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Plattenkritik: Akne Kid Joe – Die große Palmöllüge

Was ist denn das für eine Musik?
Das ist Punk.
Oh, Das klingt sehr wütend.
Sind sie auch.
Worüber sind die so wütend?
Über alles.

Akne Kid Joe sind wütend. Wütend auf Misogynie, wütend auf die AfD, wütend auf Großkonzerne die sich wie Gandhi fühlen, wenn sie 1% an wohltätige Einrichtungen spenden, wütend auf spießige Nachbarn, wütend auf Traditionalisten, die aufs Zigeunerschnitzel pochen und wütend auf alle, die früher alles besser fanden.

Diese wunderbare Wut packen sie in 15 Songs, die nach guter alter Punk-Tradition selten länger als drei Minuten sind. Immer mit diesem herrlichen Zynismus versehen, der einen manchmal verwirrt zurücklässt, weil man nicht weiß, ob die das jetzt ernst meinen, oder doch nicht.

Die große Palmöllüge liefert ab. Punkt. Zwei Akkorde Deutschpunk auf die Zwölf mit intelligenten und kritischen Texten. Hier und da ein wenig Ska-Einfluss und immer mit diesem ganz eigenen Synthiesound hinterlegt.

Akne Kid Joe nehmen sich selbst nicht ganz so ernst, wie sie auch im Song „Gestern Emergenza“ beweisen, aber die anderen sollten sie ernst nehmen. Wenn die vier so weitermachen, dann kommt aus Nürnberg doch mal wieder eine Band, die es zu größerer Bekanntheit schafft. Wäre sehr wünschenswert.

Auf der soeben eingeführten HDIYL-Skala erhält die große Palmöllüge von mir subjektive 5 von 5 Herzen. ❤❤❤❤❤ (hier spielt durchaus auch die Sympathie zur Band mit rein)

Meine persönliche Empfehlung ist der Song „Nachbarn“, der sehr offensichtlich jemand aus der unteren Baustraße gewidmet ist.

Und jetzt ab zu Spotify oder Tante Guerilla und das Album anhören oder kaufen. Am besten beides, ich habe gehört es fasst sich unglaublich gut an.

/ Text: Simon Strauß / Bild: Kay Özdemir /