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Telquist im Interview

Wir wissen zwar nicht, wie oft Sebastian Eggerbauer alias Telquist schon mit Milky Chance verglichen wurde, aber eines ist klar: dieser Vergleich hat durchaus Berechtigung! Nach seinem Debütalbum „Strawberry Fields“ erscheint noch in diesem Jahr ein neues Album – der heute veröffentlichte Song „Taste“ liefert einen weiteren Vorboten. Wir haben mit Sebastian über Katertage, Vodka-O und das Gefühl alter Zeiten gesprochen.

Innerhalb von drei Jahren erscheint nun bald dein zweites Album, eine EP hast du in der Zeit nicht veröffentlicht. (Warum) bist du ein Album-Mensch?

Sebastian: Das hat zwei Gründe glaube ich: Erstens hab ich’s schon immer geliebt sich voll in ein Album reinzuhören und es irgendwie als richtiges Kunstwerk mit Dramaturgie und so weiter wahrzunehmen. Deshalb find’ ich wahrscheinlich auch die Vorstellung schön, dass andere Menschen das vielleicht mit meiner Musik tun könnten und dazu eignet sich ein Album einfach, eine EP ist in meinem Kopf irgendwie eher eine Handvoll Singles (das kann aber natürlich auch toll sein). Und zweitens, das ist wahrscheinlich der wichtigere Grund, bin ich alleine und das macht das Musikmachen sehr viel unkomplizierter und schneller, weil man nicht immer dauernd alles bei Bandkollegen durchboxen und sich dafür rechtfertigen muss :) Das heißt, es war für beide Alben einfach sehr viel Material da, aus dem ich dann auswählen konnte.

Woher nimmst du deine Inspiration für so viele Songs und Themen? Wann bist du am kreativsten?

Sebastian: Interessanterweise funktioniert das bei mir oft am besten, wenn ich verkatert bin. Dann bin ich einerseits so zerstreut, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann und die Sachen nicht so zerdenke und andererseits auch oft irgendwie emotional ein bisschen angekratzt. Das ist für’s Musikmachen eine gute Mischung. Im Grunde versuche ich aber immer, mich in einen Vibe fallen zu lassen und dem dann musikalisch halbwegs gerecht zu werden. Das funktioniert manchmal, oft aber auch nicht.

Du sagst, dass dein neues Album ein wenig elektronischer wird – hast du die Songs des neuen Albums wie auch auf dem Vorgänger „Strawberry Fields“ wieder im Alleingang aufgenommen?

Sebastian: Ich glaube, dass es letztendlich gar nicht elektronischer geworden ist als „Strawberry Fields“, das habe ich nur während des Machens gedacht. Ich hab’ erstmal wieder ales genauso und alleine gemacht, aber irgendwie habe ich dann gemerkt, dass das für die neuen Songs nicht so gut funktioniert. Ich glaube der größte Unterschied ist, dass auf dem neuen Album auch (nicht nur) Songs sind, die nach vorne gehen. Das hat mich bis dahin nie interessiert und ich wusste nicht so richtig wie ich das umsetzen kann, deshalb habe ich mir Mario Fartacek aus Wien als Produzenten dazugeholt. Wir haben die quasi fertigen Sachen dann nochmal umgearbeitet und das hat sich für mich als Glücksfall erwiesen. Außerdem hat der Max, mein Live-Drummer, dieses Mal das akustische Schlagzeug eingespielt!

In dem Song „Trash Talk“ geht es um das Gefühl, trotz unterschiedlicher Entwicklungen immer noch einen gemeinsamen Nenner mit alten Freunden zu haben. Ist das ein rein positives Gefühl oder überkommt dich auch manchmal eine Melancholie darüber, dass diese alten Zeiten vorbei sind?

Sebastian: Hmm schwierig, für mich ist dieses Gefühl immer auch ein melancholisches, aber eigentlich kein negatives. Ich finde Melancholie ist ja meistens irgendwie auch was Schönes. Das ist für uns immer toll, wenn wir uns dann mal treffen und die alten Zeiten dann so ein bisschen aufleben lassen, Wehmut ist da natürlich schon dabei, aber eben positiv.

Du vergleichst „Trash Talk“ auch mit einer betrunkenen Euphorie und besingst in dem Song u.a. Vodka-O. Ist das das Getränk deiner Jugend?

Sebastian: Ja schon, ich komm ja vom Land und bei uns war das irgendwie so, dass es eine Zeit lang eben immer und überall nur Vodka-O gab und dann Vodka-Bull. Ich hab beides nie gemocht, aber es eben auch getrunken.

Dieses vollkommen pappsüße und ekelhafte Zeug ist für mich irgendwie total mit der Zeit verbunden. Irgendwie schön :)

Dein neues Album soll nun vermutlich Mitte 2020 raus kommen, die Songs „Taste“, „Trah Talk“ und „Fun“ hast du schon veröffentlicht. Weißt du mittlerweile, wie dein neues Album heißen wird?

Sebastian: Ja, vermutlich „Wild-Haired“, das ist ein Song, den wir auf Konzerten oft als Letztes spielen und der die Grundthematik vieler Songs vom Album ganz gut fasst. Da geht’s so ein bisschen darum, dass man sich irgendwie plötzlich und unvorbereitet mit der Frage konfrontiert sieht, was man sein und machen will im Leben. Ich hab’ das Gefühl, dass das mich und viele Freunde mit ähnlichen Interessen und Studiengängen gerade sehr beschäftigt hat, als ich die Songs geschrieben habe.

Die letzten Jahre haben es sehr gut mit dir gemeint – du bist direkt bei dem Label Wohnzimmer Records untergekommen und hast einen Musikpreis der Stadt Regensburg abgeräumt. Hat das bei dir während der Produktion des zweiten Albums mehr Druck ausgelöst?

Sebastian: Beim Machen irgendwie gar nicht, das konnt’ ich da alles sehr gut ausblenden und irgendwie bin ich auch gar nicht so richtig auf die Idee gekommen. Ich hab’ aber jetzt gemerkt, bevor die ersten zwei Singles rauskamen, dass ich mir schon wahnsinnig viele Gedanken mache, ob das den Leuten gefallen wird und so weiter, gerade weil die beiden Singles ja schon anders waren als das alte Zeug. Aber am Ende beruhigt mich immer der Gedanke, dass das eh alles schon viel mehr ist als ich ursprünglich wollte und dass ich das ja eigentlich tu’ weil’s mir einfach wahnsinnig viel Spaß macht!

Wir sagen: vielen Dank für das Interview!

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// Text: Sarah Grodd //
// Bild: Daniel Dueckminor //