Live / Musik

Konzertbericht: Slime im Hirsch

Am 30. November war die Punk-Band Slime aus Hamburg zu Gast im Nürnberger Hirsch. Bernd war für uns da und hat seine Eindrücke aufgeschrieben.


1979 gegründet, erfolgt 1983 mit dem Album „Alle gegen alle“ dann der erste kommerzielle Schlag. Neun Jahre später dann folgt „Viva La Muerte“ (übrigens produziert von Die Ärzte-Bassist Rodrigo Gonzales!), 1994 dann das wohl bekannteste Album „Schweineherbst“.

Nach 44 Jahren im Geschäft, zwei Bandauflösungen, zahlreichen Besetzungswechseln und acht Studioalben erfolgt der Knall – Sänger Diggn wird aus der Band geworfen. Warum, weiß keiner so genau, ist aber auch nicht wichtig für diesen Bericht.

Ey, wie die Zeit vergeht. Ein neuer Sommer kam und ging. Dieses Jahr ist alles anders.. (Slime – Heute nicht)

2021 dann der große Neustart mit dem ehemals wohnungslosen Tex Brasket als neuen Sänger. Slime ist zurück. Mit den Singles „Komm schon klar“ und „Heute nicht“, deren Text vom Leben auf der Straße handelt, wird der neue Ton der Band härter denn je. Kampf gegen „die da oben“, Ignoranz der Gesellschaft und der wachsende Rechtsruck waren schon immer ein Teil von Slime, sind hier aber nochmal deutlicher in den Vordergrund gerückt. Ihr Einfluss, vor allem im Punkbereich und in der linken Szene ist kaum wegzudenken, werden sie doch von WIZO, Broilers und Die Ärzte zitiert/gecovert. Selbst der eher indie/pop/rappige Casper zitierte Slime einmal („Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin“).

Die Hamburger Punkrock-Legende Slime gibt sich auf ihrer Tour zum aktuellen Album nun also die Ehre im fast ausverkauften Nürnberger Hirsch.

Support kommt von der female fronted Punkband „Erection“ aus Regensburg. Mit Songs wie „Rich B*tch“, „Sunday Morning“ oder „You hate me (but i like that)“ spielen sie gegen Patriarchat und Sexismus an. Weitere Highlights der Setlist waren „Queendom“ und „Nüchtern oder schüchtern“ (auf dem Album übrigens mit Feature von Archi Terrorgruppe! Sehr nice!). Nach eigener Aussage spielen sie Pssy-P*nis-Powerpunk. Aber wie hört sich das an? Rhythmus irgendwo zwischen den Ramones und Blondie, Ohrwurmcharakter wie anno dazumal bei Status Quo. Kann man gut hören, auch wenn man(n) davon keine Erektion bekommt. Sorry, der musste hier sein!

Kurze Umbaupause, dann klingen Sirenen und ein eher orchestrales Intro vom Band. Die Setlist wird mit „Komm schon klar“ eröffnet, danach mit „ACAB“ ein Ausflug ins erste Album von 1981. „Sie wollen wieder schießen dürfen“ ist ein Brandbrief gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, auch in der heutigen Zeit (leider) immer noch aktuell. „Lieben müssen“ könnte als Entschuldigung von Sänger Tex an frühere Bekannte/Freunde interpretiert werden. „Fickt euch alle“ ist eine Hymne auf Du-selbst-Sein. „Deutschland muss sterben“ und „Schweineherbst“ stehen als Kampfansage gegen Rechts. „Heute nicht“ und „Ebbe und Flut“ vom aktuellen Album werden gespielt, danach runden die ewigen Klassiker „Störtebeker“ und „Linke Spießer“ den Abend ab.

Slime sind zurück und es ist, als wären sie nie weggewesen.

// Text & Bilder: Bernd Jungwirth //