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Konzertbericht: Heisskalt beim Konzert mit Freunden

Von Frederik Hahn

Wenn man zum vierten Mal auf das Konzert einer Band geht, liegen die Erwartungen verständlicherweise sehr hoch. Man kennt die Songs und die Bühnenperformance, so dass es passieren könnte, dass aus dem Erlebnis „Konzert“ schnell eine langweilige Angelegenheit wird.

Doch nicht so bei Heisskalt, einer Stuttgarter Band, die bei einem Unterlabel von Chimperator (Cro, Die Orsons) gesignet ist. Möglich gemacht durch ihre natürliche, umwerfend publikumsnahe und vor Energie strotzende Art kann auch ein viertes Konzert dieser Gruppe ein Erlebnis werden.

Zwar wurde Anfang des Jahres bekannt gegeben, dass man 2015 keine große Tour spielen würde, was durchaus verständlich ist nach fast 50 Auftritten auf der großen, zweiteiligen „Vom Stehen und Fallen“-Tour im Jahr 2014. Doch ganz ohne ihre Fans können die Stuttgarter Jungs nicht, so beschrieben es Lucas Mayer (Bass) und Marius Bornmann (Schlagzeug, beide Heisskalt) das in unserem nach dem Konzert stattfindenden Interview. Deshalb entschieden sie sich, an vier Orten, die auf der Wintertour kein Konzert abbekommen hatten, jeweils ein Konzert mit zwei befreundeten Bands zu spielen. So reisten zum Konzert im Club Stereo in Nürnberg zudem noch die ebenfalls aus Stuttgart stammende Post-Hardcore Band An Early Cascade und die Münchener Blackout Problems an.

Es begannen An Early Cascade. Der kleine Club Stereo, der für diesen Abend längst ausverkauft gemeldet hatte, war schon ordentlich gefüllt. Ein ziemlich brachialer Sound war das, unter dem der Gesang von Frontmann Maik Czymara teilweise kaum mehr zu hören war. Trotzdem heizten An Early Cascade dem Publikum, das sich sehr begeisterungsfähig zeigte, ordentlich ein.

Nach einer kurzen Umbaupause kam die zweite Band des Abends auf die Bühne. Die Blackout Problems mit ihrer Musik, aus einer Mischung von Alternative Rock, Electro- und Metaleinflüssen, waren an der Reihe.

Was als allererstes ins Auge, oder viel mehr ins Ohr fiel, war die mit einem Schlag verbesserte Soundqualität. Schon der dritte Song des Sets war ein wahrer Knaller, denn „How The Fuck Should I Know?“ entstand mit dem Sänger von Heisskalt und so war es natürlich logisch, dass Matthias Bloech zu seinem Part mit auf die Bühne kam und mitsang. Die sehr gut gespielte Show strotzte vor Publikumsnähe und Körpereinsatz, ständig sprangen Menschen zum Stagediven auf die Bühne.

Es folgte wieder eine Umbaupause, bevor die Headliner des Abends auf die Bühne sprangen. Heisskalt waren nun fast optimal abgemischt und führten das, was ihre Vorstreiter begonnen hatten, in Perfektion fort. Das machte schon der erste Song „Sonne über Wien“ klar, ein wahres Brett an Gitarre und Schlagzeug, darüber die einzigartige, ein wenig an den Bielefelder Rapper Casper erinnernde Stimme von Frontmann Matthias, die nach einer Mandel-OP auch wieder voll tragfähig ist. Schön war auch zu sehen, dass das Motto Freunde wirklich wichtig genommen wurde an diesem Abend, denn Mario (Blackout Problems) half bei Heisskalt als Backliner aus.

Es folgte ein Set, das abwechslungsreicher kaum sein könnte, denn zwischen harte und laute Songs, wie „Alles Gut“, „Kaputt“ oder „Nicht anders Gewollt“, mischten sich auch immer wieder ruhigere, nachdenklichere Songs, die den sehr tiefgründigen Texten von Sänger Matze eine etwas exponiertere Position gaben. Als Beispiel ist hier der Song „Bestehen“ zu nennen, bei dem er alleine auf der Bühne stand und den Song, der von einer kaputt gegangenen Beziehung handelt, nur mit Gitarre sang. Ein Gänsehaut-Moment.

Zwei neue Songs, die auf dem im nächsten Jahr erscheinenden, zweiten Album der Band sein sollen, wurden sehr gut im Publikum aufgefasst. Die Mischung aus alten und neuen Songs gelingt Heisskalt. Sie spielen seit langem mal wieder den Song „Schatz“, der als perfekte Beschreibung für die in kein Genre passende Musik gesehen werden kann, da bei ihm der ruhige Anfang in die für die Band symptomatisch überbordende Lautstärke endet.

Auch ein noch so adrenalingeladenes Konzert geht irgendwann zu Ende, wobei sich Heisskalt nicht lumpen ließen und als Zugaben noch ihren vermutlich größten Hit „Hallo“ und den als Hommage an ihre, sie beeinflussenden Bands gedachten Song „Das bleibt hier“ spielten, zu dem sich An Early Cascade und Blackout Problems auf die Bühne und Heisskalt mit Tom-Toms ins Publikum gesellten.

Der kleine Club Stereo bildete die passende, intime Atmosphäre für dieses Konzert mit Freunden, denn genau nach diesen Kriterien hatten Heisskalt die Konzert-Venues für die Konzerte ausgesucht. Sie sollten klein sein und so für eine ganz besondere Stimmung sorgen. Bemerkenswert ist auch, dass die Booking-Agenturen der Künstler dieses Projekt unterstützen und ihnen bei der Planung sehr freie Hand ließen. Sowohl bei der Städtewahl (Dresden, Nürnberg, Karlsruhe, Köln), als auch bei der Entscheidung mit welchen Freunden, die aus dem Genre-Kreisen von Heisskalt stammen und sich laut Lucas auch schon teilweise kannten, man die Konzerte bestreite.

Abschließend lässt sich der Abend also als sehr gelungen und schweißtreibend im positiven Sinn beschreiben. Es hat Spaß gemacht, den drei Bands bei der kompletten Ektase zuzusehen und dabei selbst auch sehr weit in die Faszination ihrer Musik ein zu tauchen. Schön war auch zu erfahren, dass es möglich ist mit den Jungs ganz natürlich zu reden und sie sich sogar für einen Interview-Termin nach dem Konzert noch Zeit nahmen. Alle Mitglieder der Gruppen sind sehr sympathisch und aufgeschlossen. Es gibt überhaupt keine Starallüren oder Distanz, sondern Publikumsnähe wird hier großgeschrieben.

Rundum ein gelungener Abend mit Freunden.

(ein kleines Video vom Konzert findet ihr auf der Facebook-Seite von Heisskalt, www.facebook.com/heisskaltmusik)