reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Zeitfragen

Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm! Soweit, so einverstanden, aber wir kennen das mit der Regel und der Ausnahme, und deswegen gibt es schon die ein oder andere Frage, die man lieber nicht gestellt hätte, weil si tacuisses, philosophus mansisses. Hättest du halt lieber mal den Mund gehalten. Zu den eher nicht ganz so arg hintersinnigen Fragen, die man so stellen kann, find ich gehört zum Beispiel, wenn man jemanden seit 20 Jahren auf einer Zuhausefestnetznummer anruft und wenn der Zuhauseangerufene ans Zuhausetelefon geht ihn zu fragen: „Bist du zu Hause?“ Aber vielleicht ist sowas dann irgendwann auch schon einfach nur mehr ein Ritual. Zu so einem, obgleich sehr viel dringlicherem, sollte eine andere Frage bitte werden, weil die nimmt nämlich unter Umständen entscheidenden Einfluss auf Tages- oder Lebensläufe, Arbeits- oder gar Freundesbeziehungen. Nämlich zum Beispiel: „Was bedeutet für dich Nachmittag?“ ist eine superwichtige Frage, weil schau, machst du aus mit jemandem „Ich meld mich dann am Nachmittag mit Feedback wie es weitergeht!“ und dann meinst du damit aber die Zeitluke 17 Uhr bis 17 Uhr 10 weil das halt so ist bei dir, weil du gern länger schläfst und dann kommt Brunch und Lunch und Nickerchen und Spaziergang und dann ist dein Nachmittag eher nicht so lang wenn du um 18 Uhr zum Abendessen verabredet bist. Der andere aber denkt „Die einzig wahre Nachmittagszeit ist 15 Uhr, weil das war schon immer so!“, und dann ist Groll und Zorn und Auchmeinenstolz und Totstellen weil Nachmittagistlängstvorbei wenn um 17 Uhr das Telefon klingelt und schon wirst du nie erfahren dass du den Job ganz toll gemacht und später mit zum Abendessen eingeladen bist, dafür großer Frust. Demzufolge ist auch ein „Morgen Früh!“ ganz problematisch weil beispielsweise die Lichtgestalt hat schon seit 20 Jahren mit „Früh“ gemeint dass sie um 7 Uhr morgens anruft, natürlich auch an einem Sonntag, um wichtige Dinge wie Sonderangebot beim Feinkost Albrecht zu besprechen, derweil für mich das „7 Uhr“ noch mitten in der Nacht gelegen hat und „Früh“ eher um 10 Uhr begonnen hat. Also Streit, weil „WIE OFT KANN MAN DENN BITTE AUF ALLEN KANÄLEN ANRUFEN MITTEN IN DER NACHT? WENN JETZT NICHT MINDESTENS JEMAND GESTORBEN IST RAST ICH AUS!!“ – „Aber wir haben doch gesagt wir reden morgen also heute also jetzt wegen ob ich dir auch einen Kaffee …“ Und schon brechen Herzen. Weil so ein Zeitraum wie jetzt der besagte „Nachmittag“, so wie in „Ich schick das Sofa heute Nachmittag!“, da kann schon einmal eine Wunde klaffen von fünf Stunden. Wir brauchen einen Konsens. Vorschlag: Morgen = 6-9.30, Vormittag = 9.30-12, Mittag = 12-13.30, Nachmittag = 13.30-17, Abend = 17-20.15, Nacht = 20.15-6 Uhr. Ok? Wenn das klappt, können wir über Feintuning, später Vormittag und früher Abend sprechen. Und dann wird alles gut. Früher oder später.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~