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Nachbericht: Cardinal Sessions in Berlin

So ein Festival immer aus der Ferne und über Social Media zu verfolgen, ist nicht das Gleiche, wie wenn man mitten im Publikum stehen kann.

Am Donnerstag war ich bei der Premiere im Musik & Frieden mit dabei.

Was mir gleich neben der liebevollen Deko von Anfang an auffiel, war der Timetable des Abends. Alle Bands spielten hintereinander und nicht, wie sonst, zeitgleich. Finde ich gut, denn man wird, im positiven Sinne, gezwungen sich die Bands anzuschauen. Sagt einem die Band nicht zu, bleibt man trotzdem stehen, weil ja keine andere spielt.

The Rumour Said Fire zum Beispiel, hätte ich mir wahrscheinlich nicht ganz angesehen, weil sie mir nicht zu 100% zugesagt haben. Weil es aber kein Gegenprogramm gab, blieb ich und wurde eines Besseren belehrt. Zum Ende ihres Sets haben sie mich überzeugt. Wer Indie Gitarren Musik mit britischem Touch liebt, der wird The Rumour Said Fire mögen.

Eine sehr positive Überraschung des Abends war die Naschkatze (so betitelte er sich selbst) Sion Hill. Der Ire, der jetzt in Berlin lebt und auf Deutsch „Ich bin eine Naschkatze“ sagen kann, hatte mich ja schon, als er „I Wanna Be Like You“ aus dem Dschungelbuch gesungen hat! Einmal, weil es eine super Songauswahl ist und weil er den Song hat groß klingen lassen, obwohl er nur seine Gitarre hatte. Genau, dass finde ich an Sion Hill spannend, nur mit einer Gitarre klingen seine Songs schon nach viel. Wie klingen die dann mit einer kompletten Band?

Wenn Sion Hill der selbstbewusste Junge an der Gitarre war, ist Freddie Dickson der Schüchterne. Hat mir leider nicht so zugesagt, war mir etwas zu weinerlich.

Leyya habe ich bestimmt schon zwei Mal live gesehen und fand sie jedes Mal musikalisch richtig gut. Nur warum können sie mit dem Publikum nicht interagieren? Nach jedem Lied sich zu bedanken, ist auch nicht das einzig Wahre und warum dreht sich Sophie auch vom Publikum immer weg? Ich glaube, Leyya und ich passen auf Platte richtig gut zusammen, nur live einfach nicht. Da erwarte ich mehr..

Mein Highlight des Abends waren Woman und ich bin ein kleines bisschen in sie verknallt! Die drei haben so einen krassen Sprung gemacht im Vergleich zu ihrem Auftritt auf dem Reeperbahn Festival letztes Jahr. Sie wirkten sicherer, selbstbewusster und mit wie viel Gefühl Carlos singt und wie gut er doch tanzen kann, fiel mir so richtig erst am Donnerstag auf. Ihre neuen Songs vom Debütalbum „Happy Freedom“ funktionieren live genauso gut, wie die von ihrer „Fever“ EP. Ich höre auch seit Tagen nichts anderes mehr. Das ganze Publikum, ohne Ausnahmen, hat getanzt, da stand keiner still rum. Hat man ja auch nicht alle Tage…

So und bevor ich aus der Schwärmerei nicht mehr herauskomme, höre ich lieber auf und mir bleibt nichts anderes zu sagen, außer dass ich Fan vom Cardinal Sessions Festival bin! Genauso wie es aus der Ferne immer aussah, so ist es auch, wenn man mittendrin ist.

/ Text: Matilda Pfeil / Bild: Jean Raclet /