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Nachbericht: New Model Army

Die Helden der eigenen Jugend bewundern, wenn sie mal wieder auf Tour kommen, ist eigentlich eine schöne Sache: Viele Erinnerungen und großer Freude, wenn bestimmte Stücke live hervorgeholt werden. Kann aber auch gefährlich werden, wenn an einem Abend durch einen miesen Auftritt die Nostalgie nachhaltig beschädigt wird. Bei New Model Army besteht diese Gefahr zum Glück nicht,
schließlich waren die Mannen um Frontmann Justin Sullivan nie wirklich weg, regelmäßig wurden in den letzten Jahren neue Alben veröffentlicht.

Ich hatte New Model Army nach ihrem 2000er Album „Eight“ ein wenig aus dem Augen verloren, aber bei den letzten Gastspielen im Hirsch (2009, nur Justin Sullivan mit Keyboarder Dean White und 2016 New Model Army im Rahmen der Tour zum Album „Winter“) war ich immer restlos glücklich sie live erlebt zu haben.
Nun also führt die Tour zu ihrem fünfzehnten Studioalbum „From Here“ wieder ins Hirsch. New Model Army Anhänger sind treue Fans, zum Teil sogar so intensiv, dass ein Teil von ihnen der Gruppe von Auftritt zu Auftritt quer über den Planeten folgt. Kein Wunder also, dass die Halle seit Tagen ausverkauft gewesen ist.
Das doch etwas ältere Publikum (Altersschnitt vielleicht so um die 40) „erfreute“ sich der zunehmend stickigen Luft als gegen 20 Uhr der Support „Helga Pictures“ die Bühne betritt. Eine Gruppe die hauptsächlich in den 80er/90er unterwegs gewesen ist, nach eigener Aussage sogar New Model Army auf ihre Thunder & Consolation-Tour 1989 begleitet und sich nun noch mal reaktiviert hat. Die dargebotenen Stücke tragen dann auch eher den 90er-Jahre Stempel: Alternative-Rock mit Grunge-Elementen. Ein wenig Bewegung bringen sie ins Spiel, aber im Großen und Ganzen nehmen die Leute das nur wohlwollend zur Kenntnis.

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Nach einer etwas längeren Umbaupause legen Sullivan und seine Band dann gleich voll hin: „No Rest“ geht voll nach vorne! Sofort ist Bewegung im Spiel und das Publikum ist heiß. Mit „Never Arriving“ und „The Weather“ folgen dann zwei Stücke vom brandneuen Werk „From Here“; aufgenommen auf einer kleinen Insel vor der norwegischen Küste verkörpern diese eine andere Atmosphäre und bilden gegenüber den alten Klassikern mit ihrem hymnenhaftigen Charakter einen eigenen Part ohne dass diese musikalisch abfallen. Die rockigen Mid-Tempo Songs werden aber vom Publikum gut aufgenommen und mit zunehmender Dauer des Gigs wird die die Stimmung immer ausgelassener. „51st State“, der Dauerbrenner jeder Indie-Disko in den frühen 90ern, markiert einen ersten Höhepunkt. Schon lassen sich die ersten Fans zu Ausdruckstänzen über der Menge hinreissen.

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Anders als noch vor drei Jahren werden heute ihre Klassiker konsequent mit neuerem Material gemischt. So kommen auch weniger bekannte, aber nicht minder tolle Songs zur Geltung: „Believe it“, „Ballad of Bodmin Pill“ und das in einer akustischen Version dargebotene „Over the Wire“.
Mit „Get me out“ wird zwar erstmal ein Schlusspunkt gesetzt, aber das Publikum verlangt frenetisch zwei weitere Zugaben, die schließlich mit dem sehnsüchtig erwarten „I love the world“ ihren Abschluß finden.
Der gute Justin Sullivan ist zwar mittlerweile auch schon 63, aber wer nach Jahrzehnten immer noch so kraftvoll rüberkommt, hat allen Respekt verdient.
Und nach der Ankündigung Sullivans nächstes Jahr zum 40jährigen Bestehen der Band mit einem Haufen an Klassikern live wieder vorbeizuschauen, dürfte der Termin wieder fest im Kalender stehen.

/ Text & Bilder: Jörg Meyer /