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Konzertbericht: Maximo Park

Maximo Park scheint den Musikgeschmack von How Deep is your Love gut zu treffen. Anders ist es nicht zu erklären, dass gleich drei unserer Redakteure sich im Hirsch vor dem Herbststurm in Sicherheit brachten. Das Ergebnis zusammengefasst in zwei Konzertberichten:

„Das können wir meinetwegen die ganze Nacht so machen“, grinst Paul Smith ins Publikum. „Das heißt dann ‚Maximo Park – Bonusmaterial‘“! Wie sympathisch, wenn eine Band dieses Formats einfach nonchalant eingesteht: Es ist schön, dass ihr, liebe Fans, Liederwünsche äußert für die Zugabe. Es ist nur so: Wir können das alles nicht mehr. Hier und da geht vielleicht grade noch ein Bass-Riff, eine Textzeile, doch sonst – „Nein, nein nein!“ Man kann aber durchaus schon mal den Überblick verlieren, bei fünf Alben in neun Jahren, bei einer variantenreichen Bandbreite irgendwo zwischen punkigem Spaß-Indie und elektronischem Melanchopop, bei den Songs, die irgendwie jeder kennt und denen, die scheints doch nur dem eingefleischten Fan geläufig sind, kein Ding, Maximo Park, wir verstehen das.

Was wir nicht verstehen, ist, wie ein Publikum, das inmitten des allerschönsten Herbststurmes bis zum Hirsch schwimmt, drin dann beinahe reglos bleiben kann. Es ist ja nicht so, dass die Musik nicht zum Bewegen, zum Tanzen abholen würde, allein das, was Frontmann Smith da oben vollführt, muss doch ansteckend wirken. Oder paralysierend? Der Mann mit Hut und großen Gesten dominiert den Auftritt körperlich wie stimmlich, selten bekommt er zur instrumentalen noch Gesangsunterstützung, ausdruckstanzt unermüdlich, und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob es Maximo Park gäbe, hätte Ritalin schon 20 Jahre eher Konjunktur erfahren. Seit Veröffentlichung des fünften Albums „Too much information“ im Januar 2014 ist die nordenglische Band mit dem Beinamen „Musterschüler der ‚School of 2005‘“, was sie an die Spitze von Anfang des Jahrtausends gegründeten Formationen wie Bloc Party, Razorlight oder Kaiser Chiefs setzt, auf Tour, Europa, Asien, Rock am Ring war auch dabei, da kommt der Hirsch grad recht, ein „sweaty building“, findet Paul Smith und erzählt bürgernahe Geschichten, mit denen neue Songs anmoderiert werden.

Ein blödes Erlebnis am Siemens Park? „The National Health“! Die Nürnberger Altstadt? „By The Monument“! Vorbildlich den Alben und Veröffentlichungsjahren zugeordnet, sind die Songs schnell und kraftvoll, die Beats eingängig und abwechslungsreich, manche melancholisch, aber nie schnulzig, selbst die, die als „this is ein Liebeslied“ angekündigt werden. Man könnte viel tanzen. Man kann aber (offenkundig) auch einfach nur stehen und fühlen, man muss (erstaunlich) wenig mit dem Handy filmen, aber vielleicht ist das nur ein Zeichen dafür, dass der Durchschnittsfan seit Anbeginn treu ergeben und darob ein paar Lenze reicher ist. „Brain cells“, „Apply some pressure“, „The kids are sick again“ – da darf freilich eines nicht fehlen: „Are you ready for this riff?“ – „Books from boxes“, natürlich, lauter alte Schinken, die aber nicht minder begeistern wie die des aktuellen Albums, von denen freilich eine angemessene Menge in die Setlist eingebaut sind. Zu viel Information? Nö, eigentlich nicht.

