Sizarr01

Gefragt: Sizarr

Ich habe am Sonntag (12.04.) bewusst den Frankentatort geschwänzt und habe mir stattdessen lieber Sizarr angeschaut. Denn den Tatort kann man sich ja immer noch in der Mediathek anschauen.

Nun gut, da bin ich also an diesem schönen sonnigen Sonntag schon etwas früher da, denn ich bin mit Sizarr zum Interview verabredet und weil die drei schwer beliebt sind, hab ich mir Philipp geschnappt und wir haben uns raus in die Sonne gesetzt. Zusammen haben wir die Jahre 2012 bis 2015 nochmal erlebt und über ihr Debütalbum, ihr neues Album „Nuture“ und darüber geredet, ob Musikvideos überhaupt noch wichtig. Aber lest am besten selbst:

hdiyl: Die erste Frage beginnt im Jahr 2012 mit eurem Debütalbum „Psycho Boy Happy“. Ich wurde auf euch aufmerksam, als Casper damals twitterte, dass Sizarr eine richtig coole Band sei, die man sich mal anhören muss. Hat euch das damals gefreut?
Philipp: Das war absurd. Wir wussten schon vorher, dass er uns ganz cool findet, wir haben ihn davor auch schon öfter getroffen. Das witzige daran ist, dass wenn ein Casper sowas schreibt, kommen danach viele andere, die dasselbe sagen. Aber klar, sowas freut uns schon.

hdiyl: Wie seid ihr damals dann mit dem ganzen Trubel um euch umgegangen? In Bezug auf das Debütalbum und jetzt auf euer aktuelles Album „Nurture“?
Philipp: Bei uns ging es ja schon relativ früh los mit der Aufmerksamkeit und das obwohl es von uns ja noch nicht viel gab. Schon 2010 haben wir in München auf dem on3 Festival (A.d.R.: jetzt PULS Festival) gespielt und dort „Boarding Time“ in einer Version aufgenommen, die es so noch gar nicht gab. Wir hatten noch gar keinen richtigen Text dafür und haben kauderwelsch gesungen. Das Video dazu ist relativ viel kursiert und im Januar 2011 waren wir in allen Musikheften und sogar in der Süddeutschen Zeitung und bei Spiegel Online auf „Bands to Watch 2011“ Listen. Zu der Zeit sind wir noch zur Schule gegangen und wir dachten uns „lass uns mal ein Album machen“. Letztendlich haben 2011 schon viele auf ein Album gewartet, aber wir kamen erst 2012 dazu. Bevor das Album rauskam, sind schon Leute auf uns aufmerksam geworden und wir haben auf Festivals gespielt, ohne etwas veröffentlicht zu haben. Ich glaube, als das Album dann erschienen ist, war das für uns nicht die riesen Veränderung. Es fragen uns manchmal Leute, wie es für uns ist und wie wir mit dem Erfolg umgehen. Wir machen einfach genauso weiter wie die ganze Zeit und für uns fühlt es sich nicht so an, als wären wir mega erfolgreich. Wir kriegen gutes Feedback und sind damit zufrieden, wo wir stehen. Der ganze Trubel ist uns zu egal, als das uns das über den Kopf wachsen könnte.

hdiyl: Das heißt, dieser bekannte Druck, den Bands oft verspüren wenn das Debütalbum erfolgreich war und am Nachfolger arbeiten, habt ihr gar nicht so empfunden?
Philipp: Ich glaube den spürt man immer. Vor allem im Nachhinein. Währenddessen wollten wir uns selbst gerecht werden. Für uns war das erste Album kein musikalischer Maßstab. Wir wollten einfach ein gutes zweites Album machen, was uns zu dem Entstehungszeitpunkt und ein halbes Jahr später, wenn es erscheint, gefällt. So sind wir an die Sache rangegangen ohne zu schauen, was wir damals gemacht haben und was funktioniert hat.

hdiyl: Ihr habt ja bei beiden Alben mit dem gleichen Team /Produzent zusammengearbeitet. Würdet ihr für das dritte Album mal etwas Neues ausprobieren?
Philipp: Wir gehen demnächst auf eine Studioreise und genau da werden wir das ausprobieren. Wir brauchen auch momentan super lange mit dem Songs schreiben und eigentlich ist es noch total inoffiziell, aber ich erzähle dir das jetzt einfach mal! Wir müssen Songs schreiben und arbeiten mit anderen Leuten zusammen. Wir springen da ins kalte Wasser. Das bereitet uns auch Kopfzerbrechen, aber irgendwie wird das schon funktionieren. Ich freue mich darauf, weil, wie du es schon gesagt hast, arbeitet man auch mal mit neuen Leuten zusammen. An das nächste Album denken wir noch gar nicht. Jetzt steht erst mal die Studioreise an und dann möchte jeder von uns noch Sachen machen. Gerade deshalb, weil wir die letzten fünf Jahre immer im gleichen Umfeld gearbeitet haben, ist es spannend mal etwas Neues auszuprobieren.

