Presspic III credit Rosie Ellis

Nachbericht: Arthur Beatrice & Parcels

Konzerttechnisch gehe ich immer in die gleichen Läden. Manche könnten das langweilig finden, andere treu. Was soll ich sagen, ich bin eine treue Seele. Habe ich mal meine Lieblingsclubs gefunden, bleibe ich da auch. Und trotzdem kann man so viel da draußen verpassen, weil man immer in seinem Bereich bleibt. Ein Vorteil um Neues zu entdecken, ist, wenn man gezwungen ist, seinen Komfortbereich zu verlassen. Arthur Beatrice haben mich aus meiner Komfortzone gelockt und zu sich nach Berlin geholt.

Ich mag es in anderen Städten auf Konzerte zu gehen. Das Publikum ist immer anders. Es heißt, die Franken seien verhalten und im Gegensatz zu Hamburg und Berlin stimmt das. Gut, es kommt immer auf die Band drauf an, aber pauschal sag ich das jetzt mal so. Im Hamburg wird unheimlich schnell gewuuht. Ich wuuhe auch gerne, aber so schnell jetzt auch nicht, muss halt passen. Gestern in der Berghain Kantine, ich wusste, dass ich mich anfangs auch verlaufen würde – so richtig tourimäßig, wurde relativ schnell getanzt. Ich meine da kein mitwippen, sondern schon richtig das Tanzbein schwingen.

Der Grund? Die Vorband Parcels aus Australien. Kannte ich nicht, bin aber froh, sie jetzt entdeckt zu haben. Man kann ihrer Musik anhören, dass sie aus Australien kommen. Sie hat etwas funkiges, entspanntes und Surfers Paradise – artiges an sich. Parcels sind so eine richtige Sommerband! Die Lieder wirken richtig gut, wenn man draußen in der Sonne liegt und vor sich hindöst. Die muss ich mir noch merken und öfter hören!

Etwas unsicher war ich bei Arthur Beatrice, obwohl unsicher nicht passt. Sagen wir gespannt. Wer ihre Musik kennt, weiß, dass sie ruhiger und gefühlvoller ist. Wie würde das live klingen? Verdammt gut! Ja, wirklich! Ellas Stimme ist live noch mal besser, als auf Platte. Die trifft ja gefühlt wirklich jeden Ton! Egal ob die hohen, die fast engelsgleich klingen oder die tieferen. Ich war und bin immer noch baff. Ungewohnt war auch, dass das Schlagzeug lauter klang als man es so kennt. Das war gut und verlieh dem Ganzen noch mehr pepp. Der Gedanke, dass es zu ruhig werden könnte, kam gar nicht erst auf. Tanzbein schwingen, wie davor bei Parcels ging nicht, aber das Bedürfnis hatte ich auch nicht. Dafür war es in der Kantine viel zu heiß. Konzert und Sauna Besuch in einem.

Das einzige, was etwas schade war, dass nur Ella sang, auch bei „Grand Union“, was Orlando und Ella eigentlich gemeinsam singen. Die vier ziehen das Konzept, dass nur noch Ella im Vordergrund steht auch live durch, ist ja auch logisch. Bei dem Lied hätte ich es mir gewünscht, dass sie es über den Haufen werfen. Das ist aber jammern auf hohem Niveau.

Arthur Beatrice – danke, dass ihr mich nach Berlin gelockt habt. Jetzt habe ich eine neue Band entdeckt, euch live gesehen und fahre mit einem Ohrwurm von „Every Cell“ nach Hause. Besser hätte dieser Konzertabend nicht enden können…

www.arthurbeatrice.com
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/ Text: Matilda Pfeil / Bild: Rosie Ellis /