// Text: Katharina Wasmeier //

Doch scheint es im Hirsch nicht überall so reglos gewesen zu sein, scheinbar macht der Standpunkt den Unterschied. Es folgt der zweite Bericht zum selben Konzert:

Dieses Mal hatte der Hirsch zu Maximo Park gerufen und wir sind diesem Aufruf natürlich gefolgt. Nachdem wir beide sie das erste Mal bereits 2008 live und exklusiv „By the Monument“ im Nürnberger Burggraben im Rahmen der Telekom Streetgigs und danach bei mehreren Festivals erleben durften, dachten wir zu wissen, was bei ihrem ersten Auftritt im Hirsch auf uns zukommen wird.
Die schweißverklebten Klamotten und der leichte Tinnitus danach zeugten aber eher davon, dass wir uns wohl nicht mehr ganz daran erinnert hatten, was uns erwartet.

Aber kommen wir zum Ablauf zurück.

Der Abend begann nämlich zuerst mit His Clancyness (seit 2013 unter dem Label Fat Cat Records), dem mehrköpfigen Soloprojekt des Italo-Kanadiers Jonathan Clancy. Der Musikstil ist eine bunte Mischung aus Krautrock, Rock’n’Roll und Synthiesound – dazu noch eine Prise 80s optisch und akustisch, mal langsam und düster, dann wieder schnell und tanzbar. Vor allem die schnelleren Nummern gehen ins Ohr und in die Beine, gefällt uns. Das 40-minütige Set sorgte auf jeden Fall für eine gute Einstimmung des noch etwas zurückhaltenden Publikums und dafür, dass wir sie im Auge behalten werden.
Während der Umbaupause, die in etwa solang wie das Set der Vorband dauerte, begann draußen der erste Herbststurm und bald sollte es auch innen stürmisch werden.

hisclancyness

Als Maximo Park die Bühne betraten und direkt mit „Leave this Island“ vom aktuellen Album „Too much Information“ loslegten, war klar, dass eine gute Show bevorstand. Die Ersten begannen tanzen und der Rest wippte zumindest im Takt mit, während Paul Smith auf der Bühne eine wie gewohnt erstklassige und energiegeladene Performance ablieferte und das 80 Minuten lang. Der Mikrofonständer jedenfalls stand nie länger still, mal lag er umgekickt am Bühnenboden oder wurde schwungvoll in die Höhe gehoben. Auch Keyboarder (und zusätzlich an diesem Abend Geburtstagskind!) Lukas Wooller zeigte viel Einsatz am Instrument; so befand er sich des Öfteren mehr auf dem Keyboard als dahinter.

Die Setlist war ein guter Mix aus Klassikern wie „Our Velocity“ (Album „Our Eartly Pleasures“ – 2007) und neueren Songs wie „Drinking Martinis“ und spätestens bei Songs wie „Books from Boxes“ oder dem anschließenden „Apply some pressure“ (Debütalbum „A Certain Trigger“ – 2005) war wirklich jeder am Tanzen und Mitsingen.

Zwischendrin wurde mit kleineren Anekdoten (zum Teil auf Deutsch!) der Auftritt gekonnt aufgelockert. So wollte Paul anscheinend am Nachmittag bei einem Spaziergang eine Abkürzung über das Siemensgelände nehmen und wurde von einer resoluten Dame darüber aufgeklärt, dass er dies nicht dürfe. Dieser Vorfall wurde als Einleitung zu „The National Health“ genommen, einem Song über „Menschen die wir hassen, weil sie ihren Job machen“.

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Natürlich ließen wir die Jungs nicht ohne Zugabe gehen und diese endete nach zwei weiteren Songs wie eigentlich immer bei Maximo Park mit „Girls who play guitars“, welches das Publikum noch einmal zum kollektiven Ausrasten brachte. Verschwitzt, glücklich und mit ‘ner signierten LP im Gepäck ging‘s dann aber auch nach Hause.

Unser Fazit: Wer noch nicht die Chance hatte auf ein Maximo Park Konzert zu gehen, die Musik aber ganz gut findet, der sollte das auf jeden Fall nachholen, die Live-Show lohnt sich! Sofort wieder!

/ Text & Bilder: André Prager & Simon Strauss /
Addicted to Concerts NBG & Weheartmusic