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Festivalbericht: Nürnberg.Pop 2014

Das Nürnberg.Pop Festival gilt mittlerweile als das größte Musik- und Showcasefestival Süddeutschlands. Zum vierten Mal wurden mehr als 60 Künstler auf über 20 Spielstätten in der südlichen Nürnberger Innenstadt verteilt. Klar, dass How deep is your Love auch mehrfach vertreten war, um für euch berichten zu können:

Los ging es auf der Goija Terrasse mit dem akustischen Set von Me and Reas. Mit sommerlich-leichten Folkpop-Songs wurde den herbstlichen neun Grad getrotzt, um die Festivalbesucher auf Betriebstemperatur zu bringen. Auch wenn es erst der Festivalopener war, war die Stage dennoch sehr gut gefüllt. Kein Wunder: Me and Reas sollte man schon einmal gesehen haben. Mindestens.

meandreas

Nick&June eröffneten im Auditorium des neuen Museums ihre eigene kleine Festivalbühne selbst und wussten zu überzeugen. Trotz der frühen Uhrzeit war es bereits gut gefüllt, und mit ihrem leicht melancholischen Folkpop wussten die beiden auch sehr zu überzeugen. Teilweise spielten sie zu zweit vier Instrumente in einem Song, was wir auch sehr bemerkenswert fanden.

nickandjune

Nach diesem Konzert teilten wir uns auf Grund der schieren Menge an geilen Acts auf und verbrachten den Abend größtenteils getrennt voneinander. Deshalb gibt es für euch erst mal den Ablauf von Andrés Abend und danach den von Simon.

Die britische Band Mausi eröffnete die Bühne im K4 Festsaal, der sich zusehends füllte. Schnelle bunte Visuals und ein treibender Electropop-Beat sorgten für Bewegung auch vor der Bühne. Die Stimmung war trotz der frühen Stunde super, die Songs sind fröhlich locker und vor allem tanzbar. Detail am Rande: Es war die zweite Show in Deutschland überhaupt. Großartig.

mausi

Mit den Worten „Hallo, schön dass ihr auf das Carrousel aufgestiegen seid!“ wurde man in der Zwingerbar begrüßt. Die Schweizer Band Carrousel beschallte die Location mit wunderschönem französischem ChansonFolkPowerpop und verzauberte das Publikum. Auch wenn das Mitsingen an den mangelnden Französischkenntnissen der Zuschauer scheiterte, war die Show klasse.

carrousel

Zico macht zackigen Reggaerock auf Deutsch, nach etwas aufwärmen kam auch das Publikum in der Kulturkellerei in Stimmung und tanzte im Takt mit. Zwischendurch gab es einen kleinen Wettbewerb mit zwei Freiwilligen, nach Ansage der Band sollte so schlecht wie möglich getanzt werden. Das pushte die Stimmung ganz ordentlich und im Anschluss wurde zum kollektiven Ausrasten aufgerufen. Die Masse folgte. Herrlich.

zico

Bbou war beim Nürnberg.Pop sein eigener DJ, schmiss den Laptop an und startete das Set nach der bajuwarischen Begrüßung. Auch wenn ihm das Weißbier schmerzlich fehlte, so lieferte er dennoch einen tief bayerisch eingefärbten Auftritt ab. Was anderes war auch nicht zu erwarten, von einem Amberger MC der in Mundart rappt. Das Publikum feierte das kräftig, ein paar Leute nahmen dann auch auf der Couch hinter dem Rapper Platz und wurden schnell mit in die Show einbezogen, genau wie die übrigen Gäste.

bbou

Rangleklods lieferten noch einmal kräftige Electrobeats in den gut besuchten Festsaal. Unterlegt mit zweistimmigem Gesang ergab sich ein ansteckender Sound, der in die Beine ging bis in die letzte Reihe.

rangleklods

Ruhiger ging es im K4 Hinterzimmer zu. Auf der Bedroomdisco-Stage sah man Parasite Single. Elektronisch-nordische Klänge vermischt mit Gesang des Duos in super entspannter Atmosphäre. Ein guter Kontrast zu den gerade erlebten Rangleklods im Festsaal.

parasite single

Ekat Bork überzeugte in der Zwingerbar mit einer gigantischen Stimme. Emotional bis ekstatischer Soul vermischt mit zuweilen krachigem Electropop-Sound der Band, die sie gut im Griff zu haben schien. Das Publikum lauschte gespannt.

ekat bork

Indie-Rock mit Synthies aus dem Iran wurde in der Kulturkellerei präsentiert. Die Band Langtunes rückte als letzte Band ins Lineup nach und konnte nach kurzer Zeit unter Beweis stellen, dass auch aus Teheran gute tanzbare Musik kommt.

langtunes

Andrés abschließendes Fazit:
Das Nürnberg.Pop bot zahlreiche musikalische Leckerbissen quer durch alle Musikrichtungen. Ein Lob an die Veranstalter dafür und auch für die durchdachte Organisation. Bis auf wenige Einlassstopps hatte man uneingeschränktes Festivalvergnügen. Weiter so!

