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Festivalbericht: Spot Festival

Das dänische Club- und Showcasefestival findet in der Unistadt Aarhus statt und fokussiert vor allem Künstler aus Dänemark, die sich den Besuchern und der vielzählig anwesenden Musikindustrie vorstellen. Für uns waren unsere Blog Buddies vom „Soundkartell“ vor Ort und haben einen supertollen, superlangen Bericht geschrieben, der zum Entdecken neuer Bands nur so einlädt. Bitteschön:

TAG 1
Endlich ist es soweit. Es geht los nach Dänemark. Die nächsten Stunden sitzen wir stundenlang im Bus von Köln nach Aarhus, doch wir freuen uns schon riesig darauf, abends dänische Luft atmen können. Für uns ging die Reise gestern von Karlsruhe nach Köln mit dem Fernbus los. Heute morgen dann mit dem offiziellen Spot-Bus von Köln direkt nach Aarhus. Eine spannende Busfahrt. Nicht nur weil in dem Bus viele kreative und für das Musikbusiness wichtige Menschen saßen, sondern auch, weil das einem Roadtrip nach Dänemark gleichkam.

Heute Abend ging es mit dem offiziellen Opening für die Presse los. Wie letztes Jahr auch findet hier u.a. der erste musikalische Kontakt mit dem Festival statt. Aber es gibt auch das erste Festivalbier und irgendwie waren wir einfach nur glücklich, dass wir wohlbehalten hier stehen durften. Ab morgen früh geht es für uns, also Alina und mich dann los. Wir lassen uns einfach mal treiben und schauen, wohin es uns verschlägt. Auf dem Zettel stehen: Asbjörn, Rangleklods, Kentaur, QNDA, Meadows Ever Bleeding, Pool, Slaughter Beach, Benal, BUDTZ, The Boy That Got Away, Patrick Dorgan und viele viele mehr!

Aber wir wollen dieses Mal auch vermehrt zu Seminaren gehen. Mal sehen, welchen Input wir dort bekommen. Neu ist auch das „Spot +“. Das soll angeblich ein etwas „exklusiverer“ Treffpunkt sein, damit wir, die „delegated people“, uns vernetzen können. Das Essen kostet aber auch hier über 20,-€. Heißt für uns, dass wir ganz einfach zum Supermarkt gegenüber laufen und uns mit Genussmitteln versorgen werden.

Neu ist für uns auch die Unterkunft. Die liegt dieses Mal tollerweise mitten in der Innenstadt in Gestalt eines Appartements mit Meerblick. Wo bekommt man so etwas schon mal geboten?

Zwar kamen wir erst verspätet gegen 22.00 Uhr an, aber die Akkreditierung klappte reibungslos und wir gingen noch schnell ins Radar, um Heimatt zu sehen. 30 Minuten, die sich gelohnt haben.

TAG 2
Unser Tag begann heute etwas verspätet um 11.00 Uhr in der „Spot + Area“ mit der offiziellen Begrüßung und noch nachträglichem Frühstück. Danach zog es uns gleich ins Playground. Dort haben Over & Aude ein wirklich tolles Showcase auf die Beine gestellt. Nach Heimatt durften wie Keep Camping als zweite Live-Band des Festivals erleben. Die Konzerte gingen ratzfatz und so folgten The Boy That Got Away. Die Dänen klingen wie die Foo Fighters, und mit der gesamten Band haben wir uns dann auch noch sehr nett über ihre Musik unterhalten.

Danach ging es für uns in den „Spot +“ – Bereich, wo wir etwas gechillt haben. Dafür hieß es dann gleich auf zum ersten Interview mit The Chairman, einem wirklich sehr sympathischen Soul-Pop Sänger, der morgen, am Samstag um 22.30 Uhr sein Konzert geben wird. Direkt danach ging es weiter in ein Kaffee namens LYNfabrikken. Dort hatten unsere Kollegen von Good Because Danish ein wirklich tolles Off-Spot Event organisiert, u.a. mit Ida Gard.

Um ca. 16.45Uhr gab es dann im SCC Minor D/troit zu sehen, eine Art Blues-Rock Band mit einem äußerst zappeligen Sänger. Aber klang wirklich nach Detroit irgendwie. Für uns waren bis jetzt nicht so die wahnsinnigen Highlights an Live-Musik dabei. Doch es ging für uns mit einem Interview weiter- das dritte heute und ziemlich anstrengend. The Cabin Project, ein tolles Bandprojekt von Marie und Kira.

Unser erster Eindruck bisher: Wow! Sauber. So macht Festival Spaß! Freies unkompliziertes W-Lan und nette Leute an jeder Ecke. Das bestätigte sich dann auch so im Headquarters mit Dance With Dirt. Eine ziemlich laute, vielleicht auch zu laute Band aus Aarhus. Da passte aber die Location nicht so richtig. Zu klein und der Sound zu wuchtig für die Location. Und zwar so, dass wir zum ersten Mal unbedingt unsere Ohropax brauchten.

Nach drei Interviews, zwölf Stunden Busfahrt, ein paar Royal-Bier (fünf-plus-x … ), vielen gelaufenen Kilometern und großem Hunger mussten wir nun mal etwas Pause machen.

