no angels

MABADEMO (Juli’15)

Bei mir versinkt momentan alles im Chaos. Der Grund: Ich ziehe um. Wie eine Wühlmaus arbeite ich mich durch meinen angesammelten Krimskrams und muss feststellen, dass ich echt ein Messie bin. Ich hebe wirklich auch jeden Mist auf, das muss sich ändern. Während ich alte Kisten mit Videos durchgehe (ein Hoch auf die Augsburger Puppenkiste mit Urmel aus dem Eis!) finde ich eine DVD mit viel Geschichte!

Im Jahr 2000 wurde zum ersten Mal im deutschen Fernsehen eine Castingband gesucht, und wie hieß dieses neue Format, das uns künftig noch viele weitere Bands mit Skandalen bringen sollte? Popstars! Ganz neu und fast revolutionär, und Detelf D! Soost war von Anfang an dabei.

Meine Erinnerungen sind sehr blass an die Zeit, doch irgendwie bilde ich mir ein, dass ich Teile der Sendung damals sehen durfte. Wahrscheinlich bis zur ersten Werbepause und dann war Schluss. Die nächste Erinnerung, die dann sehr präsent ist, ist, wie ich mit meinen Eltern in einer Musikabteilung stehe und mich ein Werbeständer mit dem Debütalbum der „No Angels“ anlächelt. Wie kleine Mädels eben so sind, fand ich die Frauen total hübsch und super gut angezogen und wollte unbedingt das Album haben. Was sich meine Eltern bloß gedacht haben, als sie mir es gekauft haben? Die musikalische Früherziehung ging da mal mächtig in die Hose.

An die Minute, in der ich es zum ersten Mal gehört habe, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, aber so wie ich mich kenne, muss es Klick gemacht haben und ich hatte eine Lieblingsband. Die Kindergartenfreundinnen wurden gleich mit angesteckt und so wurden die Nachmittage damit verbracht „Daylight In Your Eyes“ zu hören. Kam ein neues Album raus, lief es bei mir auch schon im CD Player.

Die Eltern trennten sich, doch die No Angels blieben! Mein Geburtstag stand vor der Tür und der neue Partner an der Seite meiner Mutter war auf der Suche nach dem ultimativen Geschenk und so kam meine Mutter auf die grandiose Idee, dass er mir doch die No Angels DVD mit allen Musikvideos schenken soll. Ein paar Wochen vor dem Geburtstag war ich mit meiner Mutter alleine und sie wollte, dass ich irgendwas für sie hole. Fragt mich nicht wieso, aber ich schaute im Kleiderschrank bei den Socken nach und was ich da fand, brachte mich ganz aus dem Häuschen. DIE NO ANGELS DVD!!!! Die ganze Überraschung war kaputt und aus der Not heraus redete meine Mutter auf mich ein, dass ich die DVD sofort wieder zurück legen und am Geburtstag sehr überrascht sein sollte. Ihr könnt euch vorstellen, dass das die härtesten Wochen meines jungen Lebens waren. Natürlich war ich total überrascht und habe mich riesig gefreut, als ich DVD in den Händen hielt – zum zweiten Mal.

Dieses Geheimnis blieb zwischen meiner Mutter und mir für fast zehn Jahre. Letztens sind wir dann wieder durch Zufall darauf gekommen und erzählten die Socken-Geschichte. Ich kann darüber nur herzlich lachen, doch der Freund war wirklich ahnungslos. Er dachte, meine Freude war damals echt … Noch größer war der Schock, als er erfuhr, dass ich da die No Angels gar nicht mal mehr so toll fand. Armer Kerl.

Tja und jetzt habe ich da diese No Angels DVD wieder gefunden, auch gleich mal wieder reingeschaut und musste feststellen, in meiner Erinnerung waren sie besser … Hach, diese Klamotten, die sie damals anhatten. Puha … interessanter Stil. So war das eben Anfang 2000. Und trotzdem – auch wenn die Musik nicht überragend ist und ich sie jetzt nicht gleich wieder Tag und Nacht hören werde, sind es eben die No Angels, meine erste Lieblingsband. Habe auch alle Alben in der Originalbesetzung, doch als sie sich trennten, hörte mein Fan-Dasein auch schon auf. Ihr Swing Album hat aber etwas …

Ich singe jetzt noch ein bisschen „Daylight In Your Eyes“ und „There Must Be An Angel“ vor mich hin und nerve alle in meiner Umgebung damit.

// Matilda Pfeil //