Nachdem André und ich uns getrennt hatten, ging es für mich direkt vom neuen Museum in den Club Stereo.

Dort lüftete sich kurz nach acht der Nebel für das erste persönliche Highlight. Das Trouble Orchestra eröffnete mit seinem ansprechenden Crossover aus Punk und Hip Hop die Audiolith Records Bühne und die sympathischen Hanseaten brachten uns direkt das erste Mal zum Schwitzen. Hervorzuheben ist auch der sehr tolle Tribut an die kürzlich verstorbene Hamburger Sprayer-Ikone OZ.

troubleorchestra

Vom Trouble Orchestra angeheizt ging es ins K-Sechs zu Bum Khun Cha Youth. Das Duo um Musikjournalist Linus Volkmann war schon zu Beginn überrascht, dass überhaupt jemand kommt, um sich ihren Elektropop anzuhören, welcher laut eigener Aussage irgendwo zwischen Blümchen und Eiffel65 anzusiedeln ist. Anfangs waren es auch nur ein paar Leute, aber im Verlauf des Auftritts wurde es immer voller. Auch wenn die Musik aus dem Laptop kam und der Text abgelesen wurde, war es einfach nur unglaublich lustig und jedem weiterzuempfehlen.

bumkhunchayouth

Nach diesem ersten Einblick in die trashige Seite des Nürnberg.Pop ging es weiter zum nächsten etwas andersartigen Act. In der zum Platzen gefüllten Mono-Bar erwartete alles sehnsüchtig den Auftritt von Bird Berlin, welcher wie immer sehr glitzernd ausfiel. Zu ihm muss man eigentlich nix sagen, er war schlicht wie Gold! Mindestens 1000 Karat!

birdberlin

Wie fast jeden Auftritt an diesem Abend mussten wir auch Bird Berlin frühzeitig verlassen um zum nächsten Gig zu kommen. Also nix wie raus aus der Mono und ab zu Ira Atari in den Club Stereo. Hatten wir zumindest vor. Aber nix da, diese Idee hatten vor uns schon zu viele andere: Einlassstopp. Macht nix, dann eben zu CHPLN ins Blok. Die beiden sympathischen Jungs entschuldigten sich erst mal dafür, dass ein Teil des Publikums ihren Hintern anschauen musste. Dem Publikum machte dies aber offensichtlich gar nix, und so wurde zu den sphärischen, experimentellen, aber auch teils melancholisch und dunkel angehauchten Klängen ausgiebig gefeiert.

chpln

Ein weiteres kleines Highlight folgte direkt danach. Im Basement von Craemer und Co. standen Occupanther bereit, um uns von den Socken zu hauen. Der experimentelle Sound war unglaublich tanzbar und wird uns noch eine Weile in den Ohren bleiben. Der Auftritt war nicht von großen Lichteffekten oder sonstigem Bohei geprägt, sondern einfach nur musikalisch eine äußerst runde Sache.

occupanther

Nach Occupanther gerade noch rechtzeitig im Club Stereo angekommen um dem Einlassstopp bei Fuck Art; Let’s Dance zu entgehen und mit den Jungs mal so richtig abgefeiert. Ohne Zugabe wollten wir sie nicht gehen lassen und diese hatte der Auftritt auch verdient. Sehr sehr geiler Gig!

fuckartletsdance

Im neuen Museum spielten Me and Reas anschließend ihren zweiten Gig des Abends und wurden zu Recht wieder gefeiert. Die Jungs sind wirklich unglaublich gut. Als Zugabe gab es für die feiernde Meute noch ein wunderbares Lumineers-Cover.

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Als ich mich schon auf den Heimweg machen wollte, fiel mir siedend heiß ein, dass ja noch Rakede im Festsaal des K4 spielen. Na zum Glück bin ich da noch hin, denn diesen Auftritt hätte ich ungern verpasst. Geile Stimmung, geile Mucke, coole Leute.

rakede

Dieses Fazit kann man so eigentlich über das komplette Festival stülpen. Eine unglaublich entspannte Atmosphäre, kein Stress trotz gelegentlicher Einlassstopps, keinerlei musikalische Enttäuschungen und verdammt coole Leute. Ich sach ma, bis nächstes Jahr!

Zusätzlich zu Simons Bericht findet ihr auch viele weitere Bilder bei Weheartmusic.

/ Text & Bilder: André Prager & Simon Strauß / Addicted to Concerts NBG / Weheartmusic