Es war in etwa 21:40 Uhr, als wir uns auf ein paar Minuten zu Who Killed Bambi und dann zu For Akia aufmachten. Die hatten kurz vor ihrem Gig bei Sony Music unterschrieben und haben wie letztes Jahr auch schon eine astreine Indie-Show abgelegt. Begeisterung!

Ach ja, da war noch dieser Asbjørn . Warum auch immer, wir hatten hier schon im Vorfeld Zweifel und die haben sich dann auch um exakt 23:46:34 Uhr bestätigt. Selten war ein Künstler so schnell unten durch und wir mussten nach zehn Minuten und gefühlten 30 Minuten Selfie-Dance die Location Radar fluchtartig verlassen. Dass dann noch mindestens nochmal so viele draußen auf ihren Einlass warteten wie drinnen dicht gedrängt vor der Bühne, schien uns unlogisch, unrealistisch, unfair. Für uns galt: nie wieder Asbjørn. Nie nie wieder!

Zum Absch(l)uss eine absolut geile Schrantz-Trap-Party. Schon lustig, zu was Leute ernsthaft abgehen können … Aber ganz ehrlich, das, was in diesem „Dome-Zelt“ passierte, bleibt unter uns …

Gute Nacht Spot. Bis morgen früh zum Brunch.

TAG 3
Der Tag begann mit einem Brunch. Die Kollgen von Believe Digital, die uns seit drei Jahren treu mit ihrer guten Musik bemustern, haben zum Brunch geladen. Das ließen sich die meisten „Delegates“ natürlich nicht nehmen und so fanden wir um 11:00 Uhr schon ein ziemlich geplündertes Buffet vor. Gestärkt mit leckerem Brot, Käse, Saft und Marmelade ging es rüber zum Brunch Nummer 2. Hier hatten Heartbeats in die Voxhall eingeladen. Das Buffet wurde in dem wirklich schnuckeligen Café nochmal übertroffen und so konnten wir bei bestem Wetter gestärkt in den doch stressigen Tag starten.

Auf dem Plan stand ein erstes Interview mit den vier jungen sympathischen Jungs von Magnolia Shoals. Die hatten uns einiges zu erzählen und machten uns auch auf ihre später stattfindende Show im Freien heiß, die wir ziemlich gut fanden. Dann ging es runter ins Headquarters zu The Radar Post. Hier erwartete uns wider Erwarten eher Indie-Rock. Doch wirklich toll und gut arrangiert! Auch so funktionierte die Location Headquarters.

Nach einer kurzen Pause ging es ins Musikhuset in den Store Sal. Dort erwartete uns das wohl beste Konzert des Festivals. CANCER boten in 30 Minuten unglaubliche Kompositionen und Arrangements. So einen Sound gibt es nur ein Mal und wir hatten den Eindruck, dass alle Zuhörer im Saal – der übrigens brechend voll war – baff waren.

Ohne Worte und einfach nur mit einem großen und lauten „Wow“ hieß die nächste Station Rhytmisk Sal im Musikhuset, wo wir auf Júníus Meyvant trafen. Mit „Color Decay“ kennen wir einen seiner Songs und waren aber überrascht, dass die Streicher wohl im Vorfeld produziert wurden. Es war nur etwas verwirrend, Streicher zu hören, ohne sie zu sehen. Der Isländer bot hier auch wirklich tolle Kompositionen und kreierte eine sehr dichte und emotionale Stimmung.

Nachdem uns im Anschluss Meadows Ever Bleeding mit ihrem Songwriting und der Stimmung im Radar geradezu geflashed hatten, knüpften Pool aus Hamburg an die intensive Stimmung an. Für uns ist Pool eine der besten Indie-Pop Bands Deutschlands und das haben sie am Samstagabend deutlich unter Beweis gestellt. Nicht nur, weil wir die Band seit ihren Anfängen 2012 und ihrem Gig beim Reeperbahn Festival kennen und eine deutliche Entwicklung wahrnehmen konnten. Sondern auch, weil wir miterleben durften wie die Band das Publikum mitreißt. Ein bisschen mehr Interaktion mit dem Publikum wäre allerdings wünschenswert.

Für uns hieß es dann erst mal: ab nach Hause und was essen! Für uns war der nächste Act klar: Benal. Schade war hingegen, dass wir Rangleklods verpasst haben. Benal waren im neuen Dome zu Gast und brachten diesen mit ihren Beats und Vocals zum Beben. Auch wenn wir Dänisch nicht verstehen, was uns sowas von egal war.

Danach wollten wir eigentlich zu Wangel, doch da hatten wir keine Chance mehr, reinzukommen. Zu voll die Location. Aber wir haben uns sagen lassen, dass die Show fantastisch gewesen sein muss. Zwei der wohl besten elektronischen Entdeckungen sollten heute Nacht mit AV AV AV und Unkwon noch folgen. Beide haben uns wirklich sehr gut gefallen.

Für uns war Unkwon der letzte Act des Festivals und auch ein rühmlicher Abschluss der wirklich tollen Tage in Aarhus. Auch dieses Jahr hat uns das dänische Städtchen wieder herzlichst aufgenommen. Es passte so gut wie alles. Einzig und allein der Außenbereich, der für die Öffentlichkeit zugänglich war, wurde eher schlecht umgesetzt. Denn letztes Jahr war der Bereich deutlich angenehmer und auch Band-freundlicher arrangiert.

Wir sagen tak!

Niklas & Alina von SOUNDKARTELL

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