hdiyl: Seid ihr dann Perfektionisten was eure Musik angeht? Steht euch das vielleicht auch manchmal im Weg und ihr arbeitet so lange an einem Song und am Ende kann er gar nicht mehr besser werden? Ist das euch auch beim zweiten Album passiert?
Philipp: Auf jeden Fall! Man steht sich immer irgendwie im Weg und ist sich dessen im Moment nicht bewusst. Wir sind drei Typen, die ihren eigenen Kopf haben und dann kam noch Markus, unser Produzent, mit ins Spiel, der auch seine Meinung hat. Dementsprechend reden wir lange über Sachen und vielleicht manchmal zu lang. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, dass wir es machen, wenn jemand auf eine Idee kommt und die in den Raum geworfen wird. Dann wird es schwierig, aber sowas passiert manchmal eben. Vor allem, wenn es über so einen langen Zeitraum geht, indem das Album entsteht. Das waren jetzt gut zwei Jahre. Irgendwann verliert man den Bezug und muss ihn zurückgewinnen.

hdiyl: Nun zu einem anderen Thema: Eure Musikvideos. Ich finde sie sehen immer besonders und aufwendig aus, besonders euer neustes zu „Baggage Man“. Entwickelt ihr selber die Ideen oder arbeitet ihr mit jemandem zusammen, der euch weiterhilft?
Philipp: Mit den Musikvideos ist es teils teils, mal kommt die Idee von uns, mal von anderen. Wir lassen uns da auch zuspielen (lacht). Beim ersten Album hatten wir drei Musikvideos: „Run Dry“, „Purple Fried“ und „Boarding Time“. Für „Purple Fried“ und „Boarding Time“ kamen die Ideen von uns, die dann umgesetzt wurden. Teilweise gut, teilweise waren sie etwas am Ziel vorbei. Für „Run Dry“ haben wir es zum ersten Mal aus der Hand gegeben und das war damals auch ganz gut. Das ist wie mit der Musik. Wenn man es sich jetzt anschaut, denkt man sich „hmm ja, ok.“ (lacht). Jetzt für das neue Album hatten wir das Glück mit der Bildundtonfabrik, einer Produktionsfirma aus Köln (A.d.R. produzieren unter anderem das Neo Magazin Royale) zu arbeiten. Speziell mit Philipp Käßbohrer, den wir kannten, weil er auch Get Well Soon Videos produziert hat. Dieses Mal hat es geklappt, dass wir alle Zeit hatten. Wir hatten das Gefühl, wir haben eine Idee und er versteht sie visuell und konzeptionell und bringt noch eigene Ideen mit ein. Sodass wir das Gefühl hatten, wir können das Ganze aus der Hand geben, ohne das es in die Hose geht. Die Idee zu „Scooter Accident“ hatten wir ziemlich früh, „Timesick“ war auch eine Idee von uns. Allerdings hatten wir die Grundidee, die wurde dann ausgearbeitet. Es ist krass, was die Bildundtonfabrik in zwei bis drei Tagen aufbauen können.

hdiyl: Findet ihr, dass Musikvideos heutzutage noch relevant sind? Lohnt sich der Aufwand, der dahinter steckt noch? Denkt ihr, dass sich die Leute die Videos mit dem Blick anschauen, mit dem sie sich das auch anschauen sollen und auch den Aufwand dahinter sehen oder es einfach nur im Hintergrund laufen lassen?
Philipp: Ich glaube, dass ist wieder teils teils. Es gibt Songs, die höre ich nur, weil das Musikvideo dazu sehr gut ist bzw. deswegen bin ich auf die Musik aufmerksam geworden. Das ist ja eigentlich das Ziel eines Musikvideos: Jeder will es und es ist auch immer Thema. Nach dem Motto: „Wir brauchen irgendetwas, was viral abgeht.“ Das ist genauso mit den Hits. Es funktioniert nicht, dass man einfach mal so einen Hit schreibt (lacht). Uns war es immer wichtig, visuell etwas Schönes zu machen und die Musik, die wir machen, angemessen zu transportieren. Musikvideos sind eine teure Angelegenheit. Ich bin da immer zwiegespalten. Es ist immer ganz witzig, Musikvideos zu machen und mit einem großen Team zu arbeiten, und am Ende kommt etwas wie das 3D-Video raus. Wenn man sich überlegt, wie viel Geld das kostet, im Verhältnis zu dem, was es kosten darf die Musik zu machen, ist es sehr viel und ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es gehört eben zu dem Ganzen dazu.

