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Nachbericht: Moses Pelham

Jetzt, wo ich mich so schön eingeschrieben hab, was Konzertnachberichte betrifft, wird das hier wohl erst mal schon wieder der Letzte für längere Zeit sein. Verrückt, wie sich die Welt und alles in ihr so schnell verändern kann und alles auf den Kopf gestellt ist. Was vor ein paar Wochen noch völlig normal war, ist jetzt plötzlich verboten und undenkbar. Wie z.B. auf Konzerte gehen.

Moses Pelham stand diesmal auf der Agenda. Und gerade hier ist das für mich so viel mehr, als einfach nur ein weiteres Konzert eines guten Musikers oder einer guten Band. Niemand, außer Prince, begleitet mich schon so lange und niemand schreibt Texte, als wären sie direkt aus meinem Herzen gekommen. Niemand der mich so sehr berührt und getroffen hat wie Mister Pelham.

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Bereits mit zarten 14 Jahren hab ich den guten in der damaligen Resi im Battle mit einem anderen Rapper gehört. Damals noch auf Englisch. Seine ersten Maxi-Vinyls, Ay-Ay-Ay, mit dem in Franken durchaus bekannten Rico Sparx, der leider viel zu früh 2013 starb, oder Twilight Zone, bereicherten 1988 schnell meine Plattensammlung. Nach seinem Debut-Album Raining Rhymes, im Jahr 1989 wurde es längere Zeit ruhig um ihn, bis er, zusammen mit Thomas Hofmann 1994 „Direkt aus Rödelheim“ mit dem Rödelheim Hartreim Projekt veröffentlichte. Und plötzlich rappte er auf Deutsch. Das war ein Paukenschlag in der damaligen deutschen Rap-Szene. Zum ersten Mal wurde gedisst und gehatet (hauptsächlich gegen die Fanta 4). Nicht umsonst hat Moses den Beinamen „Dem Deutschrap sei Vadder“. Viel Projekte gingen dann von ihm aus. Sabrina Setlur, Xavier Naidoo, Glashaus, um nur einige zu nennen. In der Zeit hat sich der Gute ein Imperium aufgebaut, an dem es kein vorbei gab. Auch in den Schlagzeilen war er, weil er Stefan Raab öffentlich die Nase brach, oder einen Rechtsstreit mit Xavier Naidoo führte was seinen Vertrag betraf, auch mit Kraftwerk liegt er mittlerweile bereits seit über 20 Jahren im Rechtsstreit, wegen eines Samples, das er für Sabrina Setlurs Song „Nur mir“ verwendete. Er war auch einer der Ersten, der abmahnte wegen illegaler Musik-Downloads aus dem Internet. 1998 erschien dann sein Solo-Album „Geteiltes Leid I“, dem mittlerweile 4 weitere Studio-Alben und 2 Live-Alben folgten.

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Am 06.03. erschien mit „Emuna“ sein bislang letztes Album und damit ist, oder besser gesagt war, der Gute jetzt auf Tour. Im Nürnberger Hirsch fand das zweite und auch gleichzeitig letzte Konzert der Tour statt, bis diese jetzt erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Zum Glück konnte ich ihn jetzt noch sehen.

Der Hirsch war leider nicht besonders gut gefüllt. Zum einen lag das mit Sicherheit auch an der schon sehr realen Bedrohung und den Warnhinweisen, größere Veranstaltungen zu meiden, zum anderen war Nürnberg noch nie ein besonders großes Moses Pelham Publikum. Während anderswo seine Show ausverkauft sind, vor allem in seiner Heimatstadt Frankfurt, kommen hierzulande nie ganz so viele Leute zu seinen Konzerten. Versteh ich allerdings nicht ganz. Wer sich mit ihm, seiner Musik und seinen Texten beschäftigt, kann gar nicht anders, als ihn zu bewundern und zu lieben.

Support war eine junge Künstlerin namens Ela., die schöne und entspannte Musik, ganz im Glashaus Stil, machte.

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Danach kam die Band auf der Bühne und Moses tauchte plötzlich mitten im Publikum auf, um mit seiner ersten Single aus dem neuen Album „Notaufnahme“ das Konzert zu starten. Es war eine gute Show. Knappe 2 Stunden, mit allen bekannten Hits und vielen Songs aus dem neuen Album. Teil seiner Band ist unter anderem Ali Neander, der mit seiner damaligen Band, den Rodgau Monotons, schon Ende der 70er den Sprechgesang nach Deutschland brachte. Das gibt er auch bei den Konzerten von Moses Pelham im Song „Strugglin“ zum Besten. Das Publikum war sehr textsicher und sang alle Songs lauthals mit. Gerade der Song „Momomomomosespelham“ aus dem Album Herz wurde den ganzen Abend über intoniert.

Kurz vor elf war alles vorbei und ich hoffe, das war nicht mein letztes Konzert von Moses Pelham. Ich könnte hier stundenlang über den Guten schreiben. Jeden einzelnen Song auseinandernehmen und eine persönliche Geschichte darüber erzählen. Ich weiß auch, das er die Leute ziemlich spaltet und nicht jeder was mit ihm anfangen kann. Aber wenn man sich wirklich ernsthaft mit ihm beschäftigt und sein gesamtes Werk betrachtet und verfolgt, kann man gar nicht anders, ihn zu bewundern und sich zu freuen, das es einen Musiker bzw. Rapper gibt, der einen mit seinen Texten und seiner Musik so sehr berühren kann wie Moses Pelham.

Einen besseren Abschluss der Konzert-Saison auf unbestimmte Zeit konnte es gar nicht geben!

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// Text: Jens Riedel / Videos: Jens Riedel / Fotos: Jens Riedel & Clemens Wehner //