht muss eins auch einsehen, dass das ewige Talent nie gepflückt wird oder irgendwo ein anderer nicht Platz zum Nachrücken macht. Oder der persönliche Tiefpunkt in der Erwachsenenmenschwerdung lautet so: „ … ja und dann, Tochter, musst du dir auch langsam einmal überlegen, was du zum Essen mitnehmen möchtest.“ Und da hab ich grad nocheinmal genau nachgeschlagen im Brockhaus und gelesen, dass „unter anderem eine emotionale Unabhängigkeit von den Eltern entwickelt und eine Akzeptanz der eigenen Erscheinung erreicht (Phänotyp, Autonomie)“ werden soll, in der Adoleszenz. Und so wirst du ganz schnell wieder eingespurt auf deine Position. Weil es war so, dass ich mir einbild, ich tät einmal gern in einen Urlaub fahren. Und weil ich das zum allerersten Mal in meinem Leben mach, hab ich den großen Weis(s)en befragt ob er mich vielleicht ein bisschen unterstützen möchte. Nicht monetär, sondern mit der Weisheit eben. Sogleich hab ich in Windeseile eine Route ausgearbeitet bekommen mit allen Stops zum Wurstsemmelvorratauffrischen und wo eine Bodenwelle sein könnt oder auch ein Blitzer zum Vorherlieberbremsen und an welchem Ort der Kaffee um die Ecke günstiger ist als am großen Platz. Ich hab gehört welche Wege nur in meiner Welt funktionieren und in Echt dann aber doch gar nicht, wo man vorher was zu tun hätt um hinterher nicht blöd zu schauen. Es ging um Auslandskrankenschutz und ADAC, um Plastiktütenvorräte wegen Wetter und ob der Kühlschrank auch ganz sicher für 12 Volt, um was man vorher schon einmal ankündigen und am besten anschauen könnt wegen der Eventualitäten und Ausarbeitung von Plänen B bis F. Ich, ganz erwachsen, hab genickt und gehört und gelernt weil wie wir ja zum Beispiel auch aus der Stadtverwaltung kennen haben ältere Herren oder manchmal auch Frauen die schon lang auf der Welt umeinanderausprobieren immer recht und Neues ist gefährlich. Und dann aber eben das: „ … überlegen, was du dir zum Essen mitnehmen möchtest.“ –„ICH FAHR FEI NUR NACH ITALIEN!“, ist mir da ganz kurz die die Kontenangse ausgerutscht. „Soweit ich weiß ist das trotz aller aktuellen Entwicklungen selbst im Durchfahrtsland noch EU, und weder der Lidl noch der Hofer haben ihre Truppen abgezogen! Und es sind auch noch drei Wochen!“ Auf den Boden geworfen hab ich mich nicht. Aber … es sind ja noch drei Wochen. Ich adolesziere ganz entspannt vor mich hin.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~