hdiyl: Wieder ein Themawechsel. Ihr seid auf Facebook oder Instagram, allgemein in den sozialen Netzwerken nicht so omnipräsent wie manch andere Bands. Ist es bewusst von euch ausgewählt, dass wenn euch auf Facebook sieht oder man den Namen Sizarr hört als erstes an die Musik denkt und nicht daran, dass ihr die Band seid, die so tolle Bilder immer postet?
Philipp: Ich glaube, wir sind einfach schlecht darin. Wir wären gerne präsenter. Wir fotografieren uns nicht den ganzen Tag bzw. haben auch keinen dabei, der das übernehmen könnte. Ich suche auch ständig nach Bildern, die man posten könnte (lacht). Vielleicht wäre es besser, wenn wir es mehr machen würden. Das ist genauso ein Thema, über das ich mir manchmal den Kopf zerbreche. Ich möchte mir eigentlich nicht über Social Media so einen großen Kopf machen, wie über die Musik. Es ist ein Teil des Ganzen und muss passieren. Es ist von uns keine bewusste Entscheidung, dass wir nicht so präsent sind. Es ist eher…
hdiyl: … aus der Not heraus?
Philipp: Genau, wir sind einfach nicht gut genug.
hdiyl: Ihr könntet ja einfach jemanden einstellen, der das für euch übernimmt und euch fotografiert.
Philipp: Ja, nur das kostet wieder Geld. Andere machen das vielleicht. Das ist auch ziemlich schlau. Es ist witzig, dass du das fragst, wir denken da schon oft darüber nach.
hdiyl: Habe ich wohl den Stein ins Rollen gebracht?
Philipp: Es ist immer ein Zwiespalt. Wir könnten einen Freund mitnehmen, der das für uns übernimmt, auf der anderen Seite möchten wir gar nicht, dass es uns so wichtig ist. Klar wollen wir, dass visuell alles gut aussieht. Andererseits wollen wir Musik machen, die ankommt.
hdiyl: Am Ende muss es ja zu euch passen.
Philipp: Genau, das ist immer so ein schmaler Grat. Was muss man dafür machen, damit es ankommt? Gehört heutzutage eben dazu.

hdiyl: Wie sieht euer Festivalsommer aus? Was ist denn geplant?
Philipp: Das ist noch relativ überschaubar. Wir spielen in Dortmund beim Way Back When Festival und auf dem Maifeld Derby in Mannheim zum zweiten oder dritten Mal. Ich weiß es gerade nicht. Super Festival auf jeden Fall (lacht). Dann Melt! zum vierten Mal schon und Appeltree Garden.
hdiyl: Echt zum vierten Mal schon?
Philipp: Ja. Modular in Augsburg, das ist hier in der Nähe oder?
hdiyl: Ja, ist ganz gut erreichbar.
Philipp: Dockville in Hamburg steht noch an und irgendeins vergesse ich gerade noch. Es ist gut überschaubar bei uns. Was ich aber auch ganz entspannend und gut finde.

hdiyl: Stimmt, dann habt ihr noch was vom Sommer. Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage! Was ist denn momentan dein Lieblingslied oder Album?
Philipp: Mein Lieblingsalbum kommt von Rob Jacobs mit „Rob Jacobs“ und meinen Lieblingssong darauf kann ich dir auch sagen: „Walking Outside And It’s Dark“. Das gibt es auf Bandcamp. Ein super Album jedenfalls!

Ich möchte mich noch mal bei Philipp von Sizarr für das Interview bedanken!

Ihr Konzert letztes Jahr im Juli in der Katharinenruine war mit mein erster Konzertbericht hier auf HDIYL und das nasseste Konzert auf dem ich war, aber das habe ich ja schon öfter Mal erwähnt.

Ich habe mich sehr auf ihr Konzert im club stereo gefreut, weil ein Konzert von den dreien geht einfach immer! Ihre Songs haben, wenn sie live gespielt werden, immer noch mal etwas Besonderes und klingen immer anders als auf dem Album. Sie packen einen und lassen einen vergessen, dass es zum Beispiel in dem Moment sehr warm ist oder es eben regnet. Wen stört das dann schon, wenn die Musik gut ist? Sie spricht für sich selber und es braucht keine großen Zwischenansagen. Doch wenn kleine technische Störungen auftreten, dann erzählt Fabian einfach mal etwas. Wie zum Beispiel, dass er eigentlich nicht so lustig ist oder dass Nürnberg das dritte ausverkaufte Konzert hintereinander ist und das eben obwohl gleichzeitig auch noch der Frankentatort lief. Tja, das Sizarr Publikum kann eben gut Prioritäten setzen!

Eine negative Anmerkung habe ich dann doch noch. „Word Up“, einer meiner Favoriten, musste leider den neuen Liedern weichen. Schade eigentlich, auf das hatte mich mit am meisten gefreut. Vielleicht ist es bei meinem nächsten Konzertbesuch wieder im Programm…

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/Text: Matilda Pfeil/ Bilder: Klein & West /